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Runway Incursion und Runway Excursion

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Runway Incursion und Runway Excursion

Pistenvorfälle zählen zu den kritischsten Sicherheitsproblemen in der Zivilluftfahrt. ICAO und EASA priorisieren ihre Vermeidung in mehreren Programmen.

Definitionen

Runway Incursion

Definition (ICAO Doc 9870): Ein unautorisierter Aufenthalt eines Luftfahrzeugs, Fahrzeugs oder einer Person auf der geschützten Flächen einer Piste — der Bewegungs­fläche, die für Start, Landung und Sicherheits­abstand bestimmt ist.

Kategorien nach Schweregrad:

  • Kategorie A — Beinaheunfall, Kollisions­vermeidung im letzten Augenblick.
  • Kategorie B — signifikantes Kollisions­potenzial.
  • Kategorie C — ausreichende Zeit/Distanz zur Reaktion.
  • Kategorie D — keine unmittelbare Sicherheits­konsequenz.

Typische Ursachen:

  • Pilot rollt auf falsche Piste / aktive Piste,
  • Pilot übersieht Hold-Position-Markierung,
  • Pilot missversteht ATC-Anweisung,
  • Fahrer eines Flughafen­fahrzeugs überschreitet Hold Point,
  • Pilot kreuzt aktive Piste ohne Freigabe.

Berühmte Beispiele:

  • Tenerife 1977 (Pan Am / KLM, 583 Tote) — KLM-747 startete während Pan Am-747 auf der Piste rollte. Bis heute der tödlichste Luftfahrt­unfall.
  • Linate 2001 (SAS / Cessna Citation, 118 Tote) — Citation rollte bei Nebel auf aktive Piste.

Runway Excursion

Definition: Ein Luftfahrzeug verlässt die Piste seitlich oder am Ende — entweder bei Start oder Landung.

Typen:

  • Lateral Excursion — Seiten­abweichung von der Piste.
  • Overrun — Pistenende-Überschuss (overshoot beim Landen).

Häufigkeit: Mit ca. 1/3 aller Unfälle ist Runway Excursion die häufigste Unfallkategorie in der GA.

Typische Ursachen:

  • Unstable Approach (zu schnell, zu hoch),
  • Hydroplaning auf nasser/kontaminierter Piste,
  • Seitenwind unter­schätzt oder Technik fehlerhaft,
  • Bremsversagen,
  • Aerodynamic Stall im Pisten­bereich,
  • Verlust der Kontrolle bei Bodenwind­änderung,
  • Falsche Klappen­stellung.

Schutzmaßnahmen am Flugplatz

Hold-Position-Markierungen

Aussehen: gelbe Doppellinie mit gestrichelter Linie auf der Rollbahn vor der Piste:

  • Vier gelbe Linien (2 durchgezogen + 2 gestrichelt) parallel zur Piste.
  • Markiert den Punkt, vor dem ein Luftfahrzeug ohne ATC-Freigabe nicht weiterrollen darf.

Auswirkung:

  • An kontrollierten Flugplätzen: „Cleared to cross runway" oder „Hold short of runway" vom Tower einzuholen.
  • An unkontrollierten Flugplätzen: vor dem Überqueren selbst absichern (Sichtkontrolle, Radio-Hinweis auf der Platzfrequenz).

Pistenmarkierungen und -beleuchtung

  • Pisten­schwellenmarkierungen (siehe Lesson Pistenmarkierungen (auswendig lernen) in Subject 010).
  • Pisten-Identifizierung (Nummer + L/C/R).
  • Anti-Kollisions-Licht am Pistenanfang in einigen modernen Plätzen.
  • Stopbar-Lichter (rote Leuchten quer zur Rollbahn) an internationalen Verkehrs­flughäfen — niemals überfahren.

A-SMGCS (Advanced Surface Movement Guidance and Control)

  • Modernes Systeme an größeren Flughäfen (Frankfurt, München) — beinhaltet Boden-Radar, Anti-Konflikt-Systeme.
  • Für PPL eher Hintergrund­wissen.

Vermeidungs­strategien — Pilot

1. Aufmerksamkeit vor jeder Piste

  • STOP, schaue links und rechts, höre auf dem Funk,
  • Sterile Cockpit beim Rollen — keine Ablenkungen,
  • Bei Zweifel: fragen beim ATC.

2. Klare Funk-Kommunikation

  • Standardphrasen verwenden,
  • Read-back jeder Hold-/Cross-Anweisung,
  • Bei Missverständnissen: „Say again".

3. Bewusstsein für aktive Piste

  • ATIS hören und Pisten­richtung notieren,
  • Auf der Rollkarte den Weg vorher planen.

4. Bei niedriger Sicht

  • Bei Nebel/Nacht: extreme Vorsicht beim Rollen,
  • Manche Plätze: LVP (Low Visibility Procedures) mit zusätzlichen Beschränkungen,
  • Falls verloren: stoppen und ATC fragen — nicht „weiterprobieren".

5. Beim Anflug (gegen Excursion)

  • Stabilized Approach Criteria einhalten:
    • Geschwindigkeit ± 10 kt der Zielgeschwindigkeit,
    • Sinkrate < 1 000 fpm,
    • Letzter Konfigurations­wechsel < 500 ft AGL,
    • Auf der Anflug­linie und Gleitpfad-Linie.
  • Bei nicht-stabilisiert: Go-Around — immer eine Option!

6. Beim Aufsetzen

  • Touchdown im ersten Drittel der Piste,
  • Wenn nicht gelungen: Go-Around statt zu spät auf­setzen.

7. Auf nasser/kontaminierter Piste

  • Reduzierte Bremswirkung kalkulieren (siehe Kontaminierte Bahnen-Lesson),
  • Aerodynamische Bremsung (Klappen aus, Höhenruder gezogen) priorisieren.
  • Bei Hydroplaning: nicht hart bremsen, sondern leicht und gleichmäßig.

EASA und ICAO Maßnahmen

ICAO:

  • Doc 9870 — Manual on Prevention of Runway Incursions.
  • Doc 9981 — PANS-Aerodromes.
  • Verpflichtende Runway-Safety-Teams an Verkehrs­flughäfen.

EASA:

  • SIB 2023-04 (Runway Excursion).
  • EASA Action Plan for Runway Safety.

Deutschland:

  • DFS und LBA leiten Runway-Safety-Programme.
  • NfL mit Hinweisen zu spezifischen Plätzen.
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