Allgemeine Luftfahrzeugkunde — FlugzeugeLektion 40 von 55
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Kurskreisel (Heading Indicator / Directional Gyro, DG)

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Der Kurskreisel (Directional Gyro, DG; Heading Indicator, HI) zeigt die Steuerrichtung — eine stabilere Anzeige als der Magnetkompass, weil er nicht den Kompassfehlern unterliegt (Beschleunigungs-, Schiebe-/Drehfehler).

Funktion

  • Horizontalachsen-Kreisel mit hoher Raumsteifigkeit.
  • Der DG misst keine Richtung — er wird mit dem Magnetkompass im Geradeausflug abgeglichen und behält dann diese Referenzrichtung bei.
  • Anzeige typisch über eine Kompassrose mit Lubber Line (Steuerstrich).

Rotationsachse — parallel zur Erdoberfläche

Die Rotationsachse des Kurskreisels ist parallel zur Erdoberfläche ("the axis of the directional gyroscope is parallel to the surface of the Earth"):

  • Anders als beim Künstlichen Horizont (Achse vertikal zur Erde), liegt die Kreisel­achse des DG horizontal.
  • Diese Anordnung erlaubt die Messung von Drehungen um die vertikale Achse (Yaw / Heading) durch Präzession.

Drift — zwei Quellen

QuelleMechanismusGrößenordnung
Mechanische Drift (Real Drift)Lagerreibung erzeugt Präzession → langsame Verschiebung der Anzeigetypisch ~3°/15 min
Scheinbare Drift (Apparent Drift)Die Erde dreht sich unter dem raumfesten Kreisel → der DG scheint sich relativ zur Erde zu drehenbis ~15°/h am Äquator, 0 am Pol (geographische Funktion)

Ursachen der scheinbaren Drift

Erdrotation und Flugzeugbewegung sind die Ursachen der scheinbaren Drift eines Kurskreisels ("Earth rotation and aircraft movements are the causes for apparent drift of a directional gyroscope"):

  • Erdrotation: die Erde dreht sich in 24 Stunden um 360° um ihre Achse → ein im Inertial-Raum stabiler Kreisel scheint sich relativ zur Erde zu drehen.
  • Flugzeug­bewegung: bei einem Flug nach Osten/Westen verändert sich die geographische Position → die effektive "Drehung" der Erde unter dem Kreisel wirkt unterschiedlich.

"Apparent Drift" — Definition

"Apparent Drift" (scheinbare Drift) bedeutet eine Abweichung der Kurskreisel-Anzeige ("a deviation of the directional gyroscope") gegenüber dem Magnetkompass — sie ist nicht real (der Kreisel bleibt im Raum stabil), sondern entsteht durch die Erdrotation und die Flugzeugposition relativ zur Erdfläche.

Reliabilitäts-Grenze — 60° Pitch und Bank

Standard-Kurskreisel arbeiten zuverlässig nur bis zu 60° Pitch- und Bank-Lage ("standard directional gyroscopes operate reliably only up to 60° of pitch and bank attitudes as a basic guideline"):

  • Über 60° hinaus erreicht die Gimbal-Mechanik ihre Grenze.
  • Der Kreisel kann "umkippen" (Gimbal Lock) oder seine Lage verlieren.
  • Bei Wiedererreichen der Normallage muss der DG manuell mit dem Magnetkompass synchronisiert werden.

Gimbal-Fehler

Der Kurskreisel ist von Gimbal-Fehlern (gimbal error) betroffen — Anzeige­fehler entstehen durch die Begrenzung der Gimbal-Mechanik und die Wechselwirkung mit Beschleunigungen / Kurven. Symptome:

  • Bei steileren oder längeren Kurven kann der DG eine fehlerhafte Anzeige haben.
  • Korrektur: gegen Magnetkompass synchronisieren nach Rückkehr in den Geradeausflug.

DG-Einstellung — gegen Magnetkompass

Der Kurskreisel wird auf die Kompass-Anzeige eingestellt ("the directional gyroscope is set to the compass indication"). Verfahren:

  1. Stabiler Geradeausflug ohne Beschleunigung.
  2. Magnetkompass-Anzeige ablesen.
  3. DG-Drehknopf vorsichtig drehen bis die DG-Anzeige der Kompass-Anzeige entspricht.
  4. Empfehlung: alle ~15 Minuten wiederholen.

Spin-up — Bereitschaft 3 Minuten nach Start

Der Vakuum-getriebene Kurskreisel ist ca. 3 Minuten nach Engine Start betriebsbereit ("the directional gyro driven by a vacuum pump is ready for operation about 3 minutes after engine start"):

  • Die Vakuumpumpe braucht Zeit, um den Kreisel auf Drehzahl zu bringen.
  • Vor Ablauf dieser Spin-up-Zeit ist die Anzeige unzuverlässig.
  • Vor Take-off: DG-Spin-up und initiale Synchronisation mit Kompass abwarten.

Erection (Aufrichtung)

Der DG hat eine Aufrichtungseinrichtung, die sicherstellt, dass die Rotationsachse horizontal bleibt — sonst würde die Schwerkraft präzessions-induzierte Drift erzeugen.

Horizontal Situation Indicator (HSI)

Der Horizontal Situation Indicator (HSI) ist ein kombiniertes Instrument, das einen Heading Indicator (Kurskreisel) mit Navigations­anzeigen (typisch VHF-Receiver — VOR / ILS) in einer einzigen, benutzerfreundlichen Anzeige kombiniert:

  • Heading-Anzeige: Kompassrose vom Kurskreisel.
  • Course Deviation Indicator (CDI): Linke/Rechte Abweichung von der gewählten VOR-Radialen oder ILS-Localizer.
  • Glide Slope (bei ILS): Vertikale Abweichung.
  • TO/FROM-Anzeige: ob das VOR vor oder hinter dem Flugzeug liegt.

→ HSI ist Standard in IFR-Cockpits und reduziert den Pilot-Workload, weil Heading und Course-Tracking auf einer Anzeige sind.

Glas-Cockpit / AHRS

Moderne AHRS-Systeme nutzen ein Magnetometer zusätzlich zur Kreiselrate-Messung — die Anzeige bleibt automatisch synchron mit dem Magnetfeld, kein manuelles Nachstellen nötig.

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