Betriebsverfahren — FlugzeugeLektion 25 von 36
25/36Vulkanasche, schlechte Sicht, Wind Shear

Vulkanasche

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Vulkanasche — Operative Verfahren

Vulkanasche ist eine akute Gefahr für die Flugsicherheit — Mikropartikel aus Silikaten, die in der Atmosphäre über Tausende Kilometer transportiert werden können. Eyjafjallajökull-Eruption 2010 führte zur größten Luftraumsperrung Europas seit 1945.

Quelle: ICAO Doc 9974 Flight Safety and Volcanic Ash, ICAO Doc 9691 Manual on Volcanic Ash, Radioactive Material and Toxic Chemical Clouds. (Met-Aspekte in Subject 050 Lesson "SNOWTAM/ASHTAM/VAA".)

Was passiert bei Asche-Encounter

Triebwerk (Hauptproblem):

  • Asche-Partikel schmelzen bei ca. 1100 °C (oberhalb Brennraum-Temperatur).
  • Verglasung auf Turbinenschaufeln → veränderte Aerodynamik, Drehzahl-Abfall.
  • Flameout in Sekunden bis Minuten möglich.
  • Nach Verlassen der Asche-Wolke: Glas kann durch Temperaturabfall abplatzen → Restart möglich.

Pitot/Statisch: Verstopfung → falsche Geschwindigkeits-/Höhen­anzeige.

Cockpit: Sandstrahl-Effekt am Frontfenster → Sicht­einbuße bis Blindheit.

Avionik: Feiner Schleifstaub im Inneren.

Rumpf: Lackschäden, Antennen­abrieb.

Reale Lehrfälle

BA Flight 9 — 24. Juni 1982, Mount Galunggung (Indonesien)

  • B747-200 in FL370 über Java.
  • Alle 4 Triebwerke fielen sequentiell aus innerhalb von ca. 13 min.
  • Crew leitete Notabstieg von FL370 auf FL120 ein.
  • Außerhalb der Aschewolke: 3 von 4 Triebwerke restarteten.
  • Notlandung Jakarta-Halim mit 4. Triebwerk wieder ausgefallen während Final.
  • Quelle: UK AAIB Final Report.

KLM Flight 867 — 15. Dezember 1989, Mount Redoubt (Alaska)

  • B747-400 im Steigflug nach Anchorage.
  • Asche-Cloud-Encounter bei FL250.
  • Alle 4 Triebwerke fielen aus → 4 min Glide bis Restart.
  • Quelle: NTSB Final Report.

Beide Vorfälle: glücklicher Ausgang, aber lehrten ICAO, dass Vulkanasche-Vermeidung absolut zwingend ist.

Pilot-Verfahren bei vermutetem Encounter

  1. Sofortige 180°-Umkehr weg von der Aschewolke.
  2. Triebwerks-Schub reduzieren, aber Engines warm halten (nicht runterfahren in der Wolke — dann erschwert sich Restart).
  3. Triebwerks-Anti-Ice EIN (verhindert Asche-Anlagerung im Inlet).
  4. Cabin Air OFF / Recirculate (Asche-Eindringen in Kabine vermeiden).
  5. Sauerstoff­masken (falls Druckverlust durch Filter-Blockade).
  6. Mayday mit Position, Asche-Konzentration, Höhen-Verlust.
  7. Schnellstmöglich in unterhalb-Asche-Schichten sinken (typ. < FL100).
  8. Nicht restarten in der Wolke; nach Verlassen Restart-Versuche.

Pre-Flight bei VAA-Aktivität

  • Volcanic Ash Advisory (VAA) und SIGMET VA prüfen.
  • NOTAM des betreffenden FIR.
  • Geplante Route weit umfliegen — Faustregel: mindestens 50 NM Seitenabstand zur Asche-Cloud-Grenze.
  • Höhenwahl: Asche oft in mittleren bis hohen Flight Levels; VFR meist unkritisch, aber bei großen Eruptionen auch < FL100 betroffen.
  • Ausweichplatz in Asche-freier Region.

Für PPL-VFR

  • Selten relevant — Vulkane in Mitteleuropa selten aktiv.
  • Bei Eruption (z.B. Eyjafjallajökull 2010, Vulkan La Soufrière 2021): VAA als Briefing-Pflicht.
  • Bei aktiver Aschewolke im Flugbereich: Flug ABSAGEN, nicht versuchen, "schnell durchzukommen".
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