Betriebsverfahren — FlugzeugeLektion 3 von 36
03/36Flugplatzbetrieb

Vorflug

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Vorflug (Pre-Flight)

Der Vorflug umfasst alle Vorbereitungen vor dem Anlassen des Motors. Rechtsgrundlage: NCO.OP.135 Flight preparation (EASA Part-NCO) und NCO.GEN.135 Documents, manuals and information to be carried.

Checklist-Pflicht

Ein Pilot muss vor jedem Flug einen Pre-Flight-Check anhand einer Checkliste durchführen — dies ist verbindlich und nicht optional (EASA NCO.OP.135, POH-Vorgabe). Auch sehr erfahrene Piloten arbeiten die Checkliste durch — Übersehen einzelner Punkte wird sonst statistisch zur Unfallursache.

Quelle der Daten — Flughandbuch

Performance, Bedien­anweisungen und Beschränkungen eines Flugzeugs sind vom Hersteller im Flughandbuch (Flight Manual / POH / AFM) zur Verfügung gestellt. Insbesondere:

  • Korrekter Ölstand und Ölspezifikation: im Flughandbuch nachzuschauen.
  • Performance-Daten (Take-off / Landing Distance, Climb, Cruise): im Performance-Abschnitt.
  • Operative Limitierungen (Va, Vne, MTOM, CG-Range): im Limitations-Abschnitt.
  • Notfall­verfahren: im Emergency-Abschnitt.

A) Persönliche und Flugzeug-Dokumente prüfen

Pilot trägt mit sich:

  • Pilotenlizenz (gültig)
  • Medical Class 2 oder höher (gültig)
  • Sprachenzeugnis (Language Proficiency)
  • Ausweisdokument (Personalausweis / Pass)
  • Logbuch (zumindest die letzten 90 Tage; Online-Log oft akzeptiert)

An Bord des Flugzeugs (NCO.GEN.135):

  • C of A (Lufttüchtigkeitszeugnis) und ARC (Airworthiness Review Certificate)
  • C of R (Registrier­urkunde)
  • Aircraft Radio License (Funkstellengenehmigung)
  • AFM / POH (Flughandbuch)
  • Aktuelle Mass & Balance / Weight & Balance
  • Lärm­zeugnis (Noise Certificate)
  • ggf. Versicherungs­zeugnis (national)
  • Flight Plan (falls erforderlich)
  • Aktuelle Karten und Veröffentlichungen (AIP, NOTAM-Auszug, AIRAC-aktuell)

B) Met- und NOTAM-Briefing

  • METAR/TAF für Start-, Ziel- und Ausweich­platz.
  • GAFOR / SIGMET / AIRMET / GAMET für Streckenbereich.
  • SIGWX / WINTEM für Reise­höhe.
  • NOTAMs entlang der Route (Lufträume aktiv, Flugplätze gesperrt, GPS-Jamming, …).
  • Sonnenaufgang/-untergang prüfen, falls nahe der Nacht-VFR-Grenze.

C) Flugplanung

  • PLOG vollständig ausfüllen (siehe Subject 060).
  • Mass and Balance rechnen — nicht über MTOM, Schwerpunkt im zulässigen Bereich.
  • Performance (Take-off Distance, Climb, Landing Distance) aus POH bei aktueller Temperatur, Druckhöhe, Bahn­zustand, Gewicht.
  • Kraftstoff nach NCO.OP.125 (siehe Subject 060).
  • Flight Plan filen, falls erforderlich (in der EU oft für VFR < 30 NM nicht zwingend).

D) Außen-Walk-Around (Walk-Around-Inspektion)

Nach POH-Liste, typische Reihenfolge:

  1. Cockpit: Hauptschalter aus, Schlüssel raus, Bremsen ein, Steuerseilspannung prüfen, Fuel Selector ON beide.
  2. Linker Flügel: Vorderkante (Beulen, Risse), Querruder freier Lauf, Klappe, Treibstoff-Sample drainen (Wasser/Sediment), Tank-Inhalt prüfen, Tankdeckel geschlossen.
  3. Nose: Propeller (keine Schäden, sicher angebracht), Spinner, Motorhaube (Schrauben, Riss), Lufteinlass (Vogelnest, Eis, Schmutz), Stoßdämpfer, Lenkungs­tiefe.
  4. Bug-/Hauptfahrwerk: Reifen (Druck, Risse, Profil), Bremsen, Achsenstifte, Hydraulik­tropfen.
  5. Rechter Flügel: spiegelbildlich zu links.
  6. Rumpf: Antennen, Statik-Sonden frei, Loops/Pitot frei (Schutzhülle ab!), Heck-Stoßdämpfer.
  7. Empennage: Höhen-/Seitenruder freier Lauf, Trimmflächen, Statik-Loch.
  8. Treibstoff-Sample im Boden­drain.

Steuerflächen-Test (kritisch — Airworthiness)

Beim Sitzen im Cockpit Steuerflächen testen — Bewegung des Steuers muss die korrekte aerodynamische Bewegung am Ruder erzeugen:

Pilot-EingabeLinkes QuerruderRechtes Querruder
Steuer (Yoke) nach LINKSNACH UNTEN ausschlagennach OBEN ausschlagen
Steuer (Yoke) nach RECHTSnach OBEN ausschlagenNACH UNTEN ausschlagen

Falls die Ausschläge umgekehrt oder gar nicht erfolgen: das Flugzeug ist NICHT lufttüchtig (Airworthy) — Verkabelung der Steuerseile ist falsch montiert (z.B. nach Wartung) und der Flieger würde nach Aileron-Input in die entgegengesetzte Richtung rollen. Flug abbrechen, Wartung verständigen.

Genauso für Höhen- und Seitenruder:

  • Yoke nach hinten → Höhenleitwerk nach OBEN ausschlagen.
  • Pedal links treten → Seitenruder nach LINKS ausschlagen.

Schnee- und Eis-Freiheit

Ein Flugzeug muss vor dem Start komplett frei von Schnee und/oder Eis sein, um lufttüchtig zu sein (EASA SERA.2010, ICAO Annex 6). Selbst eine dünne Eis-Schicht oder Schnee auf Tragflügel verändert das Auftriebs­profil dramatisch:

  • Verlust an Auftrieb (bis zu 30 % bei dünner Rim­e-Ice-Schicht).
  • Erhöhung von Stall-Speed.
  • Versteifung der Steuerflächen möglich.
  • De-icing auf Bahn-Vorfeld oder vor dem Anlassen am Standplatz.

Kein AVGAS 100LL verfügbar

Wenn am Flugplatz kein AVGAS 100LL zum Auftanken verfügbar ist (und das Flugzeug AVGAS 100LL benötigt nach POH), soll der Pilot:

  • Den Flug nicht fortsetzen, bis AVGAS 100LL aufgetankt werden kann.
  • Keinen Ersatzkraftstoff verwenden (Autobenzin nur, wenn explizit per STC zugelassen — z.B. MOGAS-STC für bestimmte Flugzeug­typen).
  • Falls kritisch: Diversion zu Plattform mit verfügbarem Sprit, bevor dem Sprit ausgeht.

Defekte Kabinen­heizung → CO-Risiko

Ein defekter Cabin-Heat (Heat-Muff am Auspuff­krümmer mit Riss) kann Kohlenmonoxid (CO) in die Kabine bringen. Symptome: brenzliger Geruch, Müdigkeit, Kopfschmerz (siehe Lesson "Kohlenmonoxid (CO)").

Bei Verdacht oder bekanntem Defekt:

  • Cabin Heat AUS schalten.
  • Fenster und Fresh-Air-Vents öffnen.
  • Flug fortsetzen oder Diversion je nach Schwere.
  • Wartung melden — Heat-Muff-Riss ist Standard-100-Stunden-Inspektions-Punkt.

E) Cockpit-Vorbereitung

  • Documents-Check (siehe oben).
  • Sicherheitsgurte (alle Sitze): testen, fest.
  • Avionik-Master OFF während Engine Start (außer wenn POH anders sagt).
  • Funkfrequenzen vorprogrammieren (ATIS, Tower, Departure).
  • GPS-Datenbank aktuell (AIRAC-Cycle prüfen).
  • NAVs (VORs) voreingestellt.

Anlassen — Pilot-Seat-Belegung Pflicht

In keinem Fall darf der Motor eines Flugzeugs manuell angelassen werden (z.B. durch manuelles Anwerfen der Propellers, "hand-propping"), wenn der Pilotensitz nicht besetzt ist und die Bremsen nicht gesetzt sind. Risiko: das Flugzeug rollt unkontrolliert mit laufendem Motor — schwere Sachschäden und tödliche Unfälle wurden so verursacht.

→ Falls Hand-Propping unbedingt nötig (defekter Anlasser): eine Person ausreichend qualifiziert im Cockpit mit Bremsen, Fuel-Selector, Magnetos und Throttle in voller Kontrolle.

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