Betriebsverfahren — FlugzeugeLektion 4 von 36
04/36Flugplatzbetrieb

Rollen (Taxi)

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Rollen (Taxi)

Rollen ist die Bewegung am Boden zwischen Standplatz und Bahn. Trotz niedriger Geschwindigkeit eine häufige Schadens­ursache (Kollisionen, Bahn­abkommen, Wirbelschleppen-Effekt durch andere Flugzeuge).

Quellen: ICAO Annex 14, ICAO Doc 9981 PANS-Aerodromes, FAA-H-8083-3B Kapitel 2.

Vor dem Anrollen

  • Freigabe von Tower/Ground einholen ("Request taxi, runway 26").
  • ATIS abhören (Wind, Bahn in Gebrauch, QNH, NOTAMs).
  • Taxi-Route vor­markieren auf dem Flugplatz-Plan (Apron Chart).
  • Bremsen testen sofort nach Anrollen (3–5 m): kurz bremsen, Reaktion fühlen.

Carburettor Heat während Taxi — AUS

Während des Rollens sollen Vergaser-Vorwärmung (Carb Heat) und ähnliche Frischluft-Bypässe ausgeschaltet bleiben. Grund: Carb Heat zieht die Luft nicht durch den Luftfilter sondern direkt aus dem Motor­raum — sodass Sand, Staub und kleine Partikel vom Boden ungefiltert ins Triebwerk gelangen können und Zylinder, Ventile und Kerzen beschädigen.

Carb Heat OFF beim Rollen. Erst beim Run-up wird Carb Heat kurz getestet (siehe nächste Lesson) — danach wieder OFF bis zum Anflug (wo Carb-Icing-Schutz gebraucht wird).

Geschwindigkeit

  • Apron: Schritt­tempo (max 5 kt).
  • Taxiway: max 20 kt (Faustregel; POH konsultieren).
  • Engste Stellen (Kreuzungen, Drehung): nochmal verlangsamen.
  • Stand-Off: hinter wartenden Flugzeugen mit Mindestabstand → Wirbelschleppen­zonen vermeiden.
  • Hinter größeren Flugzeugen (höhere Wake-Turbulence-Klasse): mindestens 200 m Abstand halten (siehe Lesson "Wirbelschleppen").

Steuerung

  • Bug-Lenkrad über Pedale (bei Single-Engine).
  • Differentialbremsen für engere Drehungen (sparsam).
  • Höhen­steuer (Yoke) je nach Wind:

Wind-Kontrolle beim Taxi (Faustregel "Quartering Wind Corrections")

Windrichtung relativ FlugzeugQuerruderHöhen­steuer
Vorderer rechter Quartal (Headwind aus rechts)Querruder nach rechts (in Wind)neutral / leicht hoch
Vorderer linker Quartal (Headwind aus links)Querruder nach links (in Wind)neutral / leicht hoch
Hinterer rechter Quartal (Tailwind aus rechts)Querruder nach links (weg vom Wind)vorwärts / runter
Hinterer linker Quartal (Tailwind aus links)Querruder nach rechts (weg vom Wind)vorwärts / runter

Eselsbrücke: "Climb into the wind, dive away from it." — Querruder ins Wind­quartal beim Headwind, weg bei Tailwind.

Quelle: FAA-H-8083-3B Kap. 2.

Rollen auf unebenem Untergrund

Auf unebenem Boden (Wiese, Schotter, Wellen, Maulwurfshügel) muss der Pilot besondere Vorsicht walten lassen, um Propeller­schaden, Bug-Einsinken oder Kippen zu vermeiden:

  • Höhensteuer voll nach hinten ziehen ("yoke fully back") — Bug bleibt oben, weniger Belastung auf Bug­fahrwerk und Propeller.
  • Langsam rollen — niedrige Geschwindigkeit, jede Unebenheit kann besser aufgefangen werden.
  • Power vorsichtig setzen — kein abruptes Beschleunigen, sonst Bug-Stuck oder Verkanten.
  • Tailwind-Komponente beachten — bei Rückenwind kann der Bug stärker nach unten gedrückt werden; Yoke entsprechend nach hinten halten.

Run-up-Position

  • Vor der Bahn meist designierter Run-up Bay (außerhalb der aktiven Bahn).
  • Nase ins Wind drehen, damit Triebwerk gut gekühlt wird und Propellerschub keine anderen Flugzeuge gefährdet.
  • Bremsen anziehen und auf horizontale Linie ausrichten.
  • Run-up-Checks durchführen (nächste Lesson).

Spezialfälle

  • Schlecht­wetter: Sicht reduzieren auf Vorsichts­geschwindigkeit; bei Bahn­vereisung Bremsen vorsichtig; tankerbedingt bei Sturm Wind­korrektur intensiv.
  • Nacht-Taxi: alle Taxi- und Position-Lichter ein; Anti-Collision-Light an; Landing Light beim Crossing einer Bahn ein, sonst aus.
  • Holding Point: vor dem Roll­halt­punkt anhalten und "Ready for departure" mitteilen.

Kommunikation mit Tower

Standard­phraseologie (Subject 090):

  • "Request taxi for VFR via Romeo Bravo runway 26."
  • "Holding short runway 26."
  • "Ready for departure."

Risiken

  • Bahn­abkommen (Runway Incursion): das größte Risikofeld am Boden! ICAO/Eurocontrol Runway Safety Programme.
  • Propeller­schaden: durch hochstehende Steine, Schrauben am Boden — besonders auf unebenem Untergrund.
  • Wirbelschleppen eines Verkehrsflugzeugs vor uns — siehe Lesson "Wirbelschleppen".
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