Betriebsverfahren — FlugzeugeLektion 9 von 36
09/36Flugplatzbetrieb

Sinkflug

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Sinkflug (Descent)

Der Sinkflug transferiert das Flugzeug aus Reiseflughöhe in die Pattern- oder Anflug-Höhe. Mit Performance-Planung und Engine-Management ist er entspannt; ohne ein hektischer "Rush" am Platz.

Standard-Sinkprofil

3

(siehe Subject 060): pro 1000 ft Höhenverlust 3 NM Distanz.

  • Sinkflug von 5000 ft auf 1500 ft = 3500 ft = 3,5 × 3 = 10,5 NM Sinkdistanz.
  • Bei 100 kt GS dauert 10,5 NM 6,3 min.
  • Sinkrate ≈ 500 fpm (typische 3°-Sinkrate bei 100 kt GS).

Beginn des Sinkflugs

Faustregel (POH-spezifisch):

  • Höhe abbauen: cruise altitude − pattern altitude (ggf. + 100 ft Buffer).
  • Distanz für Sink: oberer Wert / 3 (NM).
  • Plus 1-2 NM für Stabilisierung im Pattern.

Engine-Management

  • Power reduzieren in Schritten (z.B. 200 RPM weniger), nicht abrupt → Schock-Kühlung des Motors verhindern.
  • Mixture wieder anreichern (richer) beim Sinken in dichtere Luft.
  • Carb Heat ON vor Sinkflugbeginn (bei vergasterten Motoren) — Niedrigleistung erhöht Vergaservereisungs-Risiko.
  • Engine Gauges überwachen: CHT/Öltemperatur sollten nicht plötzlich sinken (Riss-Gefahr).

Geschwindigkeits-Management

  • Bei niedriger Power: Flugzeug sinkt langsam, GS erhöht sich kaum.
  • Bei normaler Cruise Power + Nose Down: schnelles Sinken, GS steigt — Vno (normal operating max) nicht überschreiten.
  • Bei sehr starkem Sinken: Va (Maneuvering Speed) in Turbulenz beachten.

Frequenzen und Lufträume

  • TMA/CTR-Anflug-Frequenz rechtzeitig (10 min Vorlauf) anrufen.
  • ATIS der Ziel-Flughafen abhören (Wind, Bahn in Gebrauch, QNH).
  • Squawk auf zugewiesenen Code.
  • Höhenmesser auf QNH unter Transition Level umstellen.

Höhenmesser-Wechsel

  • Transition Level → unterhalb: Höhenmesser von Standard (1013) auf QNH zurück.
  • Daraus folgt: angezeigte Höhe in ft AMSL statt FL.
  • Kälte-Korrektur beachten (siehe Subject 050), insbesondere im Winter und gebirgigem Gelände.

Sinkflug-Sequenz

  1. 5–10 min vor TOD: ATIS hören, Frequenzen einstellen, Approach-Briefing.
  2. TOD erreichen: Power reduzieren auf ca. 65 % oder POH-Cruise-Sink, Sinkrate ca. 500 fpm.
  3. Carb Heat ON, Mixture beobachten.
  4. Transition Level passieren: Höhenmesser QNH.
  5. CTR/TMA-Anruf mit Position und Höhe.
  6. Pattern Altitude erreichen: 1000 ft AAL (typisch); leveling off, Power für Pattern-Speed.
  7. Pre-Landing Check (FUEL-Mixture-Trim-Lights-Hatches-Harnesses; spezifischer Code je nach Schule).

Wenn die Wolkenbasis im Sinkflug weiter fällt

Wenn der Pilot bemerkt, dass die Wolken­basis in Flugrichtung weiter sinkt und die meteorologischen Bedingungen für VMC trotzdem noch gerade gewahrt sind (z.B. SERA-Minima werden noch eingehalten), soll der Pilot:

  • Umkehren und auf dem nächst­gelegenen geeigneten Flugplatz landen.
  • Nicht weiter Richtung sinkender Wolken­basis fliegen — das Risiko, in IMC zu geraten, ist hoch.
  • Auch wenn aktuell noch VMC: prognostizierte Verschlechterung ist Grund zur Diversion.

Bergpass-Anflug

Generelle Regel für das Anfliegen eines Bergpasses:

  • Den Pass in der Mitte (Centre) des Passes ansteuern — nicht an einer Seite, sondern zentral.
  • Höhe-Reserve über der Passhöhe einplanen (Faustregel +1000 ft).
  • Mit ausreichend Speed anfliegen (höher als normal Cruise), um Downdrafts ausgleichen zu können.

Flug in Berg­gegenden — Hauptgefahr Downdrafts

Flüge in Gebirgs­ketten können besonders gefährlich werden, weil Downdrafts (Lee-Abwinde, Mountain Waves) möglicherweise nicht mehr durch Motorleistung überwindbar sind:

  • Ein Downdraft kann 1000-2000 fpm betragen — übersteigt die Steig­rate (~700 fpm) eines Leichtflugzeugs deutlich.
  • → Pilot fliegt in einen unkontrollierbaren Sink­flug, auch mit voller Power.
  • Konsequenz: Mountain Waves von vornherein vermeiden, Lee-Seiten meiden.

Lee-Effekte auch bei mittlerem Wind

Auch bei mittleren Wind­geschwindigkeiten (10-20 kt am Berg) müssen signifikante Lee-Effekte und starke Auf- und Abwinde erwartet werden. Ein scheinbar "harmloser" Wind kann auf der Leeseite eines Berges:

  • Downdrafts von > 1000 fpm produzieren.
  • Turbulenz mit G-Schwankungen erzeugen.
  • Mountain Waves auch in größerer Entfernung erzeugen.

→ Pilot bei Bergflug: Luv-Seite bevorzugen, ausreichend Höhe (> 2000 ft über höchstem Punkt im Sicht-Bereich).

Hagelschauer im Cruise

Wenn ein schwerer Hagelschauer unerwartet getroffen wird, soll der Pilot:

  • Geschwindigkeit reduzieren auf Va (Maneuvering Speed) oder darunter — strukturelle Belastung durch Hagel + Turbulenz minimieren.
  • Carb Heat ON — durch Hagel und Niederschlag kann Vergaser­vereisung sofort einsetzen.
  • Den Schauer so schnell wie möglich verlassen — Pilot identifiziert die kürzeste Route raus aus dem Schauer (oft seitlich oder hinten, nicht durch).
  • Bei größerem Hagel (> 2 cm): strukturelle Schäden an Windschutz­scheibe, Tragflügel-Vorderkanten, Cowling — bereit für Notlandung.

Blitzeinschlag

Wenn das Flugzeug von einem Blitz getroffen wird (typisch in CB-Nähe), können folgende Auswirkungen auftreten:

  • Blendung der Besatzung durch den hellen Lichtblitz — vorübergehender Sicht­verlust für Sekunden bis Minuten.
  • Störung elektronischer Geräte — Avionik kann ausfallen, GPS, COM, NAV; Reset evtl. nötig.
  • Mechanische Schäden — kleine Löcher am Einschlag-/Austritts­punkt, beschädigte Antennen, evtl. strukturelle Schäden.
  • Ausfall des Magnet­kompasses — der Kompass kann durch das Magnetfeld des Blitzstroms dauerhaft falsch magnetisiert werden; nach dem Flug swing (Kompass-Justierung) nötig.

→ Bei Blitz­einschlag: ATC informieren, Mayday/PAN-PAN absetzen, Avionik-Status prüfen, nächsten geeigneten Platz anfliegen, Wartung melden.

Cabin-Door öffnet sich nach Lift-off

Wenn die Kabinen­tür sich nach Lift-off plötzlich öffnet (Pilot hat sie vergessen zu schließen, Verriegelung defekt), soll der Pilot:

  • Ruhig bleiben — Tür kann typisch durch Luftströmung nicht weiter aufgehen, das Flugzeug fliegt weiter.
  • Standard-Pattern (Volte) fliegen und zur Landung zurückkehren — nicht versuchen, die Tür im Flug zu schließen (Gefahr ablenkung, Steuer­verlust).
  • NICHT auf Cruise gehen, nicht den Flug fortsetzen.
  • Auf dem Boden: Tür ordentlich schließen, ggf. Verriegelung überprüfen.

Risiken im Sinkflug

  • Cabin/Sinus-Druckausgleich: zu schnelles Sinken kann Trommelfell­schmerzen verursachen (Subject 040). Sinkrate < 500 fpm bei Pax mit Erkältung.
  • Vergaservereisung: bei niedriger Leistung und feuchter Luft — Carb Heat ON.
  • Disorientation: bei Sinkflug in Wolken nicht erlaubt für VFR.
  • Fuel-Stocken: bei stark unkoordiniertem Sinkflug (Slip) kann Fuel-Inlet teilweise austrocknen.
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