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Betanken mit Passagieren an Bord

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Betanken mit Passagieren an Bord

Betanken eines Flugzeugs mit Passagieren noch oder bereits an Bord birgt erhöhtes Brand-Risiko — Treibstoff­dampf, statische Aufladung und potenzielle Funken­quellen sind kritisch.

Quelle: ICAO Annex 6 Part II; EASA Easy Access Rules for Part-NCO (allgemeine PIC-Verantwortung); für gewerblichen Verkehr EASA CAT.OP.MPA.195 (Refuelling/defuelling with passengers).

Risiko

Avgas (100LL) ist eine stark brennbare Flüssigkeit der Gefahrgut-Klasse 3:

  • Flammpunkt ca. −43 °C — Dampf entzündet sich bei normaler Außen­temperatur sofort.
  • Untere Explosionsgrenze (UEG): 1,4 %.
  • Obere Explosionsgrenze (OEG): 7,6 %.

Jet A-1 etwas weniger volatil (Flammpunkt ca. +38 °C), aber bei längerer Exposition ebenfalls explosiv.

Funkenquellen:

  • Statische Elektrizität (Pumpe, Schlauch, Mensch beim Aussteigen).
  • Elektrische Verbraucher (Triebwerk, Avionik, Mobilfunk-Geräte).
  • Mechanische Funken (Werkzeug, Reißverschlüsse).

Grundregeln beim Betanken — die drei Pflichten

Während des Betankvorgangs müssen drei elementare Regeln eingehalten werden:

  1. Keine offenen Feuer in unmittelbarer Tank-Nähe — kein Schweißen, kein offenes Licht, keine Streichhölzer/Feuerzeuge.
  2. Rauchverbot beachten — kein Rauchen vom Pilot, Personal, oder Passagiere im gesamten Tankbereich (typisch 15-50 m Sicherheits­zone).
  3. Erdungskabel anbringen — das Flugzeug wird elektrisch geerdet und mit dem Tank/Tankwagen leitend verbunden ("Bonding"), damit sich keine statische Aufladung durch den Treibstoff­fluss aufbauen kann. Die statische Elektrizität wäre sonst eine klassische Zünd­quelle für Treibstoff­dampf.

Diese drei Punkte stehen im Standard-Tankverfahren jedes Flugplatzes (Bodenpersonal-Check) und sind vom Pilot zu verifizieren.

Best Practice für Privatluftfahrt (NCO)

Empfohlene Regel: Betanken NUR ohne Passagiere an Bord.

Wenn unvermeidbar (z.B. enger Zeitplan, Wetter, Notlage):

  1. Engines AUS, alle elektrischen Verbraucher AUS (Avionik Master, Strobe, Beacon).
  2. Smoking AUS (offensichtlich, aber erwähnt).
  3. Passagiere informiert und angeschnallt — bereit zur sofortigen Evakuierung.
  4. Türen ENTRIEGELT (für schnelles Aussteigen).
  5. Feuerlöscher bereit (an Bord oder am Tankplatz).
  6. Erdung der Tankleitung am Flugzeug (gegen statische Aufladung) — Standard-Verfahren am Tank.
  7. Tanker (Person) kommuniziert mit Pilot über Vorgehen.
  8. Pilot bleibt am Cockpit oder nahe der Pilotentür, um schnell zu reagieren.
  9. Keine Mobilfunkgeräte in unmittelbarer Tank­nähe.

Wer hat die Verantwortung?

Pilot in Command (PIC, NCO.GEN.105) trägt die End­verantwortung. Flugplatz-Tankservice hat eigene Verfahren, die ergänzend gelten.

Gewerblicher Verkehr — CAT.OP.MPA.195 (Vergleich)

Für kommerzielle Flüge (Verkehr, Charter) ist Betanken mit Passagieren an Bord stark geregelt:

  • Cabin Crew anwesend (für Evakuierungs­leitung).
  • Türen und Notausstiege frei zugänglich.
  • Beleuchtung an für mögliche Evakuierung.
  • Kommunikation zwischen Cockpit und Cabin Crew etabliert.
  • NICHT GESTATTET: Betanken mit JP-Treibstoff mit Pax an Bord wenn Flammpunkt unterschritten (z.B. heiße Tage).

In NCO ist kein Cabin Crew vorhanden → Pilot übernimmt diese Rolle.

Was bei Brand während Tankvorgang?

  1. Tankvorgang sofort stoppen (Tanker informieren).
  2. Engines bleiben aus (nicht zünden).
  3. Sofortige Evakuierung aller Passagiere — durch nächste Tür.
  4. Vom Flugzeug entfernen (mind. 50 m).
  5. Feuerwehr alarmieren.
  6. Pilot zuletzt aussteigen — verifiziert leer.

Brandbekämpfung am Flugzeug

  • CO₂- oder Halon-Feuerlöscher: für Treibstoff­brände geeignet.
  • Wasser: nicht empfohlen (Spritzgefahr, breitet Treibstoff aus).
  • Schaum: am Tankplatz oft verfügbar — bestes Mittel für große Treibstoff­brände.
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