Navigation — FlugzeugeLektion 15 von 34
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Kartenlesen

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Kartenlesen (Pilotage)

Pilotage ist die Navigation durch visuellen Vergleich zwischen ICAO-Karte und realem Gelände. Das ist die wichtigste primäre Navigations­methode im VFR-Flug — alle anderen (DR, Funk-Nav, GNSS) ergänzen oder kontrollieren.

Prinzip

Karten-Welt-Korrelation: Pilot identifiziert markante Geländemerkmale, ordnet sie der Karte zu, leitet die eigene Position ab.

Was sind gute Bezugspunkte?

Hierarchie nach Eindeutigkeit:

  1. Lineare Großmerkmale: Autobahnen, Flüsse, Eisenbahnlinien, Küsten, Bergrücken — gut sichtbar, nicht verwechselbar.
  2. Großflächige Merkmale: Seen, Stauseen, große Wälder, Städte.
  3. Punkt-Merkmale: Schornsteine (Industrie), Sendetürme, Burgen, Brücken, markante Gebäude.
  4. Aerodrome: bekannte Plätze als Wegpunkte.

Was sind schlechte Bezugspunkte?

  • Kleine Dörfer ohne markante Merkmale → leicht verwechselbar.
  • Wälder ohne Form → können großflächig sein und keine eindeutigen Kanten haben.
  • Felder, Wiesen → in Realität anders gefärbt als auf der Karte je nach Jahreszeit.

Methode — "Plan and Confirm"

  1. Plan: Auf der Karte den nächsten erwarteten Bezugspunkt vor dem Erreichen identifizieren.
  2. Confirm: Bei Annäherung visuell suchen und gegen die Karte verifizieren.
  3. Identifizieren mehrere Bezugspunkte gleichzeitig — Konsistenz prüfen.

Häufige Fehler

  • Karten-Lock: Pilot fixiert sich auf einen vermeintlichen Bezugspunkt und ignoriert widersprechende Bezüge → eigene Position falsch eingeschätzt.
  • Look-Confirm-Loop: erst draußen schauen, dann zur Karte → Karte sollte zuerst befragt werden.
  • Karte unverdreht: Karte sollte in Flugrichtung gedreht (Track-up) sein → so passt linke Karten-Seite zur linken Cockpit-Seite.
  • Schöne Sonne: bei strahlendem Sonnenlicht sind manche Merkmale schwierig zu identifizieren — Sonnenschutz, ggf. Anpeilung anders.

Anti-Lost-Procedure (wenn Position unklar)

"5 C's" (aus FAA-Praxis):

  1. Climb: höher → mehr Übersicht.
  2. Conserve: Power reduzieren → mehr Zeit zur Orientierung.
  3. Communicate: ATC oder FIS rufen, "request position".
  4. Confess: Eigenposition als unbekannt erklären.
  5. Comply: Anweisungen des ATC folgen.

Wenn keine Funkhilfe verfügbar:

  • Letzte sichere Position als Ausgangspunkt nehmen.
  • Heading + verstrichene Zeit × GS → DR-Position rechnen.
  • Markante neue Merkmale suchen und mit der Karte abgleichen.
  • Nicht weiter ins Unbekannte fliegen — ggf. zur sicheren Position zurück.

Karten-Vorbereitung

  • Strecke vor Flug einzeichnen mit Buntstift oder elektronisch.
  • Wegpunkte mit Distanz und ETA markieren.
  • MEFs entlang der Strecke notieren.
  • Lufträume und NOTAMs separat herausstellen (auf Schmierzettel oder Knee Board).
  • Karte und PLOG zusammen auf das Knee Board legen.

Limitierungen

  • Nacht: viele Bezugspunkte unsichtbar → Pilotage stark eingeschränkt, alternative Navigation erforderlich (Funk-Nav, GNSS).
  • Über offenem Wasser: keine Bezugspunkte → DR und Funknavigation entscheidend.
  • Schlechte Sicht (Dunst, Nebel, Wolken): Pilotage versagt → VMC-Mindestminima beachten.
  • Über homogenem Gelände (Hochmoor, Schneeebene, Wüste): keine Identifikation.
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