Menschliches LeistungsvermögenLektion 2 von 38
02/38Die Atmosphäre — relevant für den Menschen

Wirkung der Höhe auf den Partialdruck

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Die Atmosphäre und der Partialdruck

Die Erdatmosphäre besteht in den unteren Schichten (Troposphäre, bis ca. 36 000 ft) aus einer ungefähr konstanten Gas-Mischung:

GasVolumen-Anteil
Stickstoff (N₂)ca. 78 %
Sauerstoff (O₂)ca. 21 %
Argon (Ar)ca. 0,9 %
Kohlendioxid (CO₂)ca. 0,04 %
Andere (Wasser, Edelgase)< 0,1 %

Diese prozentuale Zusammensetzung bleibt konstant in der Troposphäre — was sich mit der Höhe ändert, ist der Gesamtdruck und damit der Partialdruck jedes einzelnen Gases.

Das Dalton'sche Gesetz

Dalton's Law: In einem Gasgemisch entspricht der Gesamtdruck der Summe der Partialdrücke der einzelnen Gase:

code
P_gesamt = P_N₂ + P_O₂ + P_Ar + P_CO₂ + …

Der Partialdruck eines Gases ist das Produkt aus dem Volumen-Anteil und dem Gesamtdruck:

code
P_x = X_x × P_gesamt

Beispiel — Sauerstoff am Meeresspiegel:

  • Gesamt­druck P_total = 1 013 hPa (≈ 760 mmHg).
  • O₂-Anteil 21 % → P_O₂ = 0,21 × 1 013 = 212,7 hPa (≈ 160 mmHg).

Wie sich der Partialdruck mit der Höhe ändert

Der Gesamtdruck sinkt mit der Höhe näherungsweise nach der barometrischen Höhen­formel — alle 5 500 m (18 000 ft) halbiert sich der Druck.

Da der prozentuale O₂-Anteil konstant bleibt, sinkt der O₂-Partialdruck im gleichen Verhältnis wie der Gesamtdruck:

HöheGesamtdruckP_O₂Hb-Sättigung
Meeresspiegel (0 ft)1 013 hPa212,7 hPa98 %
5 000 ft (1 500 m)843 hPa177 hPa95 %
8 000 ft (2 440 m)753 hPa158 hPa93 %
10 000 ft (3 000 m)697 hPa146 hPa87 % — erste Symptome
12 500 ft (3 800 m)624 hPa131 hPa82 % — Sauerstoff-Pflicht für Crew
15 000 ft (4 600 m)572 hPa120 hPa80 %
18 000 ft (5 500 m)506 hPa106 hPa72 % — halber Meeresdruck
25 000 ft (7 600 m)376 hPa79 hPa< 50 %
40 000 ft (12 000 m)188 hPa39 hPawenige Sekunden TUC

Konsequenzen für den Körper

O₂-Transport

  • Hämoglobin (Hb) bindet O₂ nur dann, wenn der Partialdruck in der Lunge ausreichend hoch ist.
  • Unter pO₂ ~140 hPa (entsprechend ca. 10 000 ft) sinkt die Hb-Sättigung merklich → Hypoxie-Symptome.

CO₂-Abatmung

  • CO₂ wird unabhängig vom Außen-Partialdruck immer abgegeben (Diffusion vom Blut in die Alveolen).
  • In großen Höhen kann ein Pilot durch Stress oder Aufregung hyperventilieren → pCO₂ im Blut sinkt → respiratorische Alkalose (siehe Hyperventilation-Lesson).

Aufblähung von Gasen (Boyle'sches Gesetz)

  • Boyle: P × V = const → bei sinkendem Außendruck dehnen sich Gase aus.
  • Eingeschlossene Gase (Mittelohr, Sinusbereich, Magen-Darm) blähen sich → Schmerzen, Trommelfell­druck.
  • Siehe Dekompressionskrankheit („Bends")-Lesson für N₂-Probleme.

Verdunstungsdruck von Wasser (Armstrong-Linie)

  • Bei ca. 63 000 ft (19 200 m) entspricht der Außendruck dem Wasserdampfdruck des menschlichen Körpers (47 mmHg bei 37 °C).
  • Oberhalb dieser Höhe kocht das Körperwasser bei Körpertemperatur — Druckkabine oder Druckanzug zwingend nötig.

Regulatorische Schwellen

EASA Part-NCO.OP.190 und FAA FAR §91.211:

  • Oberhalb 10 000 ft Kabinen-Höhe für mehr als 30 Minuten: O₂-Versorgung für die Crew empfohlen.
  • Oberhalb 13 000 ft (FAA) bzw. 12 500 ft (Part-NCO): O₂ für Crew erforderlich (sofort).
  • Oberhalb 15 000 ft: O₂ für alle Passagiere erforderlich.

PPL(A) ohne Druckkabine sollte daher unter 10 000 ft Kabinenhöhe operieren — fast immer der Fall in der allgemeinen VFR-Flugpraxis.

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