Flugleistung und Flugplanung — FlugzeugeLektion 9 von 30
09/30Leistung — Definitionen

V-Geschwindigkeiten

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V-Geschwindigkeiten sind standardisierte Festlegungs-Geschwindigkeiten im AFM (CS-23.45 ff, ICAO Annex 8). Jeder PPL-Schüler muss sie für sein Muster kennen.

Stall- und Mindest-Geschwindigkeiten

SymbolBedeutung
VsStallgeschwindigkeit (allgemein)
Vs0Stallgeschwindigkeit in Landekonfiguration (Klappen voll, Fahrwerk aus)
Vs1Stallgeschwindigkeit in spezifizierter Konfiguration (meist clean = Klappen ein, Fahrwerk ein)
VmcMindeststeuerbarkeitsgeschwindigkeit (multi-engine; "minimum control speed")

Steig-Geschwindigkeiten

SymbolBedeutungVerwendung
VxBeste Steiggradient-Geschwindigkeit — Höhe pro horizontale DistanzHindernisüberflug; auch ausgedrückt als: Geschwindigkeit, mit der eine gegebene Höhe innerhalb der minimalen Distanz erreicht wird
VyBeste Steigraten-Geschwindigkeit — Höhe pro ZeitReisesteigflug, Erreichen der Reisehöhe; auch: Geschwindigkeit, mit der eine gegebene Höhe in der kürzesten Zeit erreicht wird

Hinweis: Vx < Vy bei Kolbenmotor-Flugzeugen. Bei Vx ist die Steigung am steilsten; bei Vy steigt man am schnellsten in Zeit.

Anwendung: Höhe in kürzester Zeit erreichen

Um eine spezifizierte Höhe in der kürzest möglichen Zeit zu erreichen, muss der Pilot:

  • Klappen-Position 0 (vollständig eingefahren) — Klappen­widerstand stört die Steigleistung,
  • Vy als Geschwindigkeit — beste Steigrate,
  • Volle Leistung und richtige Mixture-Einstellung.

Klappen- und Fahrwerks-Grenzen

SymbolBedeutung
VfeMax. Klappen-Ausfahr-Geschwindigkeit (Flap Extension)
VleMax. Geschwindigkeit mit ausgefahrenem Fahrwerk (Landing gear Extended)
VloMax. Geschwindigkeit zur Fahrwerksbetätigung (Landing gear Operating)

Strukturelle Grenzen

SymbolBedeutung
VnoMax. struktureller Reiseflug (Normal Operating; gelber Bogen beginnt)
VneNiemals überschreiten (Never Exceed; rote Linie)
VaManöverigkeitsgeschwindigkeit — bei voller Steuerausschlag stallt der Flügel, bevor die strukturelle Grenzlast erreicht wird. Sinkt mit abnehmender Masse.

Va — Wichtig

Bei Turbulenz: Geschwindigkeit auf Va oder darunter reduzieren — Schutz gegen strukturelle Überlastung durch böige Vertikalwinde. Va im AFM für aktuelle Masse beachten (bei manchen Mustern als Tabelle/Diagramm).

TAS, IAS und Vs in Höhe / heißem Wetter

In einem Steigflug bei konstantem IAS (Indicated Airspeed — die Anzeige im Cockpit) nimmt die TAS (True Airspeed) zu. Grund:

  • Die Pitot-Sonde misst den dynamischen Druck ½ρv² und der Indicated-Airspeed-Indicator (ASI) ist auf Sealevel-Standardluftdichte (ρ₀ = 1,225 kg/m³) kalibriert.
  • In Höhe ist ρ < ρ₀ → für gleichen dynamischen Druck (IAS) ist die wahre Geschwindigkeit (TAS) höher.
  • Faustregel: +2 % TAS pro 1000 ft Druckhöhe über ISA-Standardbedingungen.

Vs und Luftdichte (Stallgeschwindigkeit in Höhe / Hitze)

Die Stallgeschwindigkeit als TAS ist von der Luftdichte abhängig:

Vs(TAS) = √(2 × W / (ρ × S × CLmax))

  • Bei abnehmender Luftdichte (höhere Druckhöhe, höhere Temperatur, geringerer Luftdruck) wird Vs(TAS) größer — und umgekehrt.
  • Beispiel: an einem heißen Sommertag (hohe Dichtehöhe) ist die TAS-Stallgeschwindigkeit deutlich höher als bei ISA.

ABER: die Vs als IAS (im Cockpit angezeigt) bleibt annähernd konstant — der Flügel "fühlt" den gleichen dynamischen Druck (½ρv²) bei gleichem IAS, unabhängig von der Höhe. Deshalb:

An einem heißen Sommertag wird der Anflug mit der normalen IAS-Anzeige (AFM-Vref) durchgeführt — kein zusätzlicher Speed-Aufschlag wegen Hitze nötig. Die wahre Boden­geschwindigkeit ist dann automatisch höher, aber die Stall-Sicherheit (gemessen am Anstellwinkel) ist gleich.

Konsequenz: Pilot fliegt immer nach IAS (nicht nach Gefühl), und IAS-Werte aus dem AFM sind für alle Höhen und Temperaturen gültig.

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