Flugleistung und Flugplanung — FlugzeugeLektion 11 von 30
11/30Leistung — Definitionen

Startleistung

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Die Startleistung umfasst die Strecke vom Startlaufbeginn bis zum Erreichen einer definierten Höhe (typisch 50 ft / 15 m über der Piste).

Faktoren, die die Startstrecke erhöhen (verlängern)

FaktorMechanismus
Höhere MasseMehr Trägheit + höhere Stallgeschwindigkeit → längere Beschleunigungsphase + längere Luftstrecke
Höhere Dichtehöhe (heiß/hoch)Geringere Luftdichte → geringere Triebwerksleistung + geringerer Auftrieb pro Geschwindigkeit
RückenwindErhöht die Ground Speed bei jedem TAS — und die TAS-Anforderung gegen den fahrenden Boden
Bergauf laufende PisteGravitationskomponente verlangsamt Beschleunigung
Weiche / kontaminierte Oberfläche (Gras, Schnee, Slush, Schlamm)Höherer Rollwiderstand verlangsamt Beschleunigung
Reduzierte Klappenstellung (für gegebene Geschwindigkeit)Weniger Auftrieb → höhere Abhebegeschwindigkeit

Sonderfall: Grasbahn mit Slush

Eine Grasbahn, die mit Slush (Schnee-Wasser-Eis-Gemisch) bedeckt ist, führt zu einer erheblichen Erhöhung der erforderlichen Startstrecke — der Rollwiderstand steigt sowohl durch das Gras (Reibung) als auch durch den Slush (Reibung + zusätzliches Gewicht durch Spritzer + mögliches Anfrieren an Reifen und Klappen). Pilot rechnet hier mit TODR + 30–50 % gegenüber Asphalt und reduziert ggf. Take-off-Masse.

Faktoren, die die Startstrecke verringern (verkürzen)

FaktorMechanismus
GegenwindReduziert die Ground Speed bei gegebener TAS — kürzere Bodenrollstrecke
Geringere Masseweniger Trägheit
Geringere Dichtehöhemehr Triebwerksleistung + mehr Auftrieb
Bergab laufende PisteGravitationskomponente beschleunigt
Asphaltiert + trockenweniger Rollwiderstand
Geeignete Klappenstellung (AFM-Empfehlung)optimaler Auftrieb beim Abheben

Klappen beim Take-off — Trade-off

Klappen beim Take-off sind ein Trade-off zwischen kürzerem Boden­lauf und reduziertem Steig­vermögen:

  • Höhere Klappenstellung: niedrigere Abhebe­geschwindigkeit → kürzerer Bodenlauf. ABER: Höhere Klappen-Dragschlechtere Steigleistung nach Lift-off (Gradient und Rate beide reduziert).
  • Niedrige oder keine Klappen: höhere Abhebe­geschwindigkeit → längerer Bodenlauf. ABER: optimale Steigleistung nach Lift-off.

Konsequenzen:

  • Beim Take-off werden die Klappen NICHT vollständig (Landeklappen) ausgefahren — Lande­klappen erzeugen zuviel Widerstand und reduzieren das Steig­vermögen kritisch.
  • Typische Take-off-Klappen-Stellung im AFM: 10°–20° (POH-spezifisch).
  • Beste Steigleistung wird mit Klappen voll eingefahren erzielt — nach Lift-off und Erreichen einer sicheren Höhe (typisch 500 ft AGL) werden die Klappen schrittweise eingefahren.

Propeller-Typen und Take-off-Acceleration

Die Wahl des Propellers beeinflusst die Beschleunigung im Startlauf wesentlich:

Propeller-TypVerhalten beim Take-off
Constant Speed Propeller (CSU, Verstellpropeller)Höchste Beschleunigung beim Take-off, weil der Verstellmechanismus die Blattstellung automatisch auf Fine Pitch (kleine Steigung) bringt — der Motor läuft mit voller Drehzahl, der Propeller "beißt" optimal in die Luft bei niedriger TAS.
Fixed-Pitch Propeller (fester Steigwinkel)Schlechteste Effizienz beim Take-off, weil der Blattwinkel nicht angepasst werden kann — entweder gut für Cruise oder gut für Take-off, nicht beides.
Fixed Low-Pitch Propeller ("Climb Prop", flacher Steigwinkel)Beste Beschleunigung unter den Fixed-Pitch-Varianten beim Take-off — kleine Blattsteigung passt zur niedrigen TAS im Startlauf, hoher Motor-RPM erzielt maximalen Schub. ABER: schlechte Cruise-Performance (Propeller dreht "leer" bei höherer TAS).
Fixed High-Pitch Propeller ("Cruise Prop")Schlechte Take-off-Acceleration (Blatt steht zu steil bei niedriger TAS, Motor erreicht nicht volle Drehzahl), aber gute Cruise-Performance.

→ Die meisten CSU-Flugzeuge sind PA-28R Arrow, Beechcraft Bonanza, etc. Die meisten Trainer (C172, PA-28-161) haben Fixed-Pitch — der genaue Pitch-Wert ist im POH spezifiziert (typisch ein Kompromiss).

Operating Limits — nur durch Hersteller änderbar

Die Operating Limits eines Flugzeugs (MTOM, V-Speeds, Performance-Werte, Klappen-Limits, etc.) sind im AFM/POH festgelegt und können nur vom Hersteller geändert werden, nachdem die nationale oder europäische Luftfahrt­behörde (EASA) diese Änderung genehmigt hat.

Konsequenz: ein Pilot, eine Flugschule oder ein Operator darf niemals Operating Limits selbst ändern oder überschreiten — bei z.B. STC-Modifikationen muss der Hersteller (oder STC-Inhaber) die Änderung dokumentieren und EASA muss zustimmen.

Faustregeln (nur grobe Schätzung — AFM nutzen!)

BedingungWirkung auf TODR
+10 % Masse≈ +20 % TODR
+1 000 ft DA≈ +10–15 % TODR
Rückenwind 10 % der Abhebegeschwindigkeit≈ +20 % TODR
Gras (trocken) statt Asphalt≈ +20–30 % TODR
Gras (nass) statt Asphalt≈ +30–50 % TODR
Gras + Slush≈ +40–60 % TODR
Bergauf 1 % Steigung≈ +5–10 % TODR

Wind-Korrektur im AFM

Viele AFM-Diagramme verlangen explizit eine Sicherheitsmarge:

  • Gegenwind: nur 50 % anrechnen (konservativ)
  • Rückenwind: 150 % anrechnen (Risiko-Aufschlag)

Pflicht laut Part-NCO

Nach NCO.OP.180 muss der PIC vor jedem Flug die Performance-Daten so prüfen, dass für die geplante Operation ausreichende Sicherheitsmargen bestehen. Praktisch heißt das: AFM-Diagramme konsultieren, ggf. zusätzliche Marge bei Unsicherheit.

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