Die Landestrecke umfasst die Strecke vom Überfliegen der 50-ft-Hürde (15 m) bis zum vollständigen Stillstand.
Faktoren, die die Landestrecke erhöhen
| Faktor | Wirkung | Größenordnung |
|---|---|---|
| Höhere Masse | Höhere Stallgeschwindigkeit, höhere Anfluggeschwindigkeit, mehr kinetische Energie zu absorbieren | ~5 % mehr LDR pro 5 % Masse |
| Höhere Dichtehöhe | Höhere TAS bei gleicher IAS — länger zum Abbau bringen | ~10 % pro 1 000 ft DA |
| Rückenwind | Höhere Ground Speed bei Aufsetzen | ~20 % pro 10 % der TAS als Rückenwind |
| Bergab laufende Piste | Gravitationskomponente verlängert die Rollphase | ~5–10 % pro 1 % Gefälle |
| Nasse / kontaminierte Piste | Reduzierte Bremswirkung | nass: +15–20 %, Schnee/Eis: +30–60 % |
| Höhere Anfluggeschwindigkeit (z. B. 5 KIAS zu schnell) | Mehr kinetische Energie, längere Floating-Phase | 10 % mehr Speed ≈ 20 % längerer Rollweg |
| Weniger Klappen | Höhere Vref → höhere kinetische Energie | typgebunden |
Faktoren, die die Landestrecke verringern
- Geringere Masse und niedrige DA
- Gegenwind (jede 10 % der TAS als Gegenwind reduziert LDR um ~10 %)
- Bergauf laufende Piste (Gravitationskomponente bremst aktiv)
- Asphalt trocken statt Gras/nass
- Volle Klappen (für gegebenes Muster)
- Genaues Anflugprofil mit korrekter Vref
Kürzeste Landung — Kombination von Faktoren
Die kürzeste erforderliche Landestrecke wird mit der Kombination aus Gegenwind und bergauf laufender Piste (upsloping terrain) erreicht:
- Gegenwind reduziert die Ground Speed beim Touchdown.
- Bergauf verkürzt die Roll-Phase durch Gravitations-Bremsung.
- Beide Faktoren wirken kumulativ → maximale Verkürzung.
Pilot wählt bei kurzen Bahnen und Windoptionen entsprechend die Anflugrichtung (mit Headwind) auf eine bergauf laufende Bahn.
Landeklappen — Funktion und Wirkung
Landeklappen erfüllen zwei Hauptzwecke:
- Niedrigere Stall-Geschwindigkeit (Vs0) und damit niedrigere Anflug- und Touchdown-Geschwindigkeit → kürzere Auslaufstrecke.
- Höhere Sinkrate bei gleicher Geschwindigkeit → steilerer Anflug ohne IAS-Anstieg, klare Sicht auf die Bahnschwelle.
Konsequenz: Landung mit vollen Klappen ist normalerweise Standard für die kürzeste Landung.
Spoilers im Endanflug
Spoilers (Störklappen) sind ausfahrbare Flächen auf dem Tragflügel, die — wenn ausgefahren — den Auftrieb reduzieren und den Widerstand erhöhen. Sie sind häufig auf Segelflugzeugen, Verkehrsmaschinen und einigen Hochleistungs-PPL-Mustern montiert.
Wirkung beim Endanflug wenn Spoilers ausgefahren werden:
- Auftriebsverlust → die Mindestgeschwindigkeit (Vs) wird höher (Pilot muss schneller fliegen, um nicht zu stallen).
- Widerstandszunahme → der Anflugwinkel (Gleitwinkel) wird steiler (das Flugzeug sinkt steiler bei gleicher Speed).
→ Spoilers sind ein effizientes Mittel, um auf einem steilen Anflug ohne Überschuss-IAS schnell Höhe abzubauen, ohne die Klappen-Limits zu überschreiten.
Engine Failure im Anflug — Klappen für besten Gleitwinkel
Bei einem Triebwerksausfall im Anflug soll der Pilot, um den besten Gleitwinkel (best glide angle, max L/D) zu erreichen, die Klappen in Neutralstellung (vollständig eingefahren) belassen oder bringen:
- Klappen ausgefahren → mehr Widerstand → schlechterer Gleitwinkel → kürzere Glide-Distanz.
- Klappen neutral (0°) → minimaler Widerstand → bester Gleitwinkel → maximale Glide-Distanz.
Pilot trifft die Entscheidung: wenn das Notlandefeld in Glide-Reichweite mit Klappen 0° liegt → so anfliegen, Klappen erst kurz vor Touchdown setzen (um Vref auf Stall-Reserve zu bringen).
Wenn der Anflug verlängert werden muss
Manchmal stellt der Pilot fest, dass der Anflug zu kurz ist (z.B. ATC weist auf "extend downwind" oder Pilot ist zu hoch unten und kommt zu früh am Touchdown an).
Mit Engine Power
Die effizienteste und am wenigsten gefährliche Methode, einen Anflug zu verlängern, ist die Erhöhung der Motorleistung (Power Up):
- Mehr Power → mehr Schub → höhere TAS und längere Zeitdauer pro Schenkel.
- Der Anflug wird gestreckt, der Touchdown-Punkt verlagert sich nach hinten.
Ohne Engine Power (z.B. nach Engine Fail)
Wenn der Pilot keine Motorleistung zur Verfügung hat (Engine Failure, oder bewusste Power-Off-Approach), ist die effizienteste Methode zur Anflug-Verlängerung:
- Klappen einfahren (retract flaps) — reduziert Widerstand, verbessert Gleitwinkel.
- Spoilers einfahren (retract spoilers, falls ausgefahren) — gleicher Effekt.
- Geschwindigkeit auf Best-Glide-Speed (Vbg) anpassen — maximale Glide-Distanz.
So wird der Sinkflug flacher und der Touchdown-Punkt verlagert sich nach hinten.
AFM-Korrekturen — Sicherheitsmarge
Wie bei Startleistung: viele AFM-Diagramme geben konservative Werte:
- Gegenwind: 50 % anrechnen
- Rückenwind: 150 % anrechnen
Operative Praxis
- Vref-Geschwindigkeit strikt einhalten (AFM-spezifisch, typisch 1,3 × Vs0).
- Aim Point kurz vor der Pistenschwelle wählen, Stabilized Approach ab 500 ft AGL.
- Bei jeder Abweichung > 10 KIAS oder > 100 ft/min vom geplanten Profil: Durchstart in Erwägung ziehen.
Beispiel: Asphalt vs. Gras
Eine typische Cessna 172 bei MTOM mit 5 kt Gegenwind, ISA, asphaltiert: LDR ≈ 450 m. Auf trockenem Gras: LDR ≈ 540 m. Auf nassem Gras: LDR ≈ 600 m. (Werte illustrativ — dein AFM.)