Standardcodes (Auswendig!)
Diese internationalen Transponder-Codes muss jeder Pilot auswendig wissen. Sie sind sicherheitskritisch und werden im Notfall ohne Nachschlagen gesetzt.
Quelle: ICAO Annex 10 Volume IV; ICAO Doc 4444 PANS-ATM; EU 2017/386.
Die vier kritischen Codes
7700 — NOTFALL (Distress)
- Setzen bei: jeder lebensbedrohlichen Situation.
- Zusammen mit: MAYDAY-Funkspruch.
- ATC sieht: "EMG" oder "DIST" auf Radar.
- Reaktion: höchste Priorität, alle anderen Verkehre umgeleitet.
7600 — FUNKAUSFALL (Radio Communications Failure)
- Setzen bei: vollständigem Funkausfall, nach erfolgloser Wiederherstellung.
- ATC sieht: "RDO FAIL" oder "COM" auf Radar.
- Reaktion: ATC erwartet Standard-Funkausfall-Procedure (siehe Lesson "Funkausfall").
7500 — HIJACK (Unlawful Interference)
- Setzen bei: Bedrohung an Bord durch Dritte.
- Diskret setzen, wenn Hijacker nicht bemerkt.
- ATC sieht: "HJCK" oder "UNLAWFUL" auf Radar.
- Reaktion: Sicherheitsbehörden alarmiert, militärische Interception möglich.
2000 — IFR Conspicuity
- Setzen wenn IFR ohne zugewiesenen Code.
- Verlässt einen FIR ohne explizite ATC-Anweisung.
- ATC erkennt: IFR-Flug, aber kein spezifischer Plan zugewiesen.
Andere wichtige Codes
7000 — VFR Conspicuity (Europa, ICAO Standard)
- Setzen bei VFR-Flügen, wenn ATC keinen spezifischen Code zugewiesen hat.
- Standard in EU, Schweiz.
1200 — VFR Conspicuity (USA)
- Setzen in USA für VFR-Flüge ohne ATC-Service.
- Außerhalb USA nicht standardmäßig genutzt.
7776 / 7777 — Militärische Codes
- Bestimmten Regionen vorbehalten — nicht zivile Nutzung.
Frühere/regionale Codes
- 0033 (in einigen EU-Staaten): VFR-Streckenflug ohne ATC.
- 7010 (in einigen Staaten): Pattern-Verkehr lokal.
→ AIP konsultieren für regionale Konventionen.
Auswendig-Merken
Eselsbrücke
- 7700 = "Hilfe, Hilfe!" (zwei "7"s)
- 7600 = "Six on Sixty" oder "Six O Six" → R für Radio
- 7500 = "Five Hundred Hijack" → "fünfhundert" mit "Hijack" assoziieren
Reihenfolge
Pilot-Mantra: "7-7-Trouble, 7-6-Silenz, 7-5-Hijack".
Praktisches Üben
- Vor jedem Flug: 7700/7600/7500 als Drei-Code-Routine durchgehen.
- In Stresssituation: ohne nachschlagen setzen können.
- Beim Pre-Flight-Check: Code-Wechsel zwischen 1200/7000/zugewiesen üben.
Setting im Cockpit
Code eingeben
4-Ziffer-Drehknöpfe oder Touchscreen:
- Modernes Modell: 4 Drehknöpfe je Ziffer.
- Klassisches Modell: Drehknopf mit "Push to Set" oder Kipphebel.
Mode-Schalter
- STBY: kein Senden.
- ON / A: Mode A (nur Code).
- ALT / C: Mode C (Code + Höhe).
- S: Mode S.
Verwechslungsrisiken
Aufpassen:
- 7500 versehentlich einstellen → ATC interpretiert als Hijack → militärische Eskalation möglich.
- 7700 versehentlich → Notfall-Reaktion (übertrieben, aber schnell behoben durch Funkkontakt).
Best Practice: bei Code-Wechsel bewusst zwischen Codes wechseln, nicht "durchblättern" durch 7500.
Korrekter Wechsel (z.B. von 7000 auf 1234):
- Direkt auf 1234 setzen, nicht über 7500.
Read-Back beim Code-Wechsel
ATC: "DEMRA, squawk 4221." Pilot: "Squawk 4221, DEMRA."
Pilot setzt Code, ATC sieht den Wechsel auf Radar bestätigt.
Cross-Reference
- Subject 090 Lessons "MAYDAY", "Funkausfall", "Hijack" für Anwendung.
- Subject 090 Lesson "Modes" für Mode-Theorie.