Abfangen (Interception)
Abfangen durch militärische Aufklärung tritt auf, wenn ein ziviles Flugzeug unbekannt oder verdächtig ist — z.B. wenn ein Flugplan nicht eingereicht, ein Funkausfall vorliegt, oder das Flugzeug in einem geschützten Luftraum abweicht.
Quelle: ICAO Annex 2 Appendix 1+2 Interception of Civil Aircraft; ICAO Doc 9554 Manual on Implementation of a 300m (1000ft) Vertical Separation Minimum (für VSM-Kontext); ICAO Annex 11.
Wann erfolgt Interception?
- Unidentifizierter Flugverkehr in Sperrgebiet (z.B. ADIZ).
- Funkausfall ohne Squawk 7600 → ATC alarmiert Militär.
- Squawk 7500 (Hijack).
- Abweichung von zugewiesener Route ohne Erklärung.
- Drohnen / UAVs ohne Genehmigung.
Interception-Verfahren
Standardisiert durch ICAO Annex 2, Sec. 3.8 + Appendix 1+2.
Phase 1: Identifikation
- Militärisches Flugzeug nähert sich.
- Position: typisch links und etwas über dem zivilen Flugzeug.
- Sichtbares Signal wird gegeben.
Phase 2: Standard-Signale vom Abfänger
Pilot (Interceptor) signalisiert mit:
| Signal | Bedeutung |
|---|---|
| Wing-Rocking (Flügelwackeln) + Position-Lights blinken | "You have been intercepted, follow me." |
| Nach links abdrehen (Standard-Turn) | "Follow me." |
| Beschleunigung + Steigflug + Tail-Lights blinken | "You may proceed" (Frei freigegeben) |
| Wing-Rocking + Lights ein + Tail down | "Land at this airport." (mit Folge-Drehung) |
Phase 3: Antworten des abgefangenen Piloten
| Pilot-Reaktion | Bedeutung |
|---|---|
| Wing-Rocking | "Understood, will comply." |
| Steady lights + Tail-Lights blinken | "Cannot comply." |
| Lights blinken regelmäßig + Tail-Lights aus | "In distress." |
| Lights blinken unregelmäßig | "Hijacked / unable to communicate." |
Funk-Kommunikation während Interception
- Versuche Kontakt auf 121,500 MHz (Notfrequenz).
- Versuche Kontakt auf der Frequenz, die Interceptor angibt (z.B. 121,500 oder Militär-Frequenz).
- Wenn Funk funktioniert: Identifikation mit Rufzeichen, Position, Intentions.
Standard-Anweisung "Follow Me"
Interceptor: Wing-Rocking + drehen nach links.
- Pilot folgt mit gleicher Drehrichtung, niedrigere Geschwindigkeit.
- Distanz: ca. 200 m hinter und etwas über Interceptor.
- Bei mehreren Interceptors: Pilot folgt dem vordersten.
Geänderte Routings
Interceptor kann anweisen zu:
- Bestimmten Flugplatz landen.
- Andere Höhe einnehmen.
- Andere Route fliegen.
Pilot muss kooperieren — auch wenn Anweisungen unverständlich erscheinen.
Pilot-Verhalten
Was tun bei Interception?
- Ruhig bleiben — keine plötzlichen Manöver.
- Wing-Rock zurück → "verstanden, werde befolgen".
- Folgen, nicht ausweichen.
- Funkkontakt versuchen auf 121,500.
- Identifizieren: Rufzeichen, Flugplan, Position.
- Anweisungen befolgen — auch bei Verständnisproblemen.
- Nach Landung: Identitätsprüfung durch Militär/Polizei.
Was NICHT tun
- Nicht zu ausweichen versuchen — kann als Bedrohung interpretiert werden.
- Nicht ohne Erklärung wegfliegen.
- Nicht aggressives Manöver machen.
- Nicht Squawk 7500 zufällig setzen → wird als Hijack interpretiert.
Spezialfall: Civilian Bordering ADIZ
ADIZ (Air Defense Identification Zone) ist ein erweiterter Luftraum, in dem alle Flüge identifiziert werden müssen:
- USA ADIZ: Atlantik, Pazifik, Mexico-Grenze, Alaska.
- Russland ADIZ: weite Bereiche.
- China ADIZ: Ostchinesisches Meer.
Bei Eintritt: Pilot muss vorab Flugplan einreichen und Funkkontakt herstellen, sonst Interception-Risiko.
Historische Vorfälle
Tragische Beispiele:
- KAL 007 (1983): Korean Airlines Boeing 747 von russischer Suchoi Su-15 abgeschossen über Sachalin.
- El Al 4X-AXG (1973): Israeli Boeing 707 von Libyschen Mirage III abgeschossen über Sinai.
- Iran Air 655 (1988): A300 von US Navy USS Vincennes über Persischem Golf abgeschossen (Identifikationsfehler).
Quellen: ICAO Investigation Reports.
Cross-Reference
- Subject 010 Lesson "Lufträume": ADIZ-Definition.
- Subject 090 Lesson "Hijack": spezifischer Hijack-Squawk-Code.