Allgemeine Luftfahrzeugkunde — FlugzeugeLektion 35 von 55
35/55Pitot-Statik-System und Instrumente

ASI-Fehler

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Der ASI ist nicht perfekt — sechs Fehler-Quellen sind im PPL-Lehrplan relevant.

Konstruktions- und Anbringungs-Fehler

FehlerUrsacheBehandlung
InstrumentenfehlerFertigungstoleranzen des Anzeigegerätsim AFM tabelliert (i. d. R. klein, wenige Knoten)
Positions-/Druckfehler (Position Error)Lokale Strömung am Static-Port unterscheidet sich vom Freistrom-StatikAFM-Korrekturtabelle: IAS → CAS
DichtefehlerIAS gibt nur dynamischen Druck wieder; tatsächliche Luftdichte weicht von Sea-Level-Standard abKorrektur per CRP-5/E6B: CAS → TAS
KompressibilitätsfehlerKompressionseffekte bei hohen Geschwindigkeitenbei PPL-Geschwindigkeiten (<200 KIAS) vernachlässigbar

CAS — Calibrated Airspeed

CAS (Calibrated Airspeed) = IAS, korrigiert für Instrumenten- und Positions­fehler (Instrument & Position Error). Die Korrektur ist im AFM tabelliert; CAS ist die "echte" angezeigte Speed.

TAS — Faustregel +2% pro 1000 ft

Bei höheren Höhen ist die TAS (True Airspeed) höher als die CAS. Eine grobe Faustregel lautet:

TAS ≈ CAS + (2 % × Altitude in 1000 ft)

Beispiel: bei 6000 ft Druckhöhe und CAS 100 kt → TAS ≈ 100 + (2 % × 6 × 100) = 100 + 12 = 112 kt.

Diese Faustregel ist ungenau, aber für eine erste Schätzung im Cockpit nützlich. Genauere TAS-Berechnung erfolgt mit CRP-5/E6B (unter Berücksichtigung von Temperatur).

Blockaden im Pitot-Statik-System

Diese sind operativ kritisch. Memorisieren!

BlockadeASI-VerhaltenHöhenmesserVSI
Pitot blockiert (Static frei)ASI verhält sich wie Höhenmesser: zeigt im Steigen zu hoch, im Sinken zu niedrignormalnormal
Static blockiert (Pitot frei)ASI zeigt im Steigen zu niedrig, im Sinken zu hocheingefroren auf Blockadehöhenull
Beide blockiertalle drei Instrumente unzuverlässigunzuverlässigunzuverlässig

Bedeckung Pitot oder Static — fehlerhafte ASI-Anzeige

Eine Bedeckung der Pitot-Sonde oder des Static-Ports verursacht eine fehlerhafte ASI-Anzeige. Spezialfall Insekt am Boden:

  • Wenn ein Insekt am Boden die Pitot-Sonde blockiert (typisch Wespennest im Sommer), ist der Druck in der Pitot-Leitung erhöht (Restdruck der Insekten­ablagerung).
  • Beim Take-off wird die echte dynamische Druck-Differenz zu klein gemessen (weil der Pitot-Innendruck schon erhöht ist) → die angezeigte Geschwindigkeit ist zu niedrig ("the indicated speed will be too low").
  • Pilot bemerkt: Vr erreicht ohne dass ASI auf Vr zeigt → Risiko Stall oder Bahn-Überschreitung.

Pre-flight: Pitot-Cover entfernen! Pitot mit Sichtprobe inspizieren (Tube frei, kein Insekt sichtbar).

Pitot-Heat — elektrisch

Die Pitot-Sonde wird typisch elektrisch beheizt (electrically heated) — eine Heizwendel um das Innere der Sonde verhindert Vereisung der Sonde im Flug.

  • Pilot schaltet Pitot Heat ein, wenn Vereisungs­bedingungen erwartet werden (Wolken, Niederschlag bei < +5 °C).
  • Stromverbrauch typisch 5-10 A — siehe Lesson Ausfallanzeigen für Funktions-Check via Ammeter.

ASI defekt — Aircraft nicht zulässig

Wenn der ASI eines Flugzeugs nicht funktionsfähig (inoperable) ist, darf das Flugzeug nur dann betrieben werden, wenn der ASI vorher ersetzt wurde (oder repariert). Begründung:

  • ASI ist Teil der Mindestausstattung nach CS-23.1303 und EASA Part-NCO.IDE.A.120.
  • Ohne ASI sind Stall-Warnung und Geschwindigkeits­überwachung nicht möglich.

→ Ein defekter ASI macht das Flugzeug nicht lufttüchtig für VFR-Tag, VFR-Nacht oder IFR.

Aktion bei Verdacht auf Blockade

  1. Pitot Heat einschalten (falls Vereisung Ursache sein könnte).
  2. Alternate Static Source öffnen (löst Static-Blockade).
  3. Vergleich mit GPS-Groundspeed (grobe Plausibilitätsprüfung der IAS-Anzeige).
  4. Aktiv landen — die Instrumentenanzeige ist nicht mehr zuverlässig.
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