Der Magnetkompass ist ein erfindungsfreies, stromloses Backup-Instrument — er ist in jedem zertifizierten Luftfahrzeug nach CS-23.1303(b)(2) Pflicht und wirkt auch bei Totalausfall des Bordnetzes.
Funktionsprinzip
Ein drehbar gelagerter Magnet richtet sich nach der Horizontalkomponente des Erdmagnetfelds aus. Anzeige typisch über eine Kompass-Karte mit Lubber Line (Steuerstrich), eingetaucht in eine flüssigkeitsgefüllte Kapsel (zur Dämpfung).
Geomagnetisches Feld — Komponenten
Das Erdmagnetfeld hat zwei Komponenten:
- Horizontalkomponente (H) — diese richtet den Kompass aus.
- Vertikalkomponente (Z) — verursacht Inklination / Dip: der Kompassmagnet wird nach unten zum nächsten magnetischen Pol gezogen.
Inklination (Dip)
| Lage | Dip | Auswirkung |
|---|---|---|
| Magnetischer Äquator | 0° | Reine Horizontalkraft, keine Dip-Probleme |
| Mittlere Breitengrade (z. B. DE ~67°) | mäßig | Beschleunigungs- und Drehfehler vorhanden |
| In Polnähe | nahezu 90° | Horizontalkomponente fast null — Kompass unbrauchbar |
Wegen Dip kompensieren die Kompasshersteller durch Pendulum-Lagerung und Counterweight — der Kompass schwebt in der Flüssigkeit so, dass im Geradeausflug die Horizontalkomponente korrekt anzeigt. Bei Beschleunigung oder Kurve treten dann die typischen Fehler auf (siehe §8.2).
Aufbau
| Komponente | Funktion |
|---|---|
| Kompasskarte (Card) | Gradskala 0–360°, montiert auf dem Magnetstab |
| Magnetstab(e) | Richtet die Karte nach dem Feld aus |
| Lubber Line | Steuerstrich am Kompassgehäuse, gegen den die Karte abgelesen wird |
| Kompensationsschrauben | An Spule für N/S und O/W zur Deviationskompensation |
| Flüssigkeit | Dämpft Schwingungen und verringert Reibung |