Allgemeine Luftfahrzeugkunde — FlugzeugeLektion 16 von 55
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Kraftstoffsorten

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Flugkraftstoff für Kolbenmotoren wird durch ASTM D910 (Aviation Gasoline) bzw. ASTM D7547 (unverbleites Avgas) spezifiziert. Falsche Kraftstoffsorte führt zu Motorschaden oder Triebwerksausfall.

Aktuelle Sorten

SorteFarbeBleigehaltAnwendungSpezifikation
Avgas 100LLblauniedrig (~0,56 g/L Tetraethylblei)Standard weltweit für KolbenmotorenASTM D910
Avgas 100grünhochWeitgehend ausgelaufenASTM D910
Avgas UL91klar/gelbunverbleitMotoren mit STC-Freigabe (z. B. Rotax 912, manche Lycoming-Varianten)ASTM D7547 / EI 5.13
Avgas 94ULklarunverbleitSelten; ältere Motoren mit STCASTM D7547
Jet A / A-1klarn. a. (Kerosin)NUR Turbinen-/DieselmotorenASTM D1655

AVGAS 100LL — blaue Farbe

Die Standard-Flugbenzin-Sorte AVGAS 100LL hat eine charakteristische blaue Farbe (durch Farbstoff hinzugefügt, um Verwechslung mit anderen Sorten zu vermeiden). Die Farbe ist im Fuel Sample Check immer optisch zu verifizieren — eine andere Farbe weist auf falsche Sorte oder Kontamination hin.

Octane / Anti-Knock-Eigenschaften

Die Octan-Zahl (octane rating) oder Fuel Grade beschreibt die Anti-Knock-Eigenschaften (anti-knock rating / properties) eines Kraftstoffs:

  • Höhere Oktan = höhere Klopffestigkeit = der Kraftstoff verbrennt geordnet, ohne unkontrollierte Explosion.
  • AVGAS 100LL hat eine "Motor Octane Number" von ca. 100 (Lean Mixture) und 130 (Rich Mixture).

Knocking (Klopfen) entsteht durch unkontrollierte Explosionen im Kraftstoff-Luft-Gemisch — typischerweise bei zu hoher Verdichtung, zu mageren Gemisch, oder zu niederer Oktan. Klopfen erzeugt mechanische Schocks am Kolben und kann den Motor zerstören.

Mogas / Auto-Benzin — generell NICHT zulässig

Autobenzin (Mogas, Super plus ROZ98) darf generell nicht als Flugkraftstoff verwendet werden — außer in den im Flughandbuch (AFM) explizit genannten Ausnahmen:

  • Manche Flugzeuge haben eine STC (Supplemental Type Certificate) für Mogas — z.B. ältere Cessna 150 mit Petersen Mogas STC.
  • Manche Rotax-Motoren (Rotax 912) sind explizit für Mogas freigegeben im Type Certificate.
  • Ohne STC oder AFM-Freigabe: Mogas ist verboten — Risiko von Vapor Lock (durch höhere Volatilität), Detonation (durch niedrigere Oktan oder fehlende Anti-Knock-Additive), oder Treibstoff-System-Schäden.

Misch-Verbote

  • Avgas 100LL darf nicht mit Jet A verwechselt werden (falscher Zapfschlauch = Motorschaden). Avgas-Schläuche sind in der EU rot oder gelb codiert; Jet schwarz.
  • Avgas und Autogas (Mogas) dürfen nicht gemischt werden, außer das AFM/STC erlaubt es ausdrücklich.

Tankwahl bei mehreren Tanks

Bei einem Flugzeug mit separaten Tanks (Links/Rechts, oder Main/Aux) muss für Take-off und Landung der im AFM spezifizierte Tank ausgewählt werden. Begründung:

  • Manche Tanks haben unterschiedliche Versorgungs­leitungen, Pumpen oder Ventile.
  • Bei kritischen Flugphasen muss der größtmögliche Versorgungs­drucke und -fluss garantiert sein.
  • AFM-Vorgabe ist verbindlich — typisch "BOTH" beim C172 (beide Tanks gleichzeitig) oder "LEFT/RIGHT specific" bei PA-28.

Alternate Air

Alternate Air ist ein Verfahren bei Vergaser- oder Einspritzmotoren, bei dem die Luft NICHT durch den normalen Lufteinlass mit Filter, sondern aus dem Inneren der Motor-Cowling (Engine Cowling) angesaugt wird:

  • Anwendung: bei verstopftem Air Filter (Vereisung, Schmutz, Insekten) oder bei Vereisung des Lufteinlasses.
  • Die Luft aus der Cowling ist wärmer und ungefiltert — daher nicht für Standard­betrieb empfohlen (Verschleiß).
  • Bei Vergasermotoren wird Carb Heat als äquivalente Funktion eingesetzt; bei Einspritzmotoren ist es das Alternate Air-Ventil.

Praxistipp Betankung

Vor dem Betanken: Erdung anschließen (statische Ableitung), Sorte auf dem Schlauch und in der AFM-Spezifikation des Flugzeugs vergleichen, Wasserkontrolle (siehe §3.3) nach dem Betanken.

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