Allgemeine Luftfahrzeugkunde — FlugzeugeLektion 10 von 55
10/55Kolbenmotor — Otto-Viertaktverfahren

Gemischsteuerung (Mixture Control)

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Air-Fuel Ratio (AFR)

Das Luft-Kraftstoff-Verhältnis bezeichnet die Masse Luft pro Masse Kraftstoff in der Verbrennung. Das stöchiometrische Verhältnis für die vollständige Verbrennung von Benzin liegt bei ca. 15

(15 Teile Luft auf 1 Teil Kraftstoff).

AFRBezeichnungAnwendung
15 : 1Stöchiometrisch (theoretisches Optimum) — bildet ein zündfähiges GemischVollständige Verbrennung des Kraftstoffs; bildet die Basis für die Definition "zündfähiges Gemisch"
~ 12,5 : 1Best Power — Maximale LeistungSteig- und Reiseflug bei höchster Leistung; etwas fetter als stöchiometrisch (zusätzlicher Kraftstoff kühlt)
> 15 : 1 (z. B. 16
)
Best Economy — Maximale ReichweiteReiseflug, magerer als Peak EGT

"Rich" = höherer Kraftstoff­anteil (AFR < 15

, z.B. 12
), "Lean" = höherer Luft­anteil (AFR > 15
, z.B. 18
). Mixtures with high amounts of fuel are referred to as "Rich".

Beste Motorleistung ist NICHT bei Full Rich

Die beste Motorleistung wird nicht mit Full Rich Mixture erreicht — Grund:

  • Bei Full Rich ist das Gemisch deutlich fetter als stöchiometrisch (typisch 10
    oder fetter).
  • Der überschüssige Kraftstoff verdampft zwar (was kühlt), aber er verbrennt nicht vollständig — die freigesetzte Energie pro Zyklus ist geringer als bei optimalem AFR.
  • → Die Drehzahl ist niedriger und die Leistung geringer.

Best Power liegt bei AFR ca. 12,5

— leicht fetter als stöchiometrisch (zusätzlicher Kraftstoff kühlt die Verbrennung und verhindert Detonation), aber nicht so fett, dass ungebrannter Kraftstoff verschwendet wird.

Mixture-Hebel-Verwendung

PositionEffektAnwendung
FULL RICH (vorn)Fettestes GemischAnlassen, Start, Steigflug auf Meereshöhe
Geleant (Mitte)Magereres GemischReiseflug oberhalb der AFM-Grenze (typisch 3 000–5 000 ft DA, aber AFM beachten!)
ICO (Idle Cut-Off, ganz hinten)Kraftstoff abgesperrtSauberer Motorhalt (verhindert "Run-on" / Dieseleffekt)

Motor-Shutdown durch Leanen — Sicherheitsgrund

Ein Otto-Motor wird durch vollständiges Magerziehen der Mixture (Idle Cut-Off) abgestellt — nicht durch Ausschalten der Zündung. Begründung:

  • Bei Mixture Idle Cut-Off wird kein Kraftstoff mehr in den Zylinder eingespritzt → der Motor hat nichts mehr zu verbrennen und kommt zum Stillstand.
  • Bei reiner Zündungs-Aus-Schaltung (Ignition OFF) bleibt unverbrannter Kraftstoff im Zylinder — Risiko von unkontrollierter Zündung (Glühzündung in heißem Motor) und Backfire beim nächsten Start.

→ Standard: Mixture ICO zum Abstellen, danach Ignition Switch auf OFF.

Mixture-Veränderung mit Höhe — wird automatisch fetter

Mit zunehmender Flughöhe (abnehmender Luftdruck) und unveränderter Mixture-Einstellung wird das Luft-Kraftstoff-Gemisch automatisch fetter (richer):

  • Höhere Höhe → geringere Luftdichte → weniger Luft pro Zeit durch den Vergaser.
  • Bei gleicher Kraftstoff­zufuhr (Mixture unverändert) wird das Verhältnis Luft/Kraftstoff kleiner = fetter.
  • Konsequenz: Pilot muss mit zunehmender Höhe Mixture nach hinten ziehen (leanen) um das Optimum zu halten.

Auswirkungen der Mixture-Verstellung

Die Verstellung der Mixture beeinflusst:

  • Luft-Kraftstoff-Verhältnis (primär).
  • Cylinder Head Temperature (CHT) — magerer = höhere CHT (näher an Stöchiometrie, mehr Hitze).
  • Oil-Temperature — folgt CHT mit Verzögerung.
  • EGT (Exhaust Gas Temperature) — primärer Indikator für Mixture.

Monitor-Instrumente für Mixture

Für eine korrekte Mixture-Einstellung im Reiseflug werden folgende Instrumente herangezogen:

InstrumentWas zu beobachten
EGT (Exhaust Gas Temperature)Primärer Indikator — beim Magerziehen steigt EGT bis Peak, dann fällt sie (zu mager)
CHT (Cylinder Head Temperature)Sekundär — beim Magerziehen steigt CHT, niemals den AFM-Grenzwert überschreiten
Flowmeter (Kraftstoff-Durchfluss)Direkter Verbrauchswert in gph oder l/h — sinkt beim Leanen

Mixture-Check am Boden

Die Mixture-Kontrolle kann am Boden bei laufendem Motor bei jeder beliebigen RPM überprüft werden: Pilot zieht die Mixture langsam nach hinten — RPM steigt zunächst (besseres Gemisch) und fällt dann (zu mager). Funktioniert die Kontrolle, ist die Mixture-Verstellung wirksam.

Das ist eine wichtige Pre-Flight-Routine, um sicher zu sein, dass die Mixture-Kontrolle funktioniert.

Lean während Taxi / Standzeit

Bei langen Roll-Strecken (long taxi) oder längeren Halt­zeiten ist es ratsam, die Mixture während des Rollens zu leanen:

  • Im Idle / niedriger Last ist das Standard-Gemisch zu fett → unverbrannter Kraftstoff verschmutzt Zündkerzen ("Fouling").
  • Durch Leanen wird die Verbrennung sauberer → Zündkerzen bleiben sauber → besserer Start, bessere Performance.

Typische Empfehlung (Lycoming): bei Taxi/Idle Mixture leicht nach hinten ziehen bis Drehzahl-Peak erreicht.

Leaning-Verfahren

Bei Fixpitch und Festpropeller:

  1. Auf Reisehöhe und stabiler Reiseleistung Mixture langsam zurückziehen.
  2. RPM steigt zunächst (besseres Gemisch), dann fällt RPM (zu mager).
  3. Best Power: Mixture so, dass RPM-Peak erreicht ist.
  4. Best Economy: weiter zurück, dann etwas nach vorn bis ~50 RPM unter Peak.

Bei Constant-Speed und EGT-Anzeige:

  1. Mixture langsam zurückziehen, EGT steigt.
  2. Peak EGT — magerstes Gemisch ohne Detonationsrisiko.
  3. Lean of Peak (LOP) oder Rich of Peak (ROP) je nach Motorhersteller-Empfehlung.

Warum leanen?

In großer Höhe ist die Luftdichte geringer → wenn das Gemisch nicht abgemagert wird, bleibt zu viel Kraftstoff pro gegebener Luftmenge → unverbrannter Kraftstoff senkt Leistung, verschmutzt Zündkerzen, erhöht Verbrauch und CO-Ausstoß.

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