Allgemeine Luftfahrzeugkunde — FlugzeugeLektion 52 von 55
52/55Anti-Icing und De-Icing Systeme

Pitot-Heat System

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Funktion des Pitot-Heat-Systems

Das Pitot-Heat-System verhindert die Vereisung des Pitot-Rohrs und (in größeren Luftfahrzeugen auch) der statischen Druckabnahme. Es ist eines der wenigen Anti-Icing-Systeme, das auf nahezu jedem PPL-Schulflugzeug vorhanden ist (C172, PA-28, DA40, etc.).

Warum kritisch: Vereistes Pitot-Rohr → der ASI zeigt falsche oder gar keine Geschwindigkeit an. Folgen:

  • Bei blockiertem Pitot, offenem Static → ASI verhält sich wie ein Höhenmesser: nimmt mit Steigflug zu, mit Sinkflug ab — unabhängig vom tatsächlichen Speed.
  • Bei blockiertem Pitot und Drain → ASI auf Null oder fest.
  • Bei blockiertem Static → Höhenmesser, VSI und ASI verlieren Funktion.

Funktionsweise

Konstruktion:

  • Im Inneren des Pitot-Rohrs ist ein elektrisches Heizelement verbaut (Widerstandsdraht), das die Luft im Rohr und die Außenwand erwärmt.
  • Leistung: typisch 50–200 W bei Kleinflugzeugen, mehr bei größeren Maschinen.
  • Spannung: 14 oder 28 V DC, abhängig vom Bordnetz.

Ein-/Ausschalter:

  • Cockpit-Schalter „PITOT HEAT" oder „PITOT STATIC HEAT".
  • Auf manchen Maschinen: separater Schalter oder mit AoA-Heat zusammen.
  • Anzeige: Kontrolllampe (grün = ein) und ggf. Ampere-Anzeige.

Funktionsprüfung am Boden (Pre-Flight Check):

  • Schalter kurz einschalten,
  • mit Hand (vorsichtig — heiß!) prüfen, dass das Pitot-Rohr warm wird,
  • danach unbedingt ausschalten, sonst Beschädigung durch Überhitzung möglich (auf Boden ohne Luftstrom).

Wann einschalten?

Generelle Regel — Pitot-Heat einschalten:

  1. Bei sichtbarer Feuchtigkeit (visible moisture) und Außentemperatur +10 °C oder weniger (Faustregel, je AFM unterschiedlich),
  2. Im Flug bei tatsächlicher oder vorhergesagter Vereisung,
  3. Im Flug in Wolken, auch wenn die Temperatur über 0 °C liegt — Pitot-Vereisung kann durch Verdunstungskühlung sogar bei +5 °C auftreten,
  4. Bei IFR-Flügen in IMC routinemäßig,
  5. Empfehlung vieler AFMs: Vor jedem Flug einschalten, gleich nach dem Engine Start (so wird Pitot-Versagen früh erkannt).

Wichtig: AFM/POH des Musters konsultieren — die Hersteller geben präzise Anweisungen.

Versagensmuster

Kein elektrischer Strom (Sicherung durchgebrannt, defekter Heizdraht):

  • Pitot-Heat-Lampe brennt nicht auf,
  • Ampere-Anzeige zeigt keinen Strom.

Heizleistung zu schwach:

  • Bei starker Vereisung kann selbst eingeschaltete Heizung das Eis nicht abschmelzen.
  • Lösung: Vereisungsbedingungen verlassen (Steigflug, Sinkflug, Umkehr).

Übererwärmung:

  • Wenn Pitot-Heat ohne Luftstrom (am Boden) länger eingeschaltet bleibt, kann das Rohr beschädigt werden.
  • Daher: am Boden Pitot-Heat nur kurz zur Prüfung einschalten.

Pre-Flight: Pitot-Rohr-Inspektion

  • Pitot-Cover entfernen (häufige Ursache für falsche ASI-Anzeige nach dem Start!),
  • Pitot-Rohr-Öffnung frei und ohne Insekten/Schmutz prüfen,
  • Außenkappe unbeschädigt,
  • Drain-Loch (kleines Loch an der Unterseite) frei.
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