LuftrechtLektion 18 von 64
18/64Lizenzierung des Personals — Grundlagen Part-FCL

Differences Training und Familiarization (FCL.710)

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Allgemein (ICAO)

ICAO Annex 1 unterscheidet zwischen Klassen- und Musterberechtigungen. Unterschiede innerhalb einer Klasse können durch Differences Training überbrückt werden, ohne dass eine neue Klassenberechtigung erforderlich wird.

Europa (EASA / EU)

VO (EU) 1178/2011 Part-FCL.710 (Class and type ratings – variants) definiert zwei Stufen der Einweisung in Varianten innerhalb derselben Klassen- oder Musterberechtigung:

1. Familiarization (Vertrautmachen)

  • Erforderlich, wenn ein Pilot zwischen gleichartigen Varianten wechselt.
  • Erwerb: Das Vertrautmachen mit den Eigenschaften des Musters/der Variante, kann eigenständig durch das Studium des AFM/POH und ggf. eines Cockpit-Briefings erfolgen.
  • Keine Aufzeichnung in der Lizenz zwingend erforderlich; das Logbuch sollte den Vermerk enthalten.

2. Differences Training (Unterschiedsschulung)

  • Erforderlich, wenn ein Pilot zwischen wesentlich unterschiedlichen Varianten innerhalb derselben Klassen-/Musterberechtigung wechselt.
  • Zwingend mit einem Lehrberechtigten (CRI oder FI) zu absolvieren.
  • Inhalt umfasst: theoretische Unterweisung + praktische Demonstration der Unterschiede.
  • Eintrag im Logbuch zwingend, signiert vom Lehrberechtigten.
  • Gültigkeit (FCL.710(b)): Wenn das Differences Training für eine bestimmte Variante in den letzten 2 Jahren nicht ausgeübt wurde (erneute Berechtigung verfallen), muss ein erneutes Differences Training absolviert werden — Ausnahme: Variante, die zuvor durch Class Rating selbst erworben wurde.

Häufige Auslöser für Differences Training:

  • Wechsel von Vergaser zu Einspritzung (fuel injection),
  • Wechsel von Festpropeller zu Verstellpropeller (variable pitch / constant speed),
  • Wechsel von Saugmotor zu Turbolader/Kompressor (turbocharger / supercharger),
  • Wechsel auf Spornrad-Fahrwerk (tailwheel/conventional gear),
  • Wechsel auf einziehbares Fahrwerk (retractable gear),
  • Wechsel auf EFIS/Glass Cockpit (z. B. von analog auf Garmin G1000),
  • Wechsel auf Druckkabine (pressurised cabin),
  • Wechsel auf Anti-Icing-/De-Icing-Ausrüstung.

Beispiele:

  • C172 → C172RG (retractable gear): Differences Training erforderlich.
  • C172 mit analogem Cockpit → C172 mit G1000: typischerweise Differences Training für EFIS.
  • C172 → C152: Familiarization (beide Saugmotor, Festpropeller, Spornrad? Nein, beide Bug­fahrwerk).
  • PA-28-140 → PA-28-181: Familiarization (gleiche Klassenberechtigung, ähnliche Leistung).

Aufzeichnungspflicht (FCL.710(d)): Der Pilot muss den Nachweis über das absolvierte Differences Training mitführen oder einsehbar haben (Logbuch-Eintrag genügt).

Deutschland (national)

Anwendung EU-Recht direkt. AME/Flugschulen klären im Zweifel mit dem LBA ab, welche Varianten welcher Schulungsstufe entsprechen. Die nationale Praxis folgt strikt FCL.710.

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