Flugplatzbefeuerung
Bei Nacht und schlechter Sicht ist die Farbe die Sprache des Flugplatzes: Jede Lichtfarbe hat eine feste, international standardisierte Bedeutung nach ICAO Annex 14, Vol I, Kapitel 5.3. Den Farbcode sicher zu beherrschen — grüne Schwelle, rotes Pistenende, blauer Rollbahnrand — ist ein Prüfungsklassiker und eine echte Sicherheitskompetenz für Ihre ersten Anflüge in der Dämmerung oder bei Nacht. Diese Lektion behandelt außerdem den visuellen Gleitweg (PAPI) und die Lichtsignale bei Funkausfall.
Flugplatz- und Identifizierungsleuchtfeuer
Das Flugplatzleuchtfeuer (Aerodrome Beacon, ABN) ist ein Dreh- oder Blitzfeuer, das den Flugplatz bei Nacht oder verminderter Sicht schon von Weitem kenntlich macht:
- Landflugplatz: abwechselnd weiße und grüne Blitze.
- Wasserflugplatz: abwechselnd weiße und gelbe Blitze.
- Blitzfrequenz: 20–30 Blitze pro Minute.
Das Identifizierungsleuchtfeuer (Identification Beacon, IBN) wird verwendet, wo ein Flugplatz nicht leicht anderweitig zu identifizieren ist: An Landflugplätzen blitzt es grün und sendet die Platzkennung in Morsezeichen.
Pisten- und Rollbahnbefeuerung — der Farbcode
| Befeuerung | Farbe |
|---|---|
| Pistenrand | Weiß; die letzten 600 m oder das letzte Drittel der Piste (der kleinere Wert) können in Betriebsrichtung gelb sein — Vorwarnung vor dem Pistenende |
| Schwelle | Grün, quer zur Schwelle, aus Anflugrichtung sichtbar |
| Pistenende | Rot, quer zum Pistenende, aus Pistenrichtung sichtbar |
| Pistenmittellinie | Weiß, auf den letzten 900 m abwechselnd rot/weiß, auf den letzten 300 m rot |
| Aufsetzzone (TDZ) | Weiß, beiderseits der Mittellinie in der Aufsetzzone |
| Rollbahnrand | Blau |
| Rollbahnmittellinie | Grün |
Merkhilfe: Bei der Landung fliegen Sie auf Grün zu (Schwelle) und müssen vor Rot (Pistenende) stehen; sehen Sie Blau neben sich, sind Sie auf einer Rollbahn.
Anflugbefeuerung
Eine Anflugbefeuerung ist eine Lichterreihe, die von der Schwelle in den Anflugbereich hinausreicht und dem Piloten den Übergang vom Instrumenten- zum Sichtflugbezug erleichtert. Ihre Ausführung hängt von der Pistenkategorie ab (einfache Anflugbefeuerung für Nichtinstrumenten-/Nichtpräzisionspisten; längere, komplexere Systeme für Präzisionsanflugpisten Cat I und Cat II/III).
PAPI — der visuelle Gleitweg
Das PAPI (Precision Approach Path Indicator) ist eine Reihe von 4 Lichtern neben der Piste (üblicherweise links), quer zur Anflugrichtung. Jede Einheit erscheint von oberhalb ihres eingestellten Winkels weiß, von unterhalb rot — die Weiß/Rot-Kombination zeigt Ihre Lage relativ zum Soll-Gleitweg (üblicherweise 3°):
- 4 weiß = zu hoch.
- 3 weiß, 1 rot = leicht zu hoch.
- 2 weiß, 2 rot = auf dem Gleitweg (üblicherweise 3°).
- 1 weiß, 3 rot = leicht zu tief.
- 4 rot = zu tief.
- Merkspruch: „Red over white — you're alright. Red over red — you're dead."
VASIS / T-VASIS sind ältere visuelle Gleitwegsysteme mit ähnlicher Funktion und zwei oder mehr Lichtbalken.
Lichtsignale an Luftfahrzeuge (SERA Anlage 1 / ICAO Annex 2 Appendix 1)
Steht keine Funkverbindung zur Verfügung oder ist sie ausgefallen, lenkt der Turm den Verkehr mit der Signallampe. Die Bedeutung hängt davon ab, ob sich das Luftfahrzeug im Flug oder am Boden befindet — beide Tabellen lernen.
Vom Turm an Luftfahrzeuge im Flug:
| Signal | Bedeutung |
|---|---|
| Grünes Dauersignal | Landung frei |
| Grünes Blinksignal | Zum Landen zurückkehren; Landefreigabe folgt |
| Rotes Dauersignal | Anderem Luftfahrzeug Vorfahrt gewähren, weiter kreisen |
| Rotes Blinksignal | Flugplatz unsicher, nicht landen |
| Weißes Blinksignal | Auf diesem Flugplatz landen und zum Vorfeld rollen |
| Roter Feuerwerkskörper | Ungeachtet vorheriger Anweisungen vorerst nicht landen |
Vom Turm an Luftfahrzeuge am Boden:
| Signal | Bedeutung |
|---|---|
| Grünes Dauersignal | Start frei |
| Grünes Blinksignal | Rollen frei |
| Rotes Dauersignal | Halt |
| Rotes Blinksignal | Benutzte Landefläche freimachen |
| Weißes Blinksignal | Zum Ausgangspunkt auf dem Flugplatz zurückkehren |
Bestätigung durch das Luftfahrzeug:
- Im Flug, bei Tag: Schaukeln mit den Tragflächen (nicht im Queranflug oder Endanflug).
- Am Boden, bei Tag: Bewegen der Querruder oder des Seitenruders.
- Bei Nacht: zweimaliges Blinken mit dem Landescheinwerfer (oder, falls nicht vorhanden, zweimaliges Blinken mit den Positionslichtern).
Europa (EASA / EU)
Die Lichtsignale sind über SERA Anlage 1 (Verordnung (EU) Nr. 923/2012) EU-weit verbindlich — inhaltsgleich mit ICAO Annex 2, Appendix 1. Die Befeuerungsstandards des Annex 14 gelten EU-weit über die Verordnung (EU) Nr. 139/2014 (Part-ADR).
Deutschland (national)
Anwendung nach EU-Recht. Die AIP Deutschland veröffentlicht je Flugplatz die tatsächlich installierte Befeuerung (Anflugbefeuerung, PAPI/VASIS, Pistenrand, TDZ, Leuchtfeuer). An kleinen VFR-Plätzen gibt es oft nur Pistenrandbefeuerung und einen beleuchteten Windrichtungsanzeiger — vor einer geplanten Nachtlandung prüfen.
Prüfungswissen
- Das Flugplatzleuchtfeuer blitzt an Landflugplätzen weiß/grün, an Wasserflugplätzen weiß/gelb.
- Der Farbcode lautet: Pistenrand weiß (gelb vor dem Ende), Schwelle grün, Pistenende rot, Rollbahnrand blau, Rollbahnmittellinie grün.
- PAPI: 2 weiß und 2 rot bedeutet auf dem Gleitweg; 4 weiß deutlich zu hoch; 4 rot deutlich zu tief.
- Grünes Dauersignal an ein Luftfahrzeug im Flug bedeutet Landung frei; am Boden Start frei.
- Rotes Blinksignal im Flug bedeutet Flugplatz unsicher — nicht landen; am Boden die benutzte Landefläche freimachen.
- Ein roter Feuerwerkskörper bedeutet: ungeachtet vorheriger Anweisungen vorerst nicht landen.
- Bestätigung: im Flug bei Tag Schaukeln mit den Tragflächen (nicht im Quer- oder Endanflug); am Boden bei Tag Bewegen von Quer- oder Seitenruder; bei Nacht zweimaliges Blinken mit Landescheinwerfer oder Positionslichtern.