Allgemein (ICAO)
ICAO Annex 11 §3.5 und ICAO Doc 4444 PANS-ATM Chapter 8 (Radar Services) beschreiben die ATS-Dienste, die ein Radar-Lotse erbringt.
Radar-basierte ATS umfassen:
1. Radar Vectoring
- Lotsenanweisungen für Steuerkurse an den Pilot, um ihn auf einem bestimmten Weg zu führen — ohne dass der Pilot navigiert.
- Phraseologie: „Turn left/right heading 240", „Maintain heading 270".
- Anwendung: Anflugführung auf den Anflug-Localizer/Final, Trennung von Verkehr, Vermeidung von Wetter, Umfliegen Sperrgebieten.
2. Radar Separation
- Mindestabstand zwischen Luftfahrzeugen wird vom Lotsen mittels Radar überwacht; statt prozeduraler Staffelung (Annex 11 §3.4.1).
- Standard-Mindestabstand horizontal: 5 NM (oder 3 NM in TMA/CTR mit gutem Radar), vertikal: 1 000 ft.
3. Radar Monitoring
- Lotse beobachtet den Flugweg eines Luftfahrzeugs auf dem Radarbildschirm und warnt bei Abweichungen vom freigegebenen Weg.
4. Surveillance Approach
- Anflugführung per Radar (PAR — Precision Approach Radar, oder SRA — Surveillance Radar Approach).
5. Traffic Information
- Auch bei Flügen ohne Radar-Staffelung erteilt der Lotse Hinweise auf kollidierenden Verkehr: „Traffic 12 o'clock, 5 miles, opposite direction, 2 000 ft".
Pilotenpflichten beim Radar Vectoring (Doc 4444 §8.6):
- Folgen der erteilten Steuerkurse mit größtmöglicher Genauigkeit,
- Beibehalten der zugewiesenen Höhe,
- ATC informieren, wenn das geforderte Manöver nicht ausgeführt werden kann (z. B. wegen Mindestkurvenradius, Wetter, Notlage),
- Wenn „Vectoring terminated, resume own navigation" — Pilot übernimmt wieder die Navigation.
Mindesthöhen: Lotse darf den Pilot nur auf Höhen unter dem MVA (Minimum Vectoring Altitude) vectorieren, wenn der Pilot dies explizit annimmt und die Verantwortung übernimmt.
Identifikation (Doc 4444 §8.6.4): Vor Erteilung einer Radar-Anweisung muss der Lotse das Luftfahrzeug radarmäßig identifizieren — typische Methoden:
- Squawk-Ident-Anweisung („Squawk ident"),
- Beobachtung einer angesagten Kurve über 30°,
- Hinweis auf Position vom Pilot („Position xx miles west of yyy").
Europa (EASA / EU)
VO (EU) 2017/373 Annex IV (Part-ATS) verlangt Surveillance-basierte Dienste an Verkehrsflughäfen und in TMA/CTR. EASA-AMC weisen auf die ICAO-Verfahren hin.
Deutschland (national)
DFS erbringt Radar-Dienste an allen Verkehrsflughäfen (FRA, MUC, DUS, …), TMA und ACC. MVA und Radar-Karten in AIP Deutschland AD 2.22 pro Flugplatz dokumentiert. Im unkontrollierten Luftraum (G) gibt es kein Radar-Vectoring durch FIS — FIS-Lotsen können nur Verkehrshinweise geben.