LuftrechtLektion 39 von 64
39/64ATS — ICAO Annex 11 / SERA

Radar-Dienste und Radar-Vectoring

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Allgemein (ICAO)

ICAO Annex 11 §3.5 und ICAO Doc 4444 PANS-ATM Chapter 8 (Radar Services) beschreiben die ATS-Dienste, die ein Radar-Lotse erbringt.

Radar-basierte ATS umfassen:

1. Radar Vectoring

  • Lotsenanweisungen für Steuerkurse an den Pilot, um ihn auf einem bestimmten Weg zu führen — ohne dass der Pilot navigiert.
  • Phraseologie: „Turn left/right heading 240", „Maintain heading 270".
  • Anwendung: Anflugführung auf den Anflug-Localizer/Final, Trennung von Verkehr, Vermeidung von Wetter, Umfliegen Sperrgebieten.

2. Radar Separation

  • Mindestabstand zwischen Luftfahrzeugen wird vom Lotsen mittels Radar überwacht; statt prozeduraler Staffelung (Annex 11 §3.4.1).
  • Standard-Mindestabstand horizontal: 5 NM (oder 3 NM in TMA/CTR mit gutem Radar), vertikal: 1 000 ft.

3. Radar Monitoring

  • Lotse beobachtet den Flugweg eines Luftfahrzeugs auf dem Radarbildschirm und warnt bei Abweichungen vom freigegebenen Weg.

4. Surveillance Approach

  • Anflugführung per Radar (PAR — Precision Approach Radar, oder SRA — Surveillance Radar Approach).

5. Traffic Information

  • Auch bei Flügen ohne Radar-Staffelung erteilt der Lotse Hinweise auf kollidierenden Verkehr: „Traffic 12 o'clock, 5 miles, opposite direction, 2 000 ft".

Pilotenpflichten beim Radar Vectoring (Doc 4444 §8.6):

  • Folgen der erteilten Steuerkurse mit größtmöglicher Genauigkeit,
  • Beibehalten der zugewiesenen Höhe,
  • ATC informieren, wenn das geforderte Manöver nicht ausgeführt werden kann (z. B. wegen Mindestkurvenradius, Wetter, Notlage),
  • Wenn „Vectoring terminated, resume own navigation" — Pilot übernimmt wieder die Navigation.

Mindesthöhen: Lotse darf den Pilot nur auf Höhen unter dem MVA (Minimum Vectoring Altitude) vectorieren, wenn der Pilot dies explizit annimmt und die Verantwortung übernimmt.

Identifikation (Doc 4444 §8.6.4): Vor Erteilung einer Radar-Anweisung muss der Lotse das Luftfahrzeug radarmäßig identifizieren — typische Methoden:

  • Squawk-Ident-Anweisung („Squawk ident"),
  • Beobachtung einer angesagten Kurve über 30°,
  • Hinweis auf Position vom Pilot („Position xx miles west of yyy").

Europa (EASA / EU)

VO (EU) 2017/373 Annex IV (Part-ATS) verlangt Surveillance-basierte Dienste an Verkehrsflughäfen und in TMA/CTR. EASA-AMC weisen auf die ICAO-Verfahren hin.

Deutschland (national)

DFS erbringt Radar-Dienste an allen Verkehrsflughäfen (FRA, MUC, DUS, …), TMA und ACC. MVA und Radar-Karten in AIP Deutschland AD 2.22 pro Flugplatz dokumentiert. Im unkontrollierten Luftraum (G) gibt es kein Radar-Vectoring durch FIS — FIS-Lotsen können nur Verkehrshinweise geben.

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