Flugverkehrsdienste
Als VFR-Pilot haben Sie ständig mit Flugverkehrsdiensten zu tun: eine Towerfreigabe am kontrollierten Flughafen, Fluginformationen von der FIS-Frequenz unterwegs oder der Alarmdienst, der still über Ihrem Flugplan wacht. Diese Lektion ordnet, welcher Dienst was leistet, wer ihn wo erbringt und was bei Funkausfall zu tun ist — alles häufige Prüfungsthemen.
Die vier Flugverkehrsdienste (ICAO Annex 11)
ICAO Annex 11 gliedert die Flugverkehrsdienste in vier Dienste:
| Dienst | Aufgabe |
|---|---|
| Flugverkehrskontrolldienst (ATC) | Aktive Verkehrskontrolle mit Freigaben und Staffelung |
| Fluginformationsdienst (FIS) | Informationen ohne Freigaben (Wetter, Luftraum, Verkehrshinweise) |
| Alarmdienst (Alerting Service) | Alarmierung der SAR-Organisationen bei Notlagen |
| Flugverkehrsberatungsdienst (Air Traffic Advisory Service) | Beratende Staffelung für teilnehmende IFR-Flüge im Luftraum F (in Europa kaum verwendet) |
An unkontrollierten Flugplätzen existiert in der Praxis zusätzlich ein Dienst auf Flugplatzebene: ein Flugplatz-Informations-/Beratungsdienst (AFIS / AAS) gibt dem Platzverkehr Informationen und Empfehlungen — er gehört aber nicht zu den Annex-11-Hauptkategorien und erteilt keine Freigaben.
ATC — drei Stellen für drei Flugphasen
Der Flugverkehrskontrolldienst wird durch TWR (Flugplatzkontrolle), APP (Anflugkontrolle) und ACC (Bezirkskontrolle) erbracht:
| Stelle | Bezeichnung | Aufgabe |
|---|---|---|
| TWR (Tower) | Aerodrome Control Service | Verkehr am und um den Flugplatz, Pisten, Platzrunde |
| APP (Approach) | Approach Control Service | An- und Abflüge, TMA |
| ACC (Area Control) | Area Control Service | Streckenverkehr innerhalb der FIR |
FIS — Ihr Informationsdienst unterwegs
Ein Pilot kann den FIS (Fluginformationsdienst) jederzeit über Funk erreichen. FIS:
- liefert Informationen zu Wetter, Luftraumaktivitäten und anderem Verkehr,
- ist in der gesamten FIR (Flight Information Region) verfügbar, in der Sie fliegen,
- erteilt keine ATC-Freigaben — nur Informationen und Empfehlungen; die Entscheidung bleibt beim Piloten.
Luftraumreservierungen und -beschränkungen
- Eine TRA (Temporary Reserved Airspace) ist ein vorübergehend reservierter Luftraum, z. B. für militärische Übungen. Sie darf durchflogen werden, wenn sie nicht aktiv ist.
- Ein Gebiet mit Flugbeschränkungen (Restricted Area) darf nur unter den geltenden Einschränkungen durchflogen werden — typischerweise mit Genehmigung der zuständigen Stelle und je nach Aktivität. Vor dem Flug NOTAM und AIP prüfen.
Funkausfall
- Am unkontrollierten Flugplatz: wie gewohnt in die Platzrunde einfliegen, sorgfältig auf landenden und startenden Verkehr achten und unter Einhaltung der Sichtflugregeln landen.
- Transponder: Bei Funkausfall Code 7600 aus eigenem Antrieb setzen — ohne Anfrage oder Anweisung. ATC sieht dann die Funkausfall-Kennung am Radardisplay.
Europa (EASA / EU)
Im EU-Recht regelt SERA Abschnitt 9 (SERA.9001–SERA.9010, einschließlich ATIS) den Fluginformationsdienst und SERA Abschnitt 10 (SERA.10001) den Alarmdienst — beides in der VO (EU) Nr. 923/2012.
Deutschland (national)
In Deutschland existieren drei Fluginformationsgebiete (FIRs) im unteren Luftraum: Bremen, Langen und München. FIS wird von der DFS auf den veröffentlichten FIS-Frequenzen erbracht (AIP Deutschland).
Prüfungswissen kompakt
- ICAO Annex 11 gliedert die ATS in vier Dienste: ATC, Fluginformationsdienst, Alarmdienst und Flugverkehrsberatungsdienst.
- Der ATC-Dienst wird durch TWR, APP und ACC für Platz-, Anflug- und Streckenverkehr erbracht.
- FIS liefert nur Informationen — nie Freigaben — und ist für jeden Flug innerhalb einer FIR über Funk verfügbar.
- Eine TRA darf bei Inaktivität durchflogen werden; ein Restricted Area nur unter den geltenden Einschränkungen.
- Bei Funkausfall am unkontrollierten Platz: Platzrunde einfliegen, auf Verkehr achten, nach Sichtflugregeln landen.
- Squawk 7600 wird bei Funkausfall vom Piloten aus eigenem Antrieb gesetzt.
- Die drei deutschen FIRs im unteren Luftraum sind Bremen, Langen und München.