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Wirbelschleppen-Vermeidung

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Wirbelschleppen-Vermeidung (Wake Turbulence)

Wirbelschleppen sind aerodynamische Wirbel an den Flügelenden eines Flugzeugs — erzeugt durch den Druckausgleich zwischen Unter- und Oberseite des Tragflügels. Sie können schwere Steuerungs­verluste beim nachfolgenden Flugzeug verursachen.

Quelle: ICAO Doc 4444 PANS-ATM Kapitel 5 (Separation); EUROCONTROL RECAT-EU (Re-Categorisation, seit 2015).

Physik der Wirbelschleppen

  • Verursacher: Unterdruck auf Oberseite und Überdruck auf Unterseite des Tragflügels → an den Wingtips strömt Luft vom Hochdruck zur Niederseite → zwei gegenläufige Wirbel (counter-rotating).
  • Entstehung im Flugverlauf: Wirbel entstehen, sobald der Flügel Auftrieb erzeugt — also genau in dem Moment, in dem das Flugzeug bei der Rotation vom Boden abhebt (Bug-/Hauptfahrwerk lift off) und der Flügel beginnt, das Gewicht zu tragen. Sie enden, sobald der Flügel keinen Auftrieb mehr erzeugt — also beim Touchdown.
  • Stärke: proportional zum Gewicht (höheres Gewicht = mehr Auftrieb = stärkere Wirbel) und umgekehrt proportional zur Spannweite (kürzere Spannweite = konzentriertere Wirbel) und Geschwindigkeit (geringe Speed → höherer Anstell­winkel → stärkere Wirbel).
  • Besonders stark in Bodennähe und bei langsamer, schwerer Konfiguration (z.B. schwer, langsam, Klappen draußen — also Take-off oder Final).
  • Verhalten in Luft:
    • Vertikal: sinken mit ca. 400–500 fpm für 1–2 min, dann stabilisieren ca. 500–900 ft unter Erzeuger.
    • Horizontal: driften mit Wind ab; bei seitlichem Wind verschieben sich Wirbel zur Lee-Seite mit Wind­geschwindigkeit.
    • Lebensdauer: 2–5 Minuten typisch; bei Bodennähe und Wind länger (haftet am Boden).

Sonderfall: Wirbel bleiben auf der Bahn

  • Bei sehr leichtem Seitenwind (oder Wind genau in Bahn­richtung) driften die Wirbel kaum seitlich ab — sie können auf oder direkt neben der Bahn liegen bleiben, fast stationär.
  • Größtes Risiko beim Start unmittelbar hinter Heavy/Super mit ruhigem oder schwach quer­liegendem Wind.
  • Bei stärkerem Seitenwind werden Wirbel zwar abgedrängt, aber landen ggf. auf parallelen Bahnen oder Taxiways.

ICAO Wake-Turbulence-Kategorien

Traditionell (ICAO Annex 6):

KategorieGewicht MTOM
HEAVY (H)≥ 136 000 kg (300 000 lb)
MEDIUM (M)7 000 – 136 000 kg
LIGHT (L)< 7 000 kg

Spezial-Kategorien:

  • SUPER (J): Airbus A380, Antonov An-225.

EUROCONTROL RECAT-EU (seit 2015) hat 6 Kategorien (A bis F) für feinere Abstufung — primär für ATC-Separation.

Standard-Separation (hinter Heavy / Super)

Im Anflug (Final) — IFR-Trennung in NM:

Vor mirNach mirMindest­abstand
Super (A380)Heavy6 NM
SuperMedium7 NM
SuperLight8 NM
HeavyHeavy4 NM
HeavyMedium5 NM
HeavyLight6 NM
MediumLight5 NM

Quelle: ICAO Doc 4444 Tabelle 5-8 (Standard Wake-Turbulence Separation Minima for Arriving Aircraft).

Take-off — Zeit-Separation:

  • 2 Minuten hinter Flugzeug der nächst­höheren Wake-Turbulence-Kategorie.
  • 3 Minuten hinter Heavy/Super, wenn Light/Medium folgen oder bei Mid-Runway-Departures (intersection take-off vor Heavy-Rotation-Point).

Wirbel beim Rollen — Taxi-Abstand

  • Beim Rollen hinter einem Flugzeug der nächst­höheren Wake-Turbulence-Klasse soll ein Mindest­abstand von ca. 200 m gehalten werden (Empfehlung; siehe FAA AIM 7-3-7).
  • Grund: Jet-Blast und Wirbel auf dem Taxiway können auch im Stand wirken; bei Leichtflugzeugen kann Jet-Blast zum Kippen führen.

Vermeidung — VFR-Praxis

Take-off-Szenarien

  • Hinter einem Heavy auf gleicher Bahn:
    • 2-3 Minuten warten bevor Take-off-Roll.
    • Rotation vor Predecessor's Rotation-Point (wenn möglich) — bleibst über der Wirbelschleppe; Lift-off vor dem Lift-off-Punkt des Heavy.
    • Steigflug mit höherem Winkel (Vx) → Trajektorie über der Heavy-Trajektorie bleiben.
  • Quering einer Bahn mit jüngst Heavy-Take-off: 2-3 min warten.

Landung-Szenarien

  • Hinter Heavy im Anflug:
    • Über dem Anflug­pfad des Vorgängers bleiben.
    • Touchdown hinter der Touchdown-Position des Vorgängers — z.B. hinter der Position, an der das Bugfahrwerk des Heavy aufsetzte (typischerweise nach dem ersten Drittel der Bahn).
    • Steiler Anflug und lange Landung — bewusst weit hinter Touchdown-Punkt aufsetzen.
  • Wirbelschleppen driften mit Wind — Berücksichtigung bei Crosswind: Wirbel der vorausfliegenden Maschine drift bei Seitenwind in Richtung Lee-Seite.

En-route

  • Hinter größerem Flugzeug folgen: 1000 ft tiefer, 5 NM seitlich versetzt.
  • Überholen: oberhalb passieren (Wirbel sinken nach unten).
  • Hinter sinkendem Flugzeug: über dessen Sink­pfad bleiben.

Sonderfall: Helikopter

  • Helikopter im Schwebe­flug oder beim Take-off in Bahn­nähe erzeugen starken Downwash und Turbulenz — vergleichbar mit Wirbel­schleppen, aber breiter und stationärer.
  • Pilot eines Light Aircraft soll vor Take-off auf einer Bahn nahe einem schwebenden/startenden Helikopter warten, bis der Helikopter weggeflogen ist oder der Downwash durch Wind abgetragen wurde.
  • Quelle: FAA AC 90-23G und FAA AIM Section 7-4 Helicopter Vortices.

Wirkung beim Treffer

Severity abhängig von Größenverhältnis Folger/Erzeuger:

  • Leicht hinter Heavy: schwere Roll-Tendenz, Steuer­widerstand, ggf. unkontrollierbarer Bank-Angle.
  • Medium hinter Heavy: spürbare Roll, beherrschbar mit Aileron + Power.
  • Heavy hinter Heavy: leichte Roll, kaum kritisch.

Hauptregel

Visuell vermeiden kombiniert mit ATC-Separation. Wenn ATC nicht trennen kann (z.B. Sicht­fliegen unkontrollierter Platz), Pilot eigenverantwortlich Abstand wahren.

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