Betriebsverfahren — FlugzeugeLektion 11 von 36
11/36Flugplatzbetrieb

Seitenwindlandetechniken

Lesezeit ca. 5 min·
de
Sprache wechseln (EN)

Seitenwindlandetechniken (Crosswind Landing)

Crosswind ist eine der häufigsten Übungs- und Prüfungs­szenarien im PPL. Es gibt zwei Haupttechniken und die Kombination.

Maximum Demonstrated Crosswind Component

  • POH-Limit: jeder Flugzeugtyp hat ein maximum demonstrated crosswind component.
  • C172: 15 kt.
  • PA-28: 17 kt.
  • DA-40: 25 kt.
  • DR400: 25 kt.

Wichtig: "demonstrated" ≠ "absolutes Maximum". Hersteller hat das in der Zertifizierung erreicht, aber Pilot kann darüber landen mit höherem Risiko. In Praxis sollte Pilot-eigene Grenze ggf. tiefer liegen, abhängig von Erfahrung und Bahn­breite.

Technik 1: Wing-Low (Sideslip / Slip)

Konzept: Der Flügel auf der Wind-Seite wird gesenkt; gleichzeitig wird mit dem Seitenruder die Längsachse parallel zur Bahn gehalten.

Vorteile:

  • Landung auf einem Rad zuerst (Wind-Rad) → Stabilität.
  • Klare Sicht zur Bahn.
  • Lehrbuch-Standard für PPL-Schulung.

Nachteile:

  • Anstrengender für Pilot.
  • Sideforce auf Querruder reduziert max Crosswind-Komponente leicht.

Verfahren:

  1. Auf Final: Aileron in den Wind drücken (z.B. Wind von rechts → Yoke nach rechts).
  2. Seitenruder gegen den entstehenden Bank (Yaw → halten der Bahn-Richtung).
  3. Flugzeug fliegt schräg — ein Flügel tief, Nase parallel zur Bahn.
  4. Touchdown auf einem Rad (wind-seitig) zuerst.
  5. Aileron weiter in den Wind halten beim Roll-out.

Slip-Technik allgemein — Einleitung

Ein Slip wird grundsätzlich durch Einsatz der Querruder eingeleitet und durch Anwendung des entgegengesetzten Seitenruders stabilisiert:

  • Querruder in eine Richtung (z.B. links) → Bank zur linken Seite.
  • Seitenruder in entgegengesetzte Richtung (z.B. rechts) → verhindert Yaw, hält Längs­achse gegen die Bank-Richtung.
  • Resultat: Flugzeug fliegt schräg durch die Luft; erhöhter Widerstand und steigende Sinkrate ohne IAS-Steigerung — daher als Höhen-Abbau-Manöver bei zu hohem Anflug oder als Seitenwind-Korrektur.

Technik 2: Crab (Crab and Decrab / Kick-out)

Konzept: Im Endanflug Korrektur durch Heading-Versatz (Crab) bis kurz vor Touchdown, dann mit Seitenruder die Nase zur Bahn ausrichten.

Vorteile:

  • Komfortabler im Anflug (kein Slip).
  • Standard in IFR und Verkehrsflug.

Nachteile:

  • Timing kritisch: zu früh decrabe → Sideforce, zu spät → Side-Touchdown.
  • Schwieriger für Pilot in Einzel-Flügelgesinnung-Trainings.

Verfahren:

  1. Auf Final: Heading versetzt zum Wind, so dass Track die Bahn entlang führt.
  2. Kurz vor Touchdown (Flare-Beginn): Seitenruder drücken, um Nase zur Bahnrichtung zu drehen.
  3. Aileron in den Wind gleichzeitig, um Bank gegen den Drift abzufangen.
  4. Touchdown mit ausgerichteter Längsachse.

Technik 3: Kombination (Combined Method)

Standard für viele Schulen:

  • Crab im Final für Komfort.
  • Übergang zu Wing-Low im Flare.
  • Touchdown mit Wind-Rad zuerst (Wing-Low).

Wichtig — Crosswind-Komponente berechnen

  • Vor Anflug: Wind aus ATIS, Faustregel-Tabelle (siehe Subject 060):
    • 30° zur Bahn: XW = 50 % von Wind.
    • 45°: XW = 71 %.
    • 60°: XW = 87 %.
    • 90°: XW = 100 %.
  • Falls > POH-Limit: Anderen Bahn wählen, Ausweichplatz anflugen, oder abwarten.

Landung bei böigem Wind

Bei einer Landung in böigem Wind (gusty wind) soll der Pilot mit erhöhter Geschwindigkeit anfliegen, um sich gegen plötzliche Wind­geschwindigkeits­ein­brüche zu schützen:

  • Faustregel: Vref + ½ der erwarteten Gust-Differenz (z.B. Wind 15G25 → Vref + 5).
  • Falls der Wind plötzlich ein­bricht (Gust → ruhig), würde der Flieger sonst stallen oder hart sinken; mit Geschwindigkeits-Reserve ist genug Energie für eine sichere Landung.
  • Touchdown mit niedriger Speed weiterhin am Bahn-Anfang, ggf. mit etwas mehr Power-Reserve, um Sinkraten abfangen zu können.

Stall, Spin und Spiral Dive — Unterscheidung

Diese Begriffe werden oft verwechselt, sind aber aerodynamisch verschieden:

Spin

  • Definition: ein Stall (Strömungs­abriss) mit anschließender Rotation um die Hochachse — typisch durch asymmetrischen Stall (ein Flügel stallt zuerst).
  • Aerodynamik: Strömung am Tragflügel abgelöst (vollständig oder teilweise).
  • Steuerbarkeit: Flugzeug ist kaum oder nicht steuerbar in einer voll entwickelten Spin — Querruder ineffektiv, Höhen­ruder begrenzt, nur Seitenruder wirkt.
  • Sinkrate: hoch und nahezu konstant (kein Beschleunigen auf Vne).

Spiral Dive (Schraubenflug)

  • Definition: ein steiles, gebanktes Spiral-Sinken — Bankwinkel hoch, IAS steigt rapide.
  • Aerodynamik: Strömung am Tragflügel angelegt (kein Stall).
  • Steuerbarkeit: Flugzeug ist voll steuerbar — Querruder, Höhen- und Seitenruder funktionieren normal.
  • Sinkrate: extrem hoch, IAS beschleunigt schnell auf Vne — Hauptgefahr.
MerkmalSpinSpiral Dive
Strömung am Tragflügelabgelöst (Stall)angelegt
Steuerbarkeitkaum/nichtvoll
IASniedrig, ~konstantsteigt rapide
Sinkratehoch, konstantsehr hoch, beschleunigend
RecoverySpin Recovery (siehe unten)Power Idle, Bank ausrollen, Pull-out vorsichtig

Spin Recovery — Standard­verfahren

Wenn keine anderen Maßnahmen im Flughandbuch des Flugzeugs vorgesehen sind, ist die Standard-Spin-Recovery (FAA-H-8083-3B, beim P-A-R-E-Mnemonic) wie folgt:

SchrittAktion
P — PowerIdle / OFF — kein Schub, der die Rotation verstärkt
A — AileronsNeutral — Querruder können den Spin verschlimmern
R — RudderGegen die Drehrichtung voll treten — die wichtigste Aktion zur Stop-Rotation
E — ElevatorNeutral halten, dann leicht nach vorn drücken ("slightly push") wenn die Drehung stoppt — Anstellwinkel reduzieren, Stall beenden

Reihenfolge wichtig: zuerst Power Idle, dann Ailerons Neutral, dann Rudder gegen Drehung, dann Elevator. Nach Stopp der Rotation: Pull-out aus dem entstandenen Sturz­flug vorsichtig, um G-Limits nicht zu überschreiten.

POH konsultieren: einige Flugzeuge (z.B. Aerobat-Versionen) haben abweichende Recovery-Verfahren — POH ist verbindlich.

Spezialfälle

  • Böig-böig (gusty crosswind): Stall-Reserve erhöhen, höhere Vapp (siehe oben).
  • Snow / nasse Bahn: Bremsung schlechter, Slip-Riss-Risiko nach Touchdown.
  • Schmale Bahn: schwieriger zu zentrieren, vorher Praxis nehmen.
Fertig gelesen?
Melde dich an, um deinen Fortschritt zu speichern.