Betriebsverfahren — FlugzeugeLektion 18 von 36
18/36Feuer, Rauch, Dämpfe

Kohlenmonoxid (CO)

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Kohlenmonoxid (CO) — schleichende Vergiftung

Kohlenmonoxid (CO) ist ein farbloses, geruchloses, geschmackloses Gas, das bei unvollständiger Verbrennung entsteht. In Leichtflugzeugen ist die häufigste Quelle ein defekter Heat-Muff am Auspuff­krümmer — Heizungsluft wird im Cockpit verbreitet.

Quelle: FAA AC 20-32B Carbon Monoxide (CO) Contamination in Aircraft — Detection and Prevention (1972, weiterhin aktiv); FAA-H-8083-25B Kap. 18.

Physiologischer Mechanismus

CO bindet an Hämoglobin im Blut mit einer Affinität 240–270× höher als Sauerstoff (Quelle: AAMA Aviation Medicine Handbook / NIOSH). Dadurch:

  • Sauerstoff­transport im Blut drastisch reduziert (auch bei normalem O₂-Partialdruck in der Lunge).
  • Carboxyhämoglobin (COHb) akkumuliert über Stunden.

COHb-Sättigungen und Symptome (Quelle: NIOSH, AsMA)

COHb-% im BlutSymptome
5–10 %Beginnende Kopfschmerzen, geringe Reduktion Reaktionszeit
10–20 %Kopfschmerz, Stirndruck, Müdigkeit
20–30 %Pochende Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Beeinträchtigung Beurteilung
30–40 %Schwere Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseinstrübung
40–50 %Verwirrung, Bewusstlosigkeit
> 50 %Lebensbedrohliche Vergiftung, Tod

Im Cockpit besonders gefährlich: Symptome ähneln Hypoxie und Müdigkeit → von Pilot oft als "Müdigkeit" abgetan.

Symptome — Reihenfolge

  1. Stirn­druck, leichter Kopfschmerz.
  2. Schwindel, Übelkeit.
  3. Verlangsamtes Denken, eingeschränkte Urteilsfähigkeit.
  4. Verwirrung, möglicher Black-out.
  5. Bewusstlosigkeit ohne Vorwarnung.

Quelle des CO im Leichtflugzeug

Heat-Muff-Heizung: Cabin Heat zieht Frischluft durch ein Rohr, das den Auspuff­krümmer ummantelt. Bei Riss/Defekt am Auspuff­krümmer können Abgase ins Heizluft-Rohr und so ins Cockpit.

Andere Quellen (selten in Aviation):

  • Defekte Triebwerks­dichtung.
  • Treibstoff­motor mit gestörter Verbrennung.

Detektion

Chemisches CO-Indikator-Patch

  • Gelb-zu-Schwarz verfärbt sich bei CO-Exposition.
  • Aufgeklebt am Instrumenten-Panel.
  • Lebensdauer typisch 1 Jahr.
  • Kostengünstig (5–15 €), stark empfohlen für jedes GA-Cockpit.

Elektronischer CO-Detektor

  • Misst CO-Konzentration in ppm.
  • Alarm bei z.B. 35 ppm oder höher.
  • Modernere Cockpits oder als Add-on EFB.

Sofort­maßnahmen bei Verdacht

  1. Cabin Heat OFF — sofort.
  2. Alle Cabin Vents auf maximaler Frischluft­zufuhr.
  3. Fenster öffnen (vorsichtig, Aerodynamik).
  4. Falls Sauerstoff­anlage: 100 % O₂ atmen — Aufhebung der CO-Bindung an Hämoglobin.
  5. Höhe reduzieren (sinken in dichtere Luft).
  6. Notlandung bei mittel- bis schwerer Symptomatik.
  7. Bordfunk: Mayday/PAN-PAN.

Erholung

  • CO-Halbwertszeit im Blut: ca. 4–6 Stunden bei normaler Atmung; ca. 1 Stunde bei 100 % O₂; ca. 20 min bei hyperbar (Druckkammer).
  • Pilot nach CO-Exposition: 24 h NICHT fliegen, ärztlich untersuchen.

Prävention

  • 100-Stunden- / Jahres-Inspektion des Heat-Muff (visuell, ggf. Druck-Test).
  • Bei Verdacht jahres­zeitlicher Heizungs-Erstinbetriebnahme: kurzer Test­flug am Boden, dann Detektor beobachten.
  • CO-Detektor an Bord — Pflicht in einigen Staaten für IFR, sonst stark empfohlen.
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