Kohlenmonoxid (CO) — schleichende Vergiftung
Kohlenmonoxid (CO) ist ein farbloses, geruchloses, geschmackloses Gas, das bei unvollständiger Verbrennung entsteht. In Leichtflugzeugen ist die häufigste Quelle ein defekter Heat-Muff am Auspuffkrümmer — Heizungsluft wird im Cockpit verbreitet.
Quelle: FAA AC 20-32B Carbon Monoxide (CO) Contamination in Aircraft — Detection and Prevention (1972, weiterhin aktiv); FAA-H-8083-25B Kap. 18.
Physiologischer Mechanismus
CO bindet an Hämoglobin im Blut mit einer Affinität 240–270× höher als Sauerstoff (Quelle: AAMA Aviation Medicine Handbook / NIOSH). Dadurch:
- Sauerstofftransport im Blut drastisch reduziert (auch bei normalem O₂-Partialdruck in der Lunge).
- Carboxyhämoglobin (COHb) akkumuliert über Stunden.
COHb-Sättigungen und Symptome (Quelle: NIOSH, AsMA)
| COHb-% im Blut | Symptome |
|---|---|
| 5–10 % | Beginnende Kopfschmerzen, geringe Reduktion Reaktionszeit |
| 10–20 % | Kopfschmerz, Stirndruck, Müdigkeit |
| 20–30 % | Pochende Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Beeinträchtigung Beurteilung |
| 30–40 % | Schwere Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseinstrübung |
| 40–50 % | Verwirrung, Bewusstlosigkeit |
| > 50 % | Lebensbedrohliche Vergiftung, Tod |
Im Cockpit besonders gefährlich: Symptome ähneln Hypoxie und Müdigkeit → von Pilot oft als "Müdigkeit" abgetan.
Symptome — Reihenfolge
- Stirndruck, leichter Kopfschmerz.
- Schwindel, Übelkeit.
- Verlangsamtes Denken, eingeschränkte Urteilsfähigkeit.
- Verwirrung, möglicher Black-out.
- Bewusstlosigkeit ohne Vorwarnung.
Quelle des CO im Leichtflugzeug
Heat-Muff-Heizung: Cabin Heat zieht Frischluft durch ein Rohr, das den Auspuffkrümmer ummantelt. Bei Riss/Defekt am Auspuffkrümmer können Abgase ins Heizluft-Rohr und so ins Cockpit.
Andere Quellen (selten in Aviation):
- Defekte Triebwerksdichtung.
- Treibstoffmotor mit gestörter Verbrennung.
Detektion
Chemisches CO-Indikator-Patch
- Gelb-zu-Schwarz verfärbt sich bei CO-Exposition.
- Aufgeklebt am Instrumenten-Panel.
- Lebensdauer typisch 1 Jahr.
- Kostengünstig (5–15 €), stark empfohlen für jedes GA-Cockpit.
Elektronischer CO-Detektor
- Misst CO-Konzentration in ppm.
- Alarm bei z.B. 35 ppm oder höher.
- Modernere Cockpits oder als Add-on EFB.
Sofortmaßnahmen bei Verdacht
- Cabin Heat OFF — sofort.
- Alle Cabin Vents auf maximaler Frischluftzufuhr.
- Fenster öffnen (vorsichtig, Aerodynamik).
- Falls Sauerstoffanlage: 100 % O₂ atmen — Aufhebung der CO-Bindung an Hämoglobin.
- Höhe reduzieren (sinken in dichtere Luft).
- Notlandung bei mittel- bis schwerer Symptomatik.
- Bordfunk: Mayday/PAN-PAN.
Erholung
- CO-Halbwertszeit im Blut: ca. 4–6 Stunden bei normaler Atmung; ca. 1 Stunde bei 100 % O₂; ca. 20 min bei hyperbar (Druckkammer).
- → Pilot nach CO-Exposition: 24 h NICHT fliegen, ärztlich untersuchen.
Prävention
- 100-Stunden- / Jahres-Inspektion des Heat-Muff (visuell, ggf. Druck-Test).
- Bei Verdacht jahreszeitlicher Heizungs-Erstinbetriebnahme: kurzer Testflug am Boden, dann Detektor beobachten.
- CO-Detektor an Bord — Pflicht in einigen Staaten für IFR, sonst stark empfohlen.