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Triebwerks- / Ansaugvereisung

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Triebwerks-Ansaug-Vereisung (Induction Icing)

Triebwerks-Ansaug-Vereisung ist die Eisbildung im Ansaugsystem eines Kolbenmotors, die den Luftstrom zum Motor blockiert und damit die Leistung reduziert oder den Motor zum Stillstand bringen kann.

Es gibt drei Hauptarten:

1. Vergaservereisung (Carburetor Icing)

Die häufigste und gefährlichste Form für PPL-Maschinen mit Vergasermotor — siehe dedizierte Lesson Vergaservereisung (Carburettor Icing).

Mechanismus:

  • Im Vergaser-Venturi sinkt der Luftdruck und die Temperatur durch Adiabatik um bis zu 30 °C.
  • Verdunstung des Kraftstoffs kühlt zusätzlich.
  • Bei feuchter Luft und Außentemperatur +5 bis +20 °C kann Wasserdampf an der Vergaser­wand kondensieren und gefrieren — auch wenn die Außenluft warm und „eisfrei" wirkt!

Gefahr: Vergasereisbildung blockiert den Luftstrom → schleichender Leistungsverlust → Motor läuft schwächer und kann ausgehen.

Erkennung:

  • Plötzlicher Leistungsabfall ohne anderen Grund,
  • Schwierigeres Anspringen nach Idle,
  • Schwankungen der Drehzahl bei Festpropeller,
  • MAP-Abfall bei Verstellpropeller (RPM konstant, aber MAP sinkt).

Gegenmaßnahme: Carb Heat — Lesson Vergaservereisung (Carburettor Icing) detailliert.

2. Drosselklappen-Vereisung (Throttle Icing)

Mechanismus:

  • Wenn die Drosselklappe teilweise geschlossen ist (Leistung unter 75 %), entsteht hinter ihr eine Strömungs-Engstelle.
  • Druck- und Temperatur­abfall an dieser Stelle führen zu Vereisung — ähnlich Vergaservereisung, aber stromabwärts der Vergaser-Venturi.

Häufigkeit: Auch bei Einspritzmotoren möglich, wenn Drosselklappe vorhanden ist (z. B. moderne Einspritzmotoren mit Drosselklappe für Idle/Cruise).

Symptome: ähnlich Vergasereisbildung.

Gegenmaßnahme: Alternate Air (siehe Punkt 4).

3. Anschlag-Vereisung (Impact Icing)

Mechanismus:

  • Schwere Niederschläge, sehr kalte feuchte Luft oder unterkühlte Wassertropfen (SLD) treffen direkt auf die Lufteinlässe (Air Intake Scoop) des Motors.
  • Eis bildet sich direkt an der Lufteinlass-Verkleidung oder am Filter.

Bedingungen:

  • Außentemperatur unter 0 °C,
  • Sichtbare Feuchte (Regen, Schnee, Wolken).

Häufigkeit: in PPL-VFR selten (Sichtfeuchte unter 0 °C bedeutet ohnehin Vereisungsgefahr → flieg nicht hinein); in IFR-Flügen relevant.

Symptome:

  • Sehr schneller Leistungsabfall,
  • MAP-Abfall plötzlich.

Gegenmaßnahme: Alternate Air öffnen, Vereisungs­zone verlassen.

4. Alternate Air vs Carb Heat

Carb Heat (Vergaser-Vorwärmung):

  • Bei Vergasermotor: leitet heiße Auspuff-Luft durch den Vergaser-Venturi.
  • Bekämpft Vergaservereisung und Drosselklappen-Vereisung im Vergaser.

Alternate Air (Alternative Lufteinlass):

  • Bei Einspritzmotor: öffnet eine Bypass-Klappe in der Motorhaube, die ungefilterte, warme Innenraum-Luft anstelle der Außenluft ansaugt.
  • Bekämpft Anschlag-Vereisung (Impact Icing) und vereisten Luftfilter.
  • Bei manchen Mustern automatisch (mit Membran), bei anderen manuell vom Piloten zu aktivieren.

Wichtig: Beide Systeme reduzieren die Motorleistung (warme Luft = weniger Sauerstoff = weniger Verbrennung) — daher nur bei Bedarf oder im Pre-Flight-Test einschalten.

Filter-Vereisung

In manchen Flugzeugen (z. B. PA-28, Cessna 172):

  • Lufteinlass-Filter im Vorraum des Vergasers/Drosselklappe.
  • Filter kann durch Eis-/Schnee-Anhaftung verstopfen.
  • Symptom: abrupter MAP-Abfall ohne andere Erklärung.
  • Gegenmaßnahme: Alternate Air (umgeht den Filter).

Prävention im Flug

  1. Carb Heat regelmäßig prüfen in Vereisungs-anfälligen Bereichen (siehe Carb-Ice-Lesson für Diagramm der Anfälligkeits-Zone).
  2. Wetter-Briefing auf SIGMET „SEV ICE" oder „MOD ICE" achten — Vereisungs-Bedingungen vermeiden.
  3. Bei feuchten Bedingungen mit OAT 0 bis +25 °C: regelmäßig Carb Heat aktivieren, auch wenn keine Symptome.
  4. Mindesthöhe über Wolken halten bei kalter Luft.

Praktische Faustregeln

„Wenn der Motor stotterte und du im Wolken-Bereich warst" → Vergaservereisung oder Anschlag-Vereisung. Carb Heat oder Alternate Air sofort.

„Wenn die MAP unerklärlich sinkt" → Filter-Verlegung oder Eis im Lufteinlass. Alternate Air.

„Bei OAT zwischen +5 und +15 °C in feuchter Luft" → höchstes Carb-Ice-Risiko! Regel­mäßig Carb Heat einsetzen.

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