MeteorologieLektion 6 von 48
06/48Die Atmosphäre

Dichte und Temperatur

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Luftdichte und Temperatur

Die Luftdichte (ρ) ist die Masse Luft pro Volumen. Sie ist eine Schlüssel­größe für die Aerodynamik (Auftrieb, Schub, Widerstand).

Quelle: ICAO Doc 7488 ISA; WMO; FAA-H-8083-25B.

Faktoren, die die Luftdichte beeinflussen

Die Luftdichte hängt hauptsächlich von Lufttemperatur und Luftdruck ab. Sie nimmt zu, wenn der Luftdruck steigt und die Lufttemperatur abnimmt ("air density mainly depends on air temperature and air pressure. It increases when air pressure increases and air temperature decreases"):

FaktorWirkung auf Dichte
Höherer DruckDichte ↑
Niedrigere TemperaturDichte ↑
Niedrigerer Druck (z.B. höhere Höhe)Dichte ↓
Höhere TemperaturDichte ↓
Höhere LuftfeuchteDichte ↓ (Wassermoleküle leichter als N₂/O₂)

Luftfeuchte und Dichte — Detail

Wenn der atmosphärische Druck und die Temperatur konstant bleiben, aber die relative Luftfeuchte steigt, nimmt die Luftdichte ab ("when atmospheric pressure and temperature remains constant, but the relative humidity increases, air density decreases"):

  • Wasser­moleküle (H₂O, Molekül­masse 18) sind leichter als Stickstoff (N₂, 28) oder Sauerstoff (O₂, 32).
  • Bei gleicher Anzahl von Molekülen pro Volumen (gleicher Druck und T) ersetzt Wasserdampf schwerere Gase → Dichte sinkt.
  • Konsequenz: feuchte heiße Luft = niedrigste Dichte = schlechteste Aircraft-Performance.

Dichtehöhe (Density Altitude, DA)

Die Dichtehöhe ist die ISA-Höhe, bei der die ISA-Dichte der tatsächlichen Dichte entspricht. Sie kombiniert die Wirkungen von Druck und Temperatur in einer einzigen Größe für Performance-Berechnungen:

  • DA = Pressure Altitude + Temperatur-Korrektur.
  • Faustregel: DA ≈ Pressure Altitude + 120 × (OAT − ISA-Temperatur am PA) [ft].
  • Beispiel: PA 3000 ft, OAT 25 °C (ISA-T bei 3000 ft = 9 °C), Differenz +16 °C → DA = 3000 + 120 × 16 = 4920 ft.

→ Auf einem heißen Tag in einer Höhe von 3000 ft "fühlt" sich das Flugzeug wie auf 5000 ft.

Warum ist Dichtehöhe für PPL wichtig?

  • Take-off-Strecke: steigt mit DA → bei hoher DA längere Bahn.
  • Steigleistung: sinkt mit DA → schlechtere Climb-Performance.
  • Cruise-TAS: steigt mit DA (bei gleichem IAS) — etwas positiv.
  • Engine-Leistung: sinkt mit DA (geringere Luftdichte = weniger O₂ = weniger Verbrennungs­leistung).

→ Pilot rechnet vor jedem Flug DA und vergleicht Performance gegen verfügbare Bahn.

Tagesgang der Temperatur

Die Energie- und Strahlungsbilanz der Erdoberfläche ist auch die Ursache für den Tagesgang der Lufttemperatur in den bodennahen Luftschichten ("the energy and radiation balance of the surface of the Earth is also the cause for the diurnal variation of air temperature in the layers of air close to the ground"):

  • Tagsüber: Boden absorbiert Sonnenstrahlung → erwärmt sich → erwärmt die untere Luft → T steigt.
  • Nachts: Boden strahlt Wärme als IR ab → kühlt sich → kühlt die untere Luft → T fällt.

Strahlungs-Bilanz

Am Abend, in der Nacht und am frühen Morgen unmittelbar nach Sonnen­aufgang ist die Strahlungs­bilanz der Erdoberfläche negativ, mit dem Effekt, dass sie sich abkühlt ("in the evening, at night and in the early morning just after sunrise the radiation balance of the surface of the Earth is negative, with the effect that it cools"):

  • Eingehende Sonnenstrahlung = 0 (Nacht) oder gering (Morgen).
  • Ausgehende IR-Abstrahlung > eingehende → Netto-Verlust → Abkühlung.
  • Folge: Boden-Inversion am Morgen, Radiations­nebel bei kalmen Bedingungen.

Strahlungs­prozesse beeinflussen die Temperatur der bodennahen Luftschichten zu allen Tages- und Nachtzeiten ("radiation processes affect the temperature of layers of air close to the ground at all times of the day and night").

Aufheizung der unteren Luftschichten

Die Aufheizung der unteren Luftschichten erfolgt hauptsächlich durch Aufstieg (Konvektion) der direkt am Boden erwärmten Luft ("heating of the lower layers of air mainly happens by ascent (convection) of air heated directly at the surface"):

  • Die Luft wird NICHT direkt durch Sonnen­strahlung erwärmt (Luft ist transparent für sichtbares Licht).
  • Stattdessen: Boden wird erwärmt → Bodenkontakt­luft wird leitend erwärmt → Konvektion bringt warme Luft nach oben.

Advektion vs. Konvektion

  • Konvektion: vertikale Bewegung von Luft (Aufstieg warmer / Absinken kalter Luft).
  • Advektion: horizontale Bewegung von Luft. Advektions­prozesse können eine Veränderung von Temperatur und Feuchtigkeit verursachen, ohne vertikale Bewegung der Luft ("advection processes can cause a change of temperature and moisture without vertical movement of air").
  • Advektions­prozesse in der Atmosphäre können in allen Höhen auftreten ("advection processes in the atmosphere can occur at all heights").

Beispiel Advektion: Die Zufuhr von milder Ozeanluft aus dem Atlantik nach Mitteleuropa im Winter mit westlichen Winden ist ein Advektions­prozess ("an advection process is, for example, the supply of mild ocean air from the Atlantic ocean to Central Europe in winter with westerly winds").

Neben der Strahlung verursachen auch Advektions­prozesse — bei denen Luftmassen horizontal transportiert werden — Temperatur­änderungen in der Atmosphäre durch Heran­führen von wärmerer oder kälterer Luft in eine Region ("besides radiation, advection processes—where air masses are transported horizontally—cause temperature changes in the atmosphere by bringing warmer or colder air to a region").

Die Zufuhr wärmerer Luft in einer bestimmten Atmosphärenschicht wird Warmluftadvektion genannt ("the supply of warmer air in a certain atmospheric layer is called warm air advection").

Guide to Meteorological Instruments and Methods of Observation*; FAA-H-8083-25B PHAK Kap. 12.*

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