Sekundäreffekte der Steuerung
Wenn eine Primärsteuerung betätigt wird, treten unerwünschte oder zusätzliche Wirkungen auf. Diese Sekundäreffekte muss der Pilot kennen und kompensieren.
Querruder (Aileron) — Sekundäreffekte
Adverse Yaw
- Hauptsekundäreffekt (siehe separate Lesson).
- Ursache: ungleicher Drag links/rechts beim Aileron-Ausschlag.
- Resultat: Yaw entgegen der Roll-Richtung.
- Kompensation: Rudder in Roll-Richtung.
Roll-Sekundäreffekt durch Bank
- Bank → Lift-Vektor neigt → Slip nach unten → Lift-Komponente entgegen Schwerkraft sinkt → Höhenverlust.
- Kompensation: Pitch-Up (Yoke leicht zurück) während Kurve.
Höhenruder (Elevator) — Sekundäreffekte
Speed-Änderung
- Pitch-Up → α steigt → CL steigt → mehr induced Drag → Speed sinkt.
- Pitch-Down → α sinkt → CD sinkt → Speed steigt.
- Mantra: "Pitch for Speed, Power for Altitude" (im Steigflug-Sinkflug-Anflug).
Bank-Wirkung in Kurve
- Pitch-Up in Kurve: Lift steigt → vertikale Komponente erhält Höhe, aber horizontale Komponente (zentripetal) steigt auch → Kurve wird enger (Wendegeschwindigkeit steigt, Radius sinkt).
- Wichtig bei steilen Kurven (>30° Bank).
Seitenruder (Rudder) — Sekundäreffekte
Roll durch Dihedral
- Yaw induziert Sideslip.
- Sideslip induziert über Dihedral (siehe Lesson "Querstabilität") ein Roll-Moment.
- Resultat: Rudder allein erzeugt Roll im gleichen Sinn (linkes Pedal → leichte Roll links).
- Stärke: abhängig von Dihedral und Wing-Position.
- Bei Trainern wie PA-28 (Dihedral 5°): deutlich spürbar.
Pitch-Wirkung
- Geringfügig: Rudder erzeugt etwas Lift seitlich am Heck → Pitching-Moment.
- In normaler GA praktisch vernachlässigbar.
Speed-Verlust durch Rudder
- Hoher Rudder-Ausschlag: erzeugt zusätzlichen Drag → Speed sinkt.
- Vermeiden bei Cruise.
Wenn beide Steuerorgane gleichzeitig genutzt werden
Coordinated Turn
Aileron + Rudder gleichzeitig:
- Aileron initiiert Roll.
- Rudder kompensiert Adverse Yaw.
- Elevator hält Höhe.
- Ball im Slip-Indicator: zentriert.
Slip
Aileron + entgegengesetztes Rudder:
- Mehr Aileron als für Bank nötig.
- Rudder hindert Yaw → Flugzeug fliegt schräg (Nase nicht in Bewegungsrichtung).
- Ball weicht nach der Bank-Seite (Aileron-Seite).
- Verwendung: Crosswind-Landing (siehe Subject 070), schnelles Sinken ohne Speed-Zuwachs.
Skid
Mehr Rudder als für koordinierten Turn:
- Flugzeug "gleitet" außerhalb der Kurvenrichtung.
- Ball weicht entgegen der Bank-Seite.
- Sehr gefährlich: kann zu Stall-Spin führen.
- Typischer Unfall: Base-to-Final-Approach mit Skidding Turn → unkoordinierter Stall → Spin.
Operative Konsequenzen
Mantra im Anflug
- Auf Coordinated Flight achten: Ball mittig.
- Adverse Yaw kompensieren: Rudder mit Aileron koordinieren.
- Skids vermeiden: zu viel Rudder kann tödlich enden bei niedriger Speed.
Mantra im Reiseflug
- Kleine Inputs: weniger Sekundäreffekt-Kompensation nötig.
- Trim setzen: Flugzeug fliegt fast von allein.
Übungen für Sekundäreffekt-Awareness
- Aileron-Only: Flugzeug in Bank ohne Rudder rollen — Adverse Yaw spüren.
- Rudder-Only: Pedale ohne Yoke — Roll durch Dihedral spüren.
- Coordinated Turns: 30°/45° Bank mit Ball-Mitte.
- Slip/Skid-Demo: bewusst Slip oder Skid einleiten und Effekt fühlen.
Diese Übungen sind Standard im PPL-Skill-Test (FCL.235).