Grundlagen des Fluges — FlugzeugeLektion 28 von 40
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Sekundäreffekte

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Sekundäreffekte der Steuerung

Wenn eine Primärsteuerung betätigt wird, treten unerwünschte oder zusätzliche Wirkungen auf. Diese Sekundäreffekte muss der Pilot kennen und kompensieren.

Querruder (Aileron) — Sekundäreffekte

Adverse Yaw

  • Hauptsekundäreffekt (siehe separate Lesson).
  • Ursache: ungleicher Drag links/rechts beim Aileron-Ausschlag.
  • Resultat: Yaw entgegen der Roll-Richtung.
  • Kompensation: Rudder in Roll-Richtung.

Roll-Sekundäreffekt durch Bank

  • Bank → Lift-Vektor neigt → Slip nach unten → Lift-Komponente entgegen Schwerkraft sinkt → Höhenverlust.
  • Kompensation: Pitch-Up (Yoke leicht zurück) während Kurve.

Höhenruder (Elevator) — Sekundäreffekte

Speed-Änderung

  • Pitch-Up → α steigt → CL steigt → mehr induced Drag → Speed sinkt.
  • Pitch-Down → α sinkt → CD sinkt → Speed steigt.
  • Mantra: "Pitch for Speed, Power for Altitude" (im Steigflug-Sinkflug-Anflug).

Bank-Wirkung in Kurve

  • Pitch-Up in Kurve: Lift steigt → vertikale Komponente erhält Höhe, aber horizontale Komponente (zentripetal) steigt auch → Kurve wird enger (Wendegeschwindigkeit steigt, Radius sinkt).
  • Wichtig bei steilen Kurven (>30° Bank).

Seitenruder (Rudder) — Sekundäreffekte

Roll durch Dihedral

  • Yaw induziert Sideslip.
  • Sideslip induziert über Dihedral (siehe Lesson "Querstabilität") ein Roll-Moment.
  • Resultat: Rudder allein erzeugt Roll im gleichen Sinn (linkes Pedal → leichte Roll links).
  • Stärke: abhängig von Dihedral und Wing-Position.
  • Bei Trainern wie PA-28 (Dihedral 5°): deutlich spürbar.

Pitch-Wirkung

  • Geringfügig: Rudder erzeugt etwas Lift seitlich am Heck → Pitching-Moment.
  • In normaler GA praktisch vernachlässigbar.

Speed-Verlust durch Rudder

  • Hoher Rudder-Ausschlag: erzeugt zusätzlichen Drag → Speed sinkt.
  • Vermeiden bei Cruise.

Wenn beide Steuerorgane gleichzeitig genutzt werden

Coordinated Turn

Aileron + Rudder gleichzeitig:

  • Aileron initiiert Roll.
  • Rudder kompensiert Adverse Yaw.
  • Elevator hält Höhe.
  • Ball im Slip-Indicator: zentriert.

Slip

Aileron + entgegengesetztes Rudder:

  • Mehr Aileron als für Bank nötig.
  • Rudder hindert Yaw → Flugzeug fliegt schräg (Nase nicht in Bewegungsrichtung).
  • Ball weicht nach der Bank-Seite (Aileron-Seite).
  • Verwendung: Crosswind-Landing (siehe Subject 070), schnelles Sinken ohne Speed-Zuwachs.

Skid

Mehr Rudder als für koordinierten Turn:

  • Flugzeug "gleitet" außerhalb der Kurvenrichtung.
  • Ball weicht entgegen der Bank-Seite.
  • Sehr gefährlich: kann zu Stall-Spin führen.
  • Typischer Unfall: Base-to-Final-Approach mit Skidding Turn → unkoordinierter Stall → Spin.

Operative Konsequenzen

Mantra im Anflug

  • Auf Coordinated Flight achten: Ball mittig.
  • Adverse Yaw kompensieren: Rudder mit Aileron koordinieren.
  • Skids vermeiden: zu viel Rudder kann tödlich enden bei niedriger Speed.

Mantra im Reiseflug

  • Kleine Inputs: weniger Sekundäreffekt-Kompensation nötig.
  • Trim setzen: Flugzeug fliegt fast von allein.

Übungen für Sekundäreffekt-Awareness

  1. Aileron-Only: Flugzeug in Bank ohne Rudder rollen — Adverse Yaw spüren.
  2. Rudder-Only: Pedale ohne Yoke — Roll durch Dihedral spüren.
  3. Coordinated Turns: 30°/45° Bank mit Ball-Mitte.
  4. Slip/Skid-Demo: bewusst Slip oder Skid einleiten und Effekt fühlen.

Diese Übungen sind Standard im PPL-Skill-Test (FCL.235).

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