VDF — VHF Direction Finding und Homing
VDF (VHF Direction Finding) ist eine bodenbasierte Peilanlage, die die Richtung eines im VHF-Bereich sendenden Flugzeugs zur Stelle ermittelt und dem Pilot per Funk übermittelt. Es ist die einfachste Form der Funknavigation und an vielen unkontrollierten Flugplätzen verfügbar.
Quelle: ICAO Annex 10 Volume I, Kapitel 3 Direction Finders; ICAO Doc 4444 PANS-ATM, Kapitel 8 DF Services.
Funktionsprinzip
- Bodenstation (VDF) hat eine Richtantennen-Anordnung und ermittelt aus dem Pilot-Funksignal die Einfallsrichtung.
- Bodenstation übermittelt dem Pilot eine Peilung per Funk — typisch das QDM (magnetische Peilung zum Sender).
- Der VDF (VHF Direction Finding) Direction-Finder arbeitet im VHF-Bereich ("the VDF (VHF Direction Finding) direction finder operates in the VHF range") — typisch auf der COM-Frequenz des Flugplatzes.
VDF im täglichen Cockpit
An Bord des Flugzeugs gibt es kein dediziertes VDF-Gerät — Pilot:
- Sendet ein VHF-Funksignal auf der Frequenz der Boden-DF-Station.
- Erhält per Funk eine Peilung ("Your QDM is 270°") zurück.
- Steuert nach der erhaltenen Peilung.
QDM only — INFO-Service
Aviation Supervision Office (Luftaufsichtsstelle) oder Flugleitung an unkontrollierten Flugplätzen mit Callsign "INFO" und VHF Direction Finding stellen auf Anfrage NUR QDM zur Verfügung ("aviation supervision office (Luftaufsichtsstelle) or aerodrome operations office (Flugleitung) on uncontrolled aerodromes (callsign INFO) equipped with VHF direction finding provide upon request QDM only"):
- AFIS/INFO darf typisch nur das QDM (magnetische Peilung zum Sender) übermitteln.
- Nicht QTE, QDR oder QUJ.
- Pilot bekommt z.B.: "DEMRA, your QDM is 270°, request next QDM in 30 seconds".
Anflug an einen Platz mit VDF-Approach
Bei einem VDF-Anflug auf einen Flugplatz muss beachtet werden, dass der Anflug immer in Richtung des Direction Finders erfolgt ("during a VDF approach to an airport, it has to be observed that the approach is always conducted towards the direction finder, which can also be located with an offset from the runway"):
- Der DF-Sender liegt häufig nicht genau auf der Pisten-Mittellinie, sondern leicht versetzt.
- Pilot fliegt zum DF, nicht zur Pistenschwelle — visuelle Korrektur erforderlich.
Verhalten des QDM während des Anflugs
Das QDM bei einem VDF-Anflug (inbound) nimmt ab — Pilot muss kleiner steuern ("the QDM during a VDF approach (inbound) decreases, you have to steer smaller"):
- Wenn der Pilot bei z.B. QDM = 280° auf das Flugzeug zu steuert (Heading 280°), und der QDM beim nächsten Funkruf auf 275° fällt, muss der Pilot Heading reduzieren auf 275° — die Korrektur kompensiert Winddrift.
- Allgemein: bei Annäherung an die Station nimmt die Empfindlichkeit auf Winddrift zu → kleinere Heading-Korrekturen nötig.
Homing
Homing beschreibt den Anflug zu einer Peilstation, ohne den Wind zu berücksichtigen ("the term 'homing' describes the approach to a bearing station without accounting for wind"). Der Pilot fliegt einfach "in die Nadel" (flying "into the needle"):
- Pilot empfängt eine Peilung (z.B. QDM 270°) und steuert direkt diesen Heading.
- Bei Wind kommt das Flugzeug nicht auf der direkten Linie zur Station, sondern auf einer gekrümmten Bahn (Lee-Drift).
- Anwendung: einfache, schnelle Methode bei guten Bedingungen und kurzer Distanz.
Constant Bearing — kürzeste Route
Das Fliegen einer konstanten Peilung führt das Flugzeug u.a. auf der kürzest möglichen Route zur Station ("flying a constant bearing, amongst others, leads the aircraft to the station on the shortest possible route"):
- Pilot korrigiert das Heading laufend so, dass die Peilung zur Station konstant bleibt (= Wind-Korrektur).
- Resultat: Flugzeug fliegt auf einer geraden Linie über Grund zur Station — minimale Distanz.
- Im Gegensatz zum Homing (ohne Wind-Korrektur), das eine gekrümmte Bahn ergibt.
Vergleich VDF mit anderen Verfahren
| Verfahren | Genauigkeit | Verfügbarkeit | Bord-Equipment |
|---|---|---|---|
| VDF | ±5-10° | viele unkontrollierte Plätze (INFO) | nur VHF-Funk |
| NDB/ADF | ±5-10° | abnehmend | ADF erforderlich |
| VOR | ±2° | weit verbreitet | VOR-Receiver |
| GNSS | < 100 m | weltweit | GPS/SBAS-Receiver |
Klassifikation der DF-Genauigkeit (ICAO Doc 4444)
DF-Stationen werden in Genauigkeits-Klassen unterteilt:
- Klasse A: ±2° (sehr selten)
- Klasse B: ±5°
- Klasse C: ±10°
- Klasse D: > 10°
VDF an unkontrollierten Plätzen entspricht typisch Klasse B oder C.
Verfügbarkeit in Deutschland
- Viele Flugplatz-Towers (TWR) und AFIS/INFO-Stellen in Deutschland sind mit VDF ausgestattet.
- VDF-Service ist im AIP Deutschland ENR sowie auf VAC-Karten der einzelnen Flugplätze vermerkt.
- Pilot kann VDF jederzeit per Funkruf anfordern: "Munich Tower, DEMRA, request QDM".
Praktische Anwendung
- Orientierungsverlust: Pilot nicht sicher, wo er ist → VDF anfordern.
- Anflug bei reduzierter Sicht (innerhalb VFR-Mindestbedingungen): VDF gibt grobe Peilung zum Platz.
- Notfall (Lost, niedriger Sprit): VDF zur Hilfe-Anforderung.