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GNSS in der VFR-Praxis

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GNSS in der VFR-Praxis

GNSS (insb. GPS) hat die VFR-Navigation revolutioniert — Moving-Map-Apps auf Tablets sind heute Standard. Aber: Pilotage und DR bleiben Pflicht­fundament. Diese Lesson behandelt die praktische Nutzung und Fallstricke.

Moving-Map-Apps und EFB

EFB (Electronic Flight Bag): Tablet- oder Smartphone-basierter Flug­assistent.

Verbreitete VFR-Apps:

  • SkyDemon (UK/EU, sehr beliebt in Europa, ICAO 1
    integriert)
  • ForeFlight (USA, weit verbreitet)
  • Garmin Pilot (USA, gut integriert mit Garmin-Hardware)
  • EasyVFR (NL, Mitteleuropa)
  • Air Navigation Pro
  • AvPlan (Australien)

Funktionen:

  • Moving Map mit Eigenposition.
  • Routenplanung mit Wetter, NOTAMs, Lufträumen.
  • METAR/TAF-Integration.
  • Wind- und Performance-Berechnung.
  • Logbook.
  • Manche mit ADS-B-Out/In (Verkehrserkennung).

Vorteile für VFR

  • Reduzierte Workload — keine Plotter-Messung im Flug.
  • Echtzeit-Position — keine 1-in-60-Berechnung nötig (aber: verstehen muss man sie trotzdem).
  • Sofortige NOTAM/Wetter-Updates über Internet/4G.
  • Traffic Display über ADS-B → Situational Awareness.

Goldene Regel — GNSS ersetzt nicht konventionelle Navigation

Beim Einsatz von GNSS, besonders im VFR-Flug, muss beachtet werden:

  • Ein umfassender Flugplan ist trotzdem erforderlich (PLOG, Pilotage, DR).
  • GNSS dient ausschließlich zur Unterstützung und Überwachung der konventionellen terrestrischen Navigation ("GNSS exclusively serves to support and monitor conventional terrestrial navigation").
  • GNSS kann die obligatorischen ausreichenden VFR-Sichtflug-Wetterbedingungen nicht ersetzen ("GNSS cannot replace the obligatory sufficient visual flight weather conditions") — Sicht und Wolken­basis-Minima müssen jederzeit eingehalten werden, auch mit perfektem GPS.

Resultat: GPS ist Hilfsmittel, nicht Ersatz. Pilot muss VFR-Mindest­wetter beobachten, Pilotage durchführen können und einen vollständigen PLOG vorhalten.

Risiken und Limitierungen — GPS-Verlust

Was passiert, wenn GPS ausfällt?

  • Akkumuliertes Wissen weg — keine Heading-/GS-Anzeige mehr.
  • Pilotage übernehmen: ICAO-Papierkarte und Plog am Knie.
  • Letzten bestätigten Wegpunkt als Ausgangspunkt nehmen, DR fortsetzen.

Ursachen für GPS-Verlust:

  • Empfänger-Defekt oder Stromausfall am Tablet.
  • Jamming: militärische Übungen (NOTAM!), Konfliktzonen.
  • Spoofing: gefälschte Signale — selten, aber zunehmend.
  • Solar-Sturm: ionosphärische Störungen.
  • Multipath / Maskierung: tief in Tälern, dicht im Wald, Tunnel.
  • Signal-Abschattung durch Flugzeugteile (siehe Lesson "GNSS Grundlagen").

Kurskreisel — vor Take-off einstellen

Eine wichtige Pre-Take-off-Aktion: der Kurskreisel (Directional Gyro, DG) wird vor dem Take-off mit Bezug auf die publizierte magnetische Bahn-Richtung korrekt eingestellt ("the directional gyroscope is correctly set before take-off with reference to the published magnetic direction of the runway"):

  • Pilot positioniert das Flugzeug auf der Bahn (auf der Schwelle oder am Holdingpoint).
  • Stellt den DG-Drehknopf so ein, dass die DG-Anzeige der publizierten magnetischen Bahn-Richtung (RWY-Heading aus der VAC-Karte) entspricht.
  • Beispiel: Bahn 27 → magnetische Richtung 270° → DG auf 270° eingestellt.
  • Damit ist die initiale Synchronisation mit dem Magnetkompass vor dem Flug abgeschlossen.

Nur Avionik nach Engine Start einschalten

Schalten Sie Navigations-Geräte nur nach dem Engine Start ein, um Schäden durch Spannungs­spitzen zu vermeiden ("only switch on navigation equipment after engine start to prevent damage from voltage spikes"):

  • Beim Engine Start zieht der Starter starken Strom → Bus-Spannung kann kurz einbrechen.
  • Empfindliche Avionik (GPS, Funk) kann durch diese Spitze beschädigt werden.
  • Avionics Master OFF beim Start, dann nach Stabilisierung der Bord­spannung einschalten.

Goldene Regeln der GNSS-Nutzung

  1. Niemals einzige Navigationsquelle — Papierkarte und Plog immer dabei.
  2. Vor Flug Karte studieren — auch wenn EFB alles weiß, Pilot muss die Strecke selbst kennen.
  3. Backup-Power: zweites Tablet, Powerbank, fest verbauter GPS-Empfänger.
  4. Mentaler Track mit Pilotage parallel zu GPS — wenn GPS und Sicht widersprechen, sofort prüfen.
  5. Vor Flug NOTAMs auf GPS-Jamming prüfen — Mitteleuropa und Mediterran ist seit 2022 verstärkt betroffen.
  6. Avionik erst nach Engine Start.
  7. DG synchron mit Bahn-Richtung vor Take-off.

Datenbank-Aktualität

Wichtig: GPS-Datenbank im Cockpit muss aktuell sein!

  • AIRAC-Cycle: 28 Tage. Aktuelles Cycle aus AIP herauslesen.
  • Outdated Database kann zu veralteten Wegpunkten, Lufträumen, Anflug-Verfahren führen.
  • Für IFR-Flug gesetzlich Pflicht (EU 965/2012, NCO.IDE.A.190).
  • Für VFR-Flug stark empfohlen.

ADS-B in der VFR-Praxis

ADS-B Out: Flugzeug sendet eigene Position, Höhe, Geschwindigkeit. ADS-B In: empfängt Position anderer ADS-B-Out-Flugzeuge.

Vorteil ADS-B In für VFR: Sicht-Konflikt­erkennung auch bei VMC — sieht andere ADS-B-Out-Flugzeuge auf der Karte vor dem Sichtkontakt.

Empfehlungen für PPL-Schulung

  • Erste 10 Streckenflüge OHNE GPS (nur DR + Pilotage) → Fundament.
  • Danach GPS als Ergänzung einführen, nicht als Ersatz.
  • Regelmäßig GPS bewusst ausschalten in der Schulung — Anti-Sucht-Übung.
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