MeteorologieLektion 9 von 48
09/48Wind

Buys-Ballot'sche Regel

Lesezeit ca. 3 min·
de
Sprache wechseln (EN)

Die Buys-Ballot'sche Regel

Die Buys-Ballot'sche Regel ist eine einfache Faustregel der Meteorologie, mit der ein Pilot oder Beobachter aus der Windrichtung die Lage von Hoch- und Tiefdruckgebieten abschätzen kann.

Benannt nach: Christophorus Henricus Diedericus Buys Ballot (1817–1890), niederländischer Meteorologe, formuliert 1857.

Die Regel — Nordhalbkugel

„Stelle dich mit dem Rücken zum Wind. Dann liegt das Tief auf der linken Seite, das Hoch auf der rechten Seite."

Anders ausgedrückt:

  • Wind bläst gegen die Wand des Tiefdruckgebiets (Wind weht um das Tief gegen den Uhrzeigersinn).
  • Der Tiefdruck-Kern liegt 90° links der Windrichtung.

Die Regel — Südhalbkugel

„Stelle dich mit dem Rücken zum Wind. Dann liegt das Tief auf der rechten Seite, das Hoch auf der linken Seite."

Auf der Südhalbkugel ist die Coriolis-Kraft umgekehrt; daher die Spiegelung der Regel.

Wissenschaftliche Grundlage

Die Regel ist eine direkte Folge des Geostrophischen Gleichgewichts (siehe Geostrophischer Wind-Lesson):

  • Luft strömt von hohem zu niedrigem Druck (Druckgradient­kraft).
  • Auf der Nordhalbkugel lenkt die Coriolis-Kraft die Bewegung nach rechts ab.
  • Im Gleichgewicht weht der Wind parallel zu den Isobaren, mit dem Tief auf der linken Seite.

In Bodennähe ist das Gleichgewicht durch Reibung gestört, sodass der Wind etwas zum Tief hin „eindreht" (10–30°). Die Buys-Ballot-Regel gilt dennoch näherungsweise.

Anwendung in der Praxis

Schiff- und Flugnavigation

Historisch wichtig für Schiffsführer (vor METAR-Verfügbarkeit), um die Position relativ zu einem Sturmsystem einzuschätzen — auch heute noch ein didaktisches Konzept.

Flugplanung

Beispiel — Flug nach Osten:

  • Wind aus 270° (West) → mit dem Rücken zum Wind = Blick nach Osten.
  • Links (Nord) = Tiefdruck.
  • Rechts (Süd) = Hochdruck.

Konsequenz:

  • Möchte ich Headwind vermeiden? Eine südliche Route über Hochdruck bringt eher leichten Wind, eine nördliche Route über Tiefdruck bringt stärkere Winde und Frontensystem.

Wetter-Vorhersage am Boden

Beispiel in Deutschland an einem typischen Tag:

  • Wind aus Süd-West (220°) → mit Rücken zum Wind = Blick nach Nord-Ost.
  • Links (Nord-West) = Tiefdruck — Front kommt nahe von West.
  • Rechts (Süd-Ost) = Hochdruck.

Konsequenz: Wetter wird sich verschlechtern (Front zieht durch); nach Frontdurchgang verbessert sich das Wetter.

Einschränkungen

  1. Bodenwind weicht von der Buys-Ballot-Regel ab wegen Reibung — er weht ca. 30° in Richtung Tief, statt 90°. In 2 000 ft AGL wieder genauer.

  2. Sehr kleine Druckunterschiede (sehr flache Druckgradiente) erzeugen schwachen Wind, der von lokalen Effekten (Hitzeunterschiede, Berge) dominiert wird.

  3. Im Gebirge wird die Regel durch Tal- und Föhn­winde durchbrochen.

  4. An der Coriolis-Null-Linie (Äquator) gilt die Regel nicht.

Praktische Memo-Aufgabe für PPL

Aufgabe: Du fliegst nach Westen (270°). Der Wind kommt aus 350° mit 20 kt. Wo liegt das Tief?

Lösung:

  • Rücken zum Wind: stehe so, dass der Wind dir in den Rücken bläst → du schaust nach 170° (Süd-Süd-Ost).
  • Links (Ost) = Tief.
  • Rechts (West) = Hoch.

Konsequenz für deinen Westflug:

  • Du fliegst nach Westen (270°) → das Hoch liegt voraus → tendenziell besseres Wetter.
  • Das Tief liegt im Osten (hinter dir und seitlich) → wahrscheinlich Frontwetter dort.

Buys-Ballot bei einer Drehung des Windes

Wind dreht von SW auf NW (Drehung nach rechts, „veering"):

  • Tief zieht durch → nach Drehung typisch Sicht­besserung, kühlere Luft, Schauerwetter.
  • Klassisches Bild eines Kaltfront­durchgangs.

Wind dreht von NW auf SW (Drehung nach links, „backing"):

  • Tief nähert sich → Warmfront im Anflug.
  • Sicht verschlechtert sich, Wolken sinken.

Konsistenz mit Coriolis und globalen Strömungen

Die Buys-Ballot-Regel ist die direkte Konsequenz der globalen Westwind-Drift in den mittleren Breiten:

  • Nordhalbkugel: Tiefdruckgebiete ziehen von West nach Ost, mit polarer Luft nördlich (Tief = links für nach Osten gehende Beobachter).
Fertig gelesen?
Melde dich an, um deinen Fortschritt zu speichern.