Menschliches LeistungsvermögenLektion 19 von 38
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Bewegungskrankheit (Motion Sickness)

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Bewegungskrankheit (Motion Sickness, Reisekrankheit) entsteht durch einen Konflikt zwischen visuellen, vestibulären und propriozeptiven Sinneseindrücken, den das Gehirn nicht auflösen kann.

Symptome

  • Übelkeit, Erbrechen
  • Blässe, Kaltschweißigkeit
  • Schwindel, Kopfschmerz
  • Apathie, reduzierte Leistungsfähigkeit
  • In schweren Fällen: Steuerunfähigkeit

Häufige Auslöser im Flug

SituationMechanismus
Turbulenzunregelmäßige vertikale/laterale Beschleunigungen
Steile Kurven, Kunstflugstarke g-Wechsel
Lesen / Kartenarbeit ohne Außenbezugvisueller-vestibulärer Konflikt
Hitze, schlechte Belüftungbegünstigt Übelkeit
Schwere Mahlzeit vor dem Flugerhöht Empfindlichkeit
Hungergleichermaßen ungünstig
Müdigkeit / Stresserhöht Empfindlichkeit
Angst, fehlende Motivationerhöht Wahrscheinlichkeit von Airsickness (gilt für Pilot UND Pax)

Pilot-Maßnahmen

MaßnahmeWirkung
Auf den Horizont schauenVisuelle Eindrücke mit den vestibulären synchronisieren
Sanfte SteuereingabenReduzierte Beschleunigungen
Frischluft / BelüftungReduzierte Übelkeit
Mahlzeiten 1–2 h vor dem FlugMäßig essen, leicht verdaulich, keine fette/scharfe Nahrung
HydratationWasser, kein Alkohol, wenig Kaffee
Kopf ruhig haltenVermeidet Coriolis

Flicker Vertigo (Flackerschwindel)

Flicker Vertigo ist eine spezielle Form vestibulär-visueller Irritation durch regelmäßige Lichtblitze mit Frequenzen typischerweise 4–20 Hz.

Auslöser im Cockpit

  • Anti-Collision-Strobe-Lichter beim Eintritt in Wolken oder Nebel: das eigene Stroboskop spiegelt sich an der Wolkenwand → schneller, repetitiver Flicker im Cockpit.
  • Propeller im niedrigen Sonnenstand: Sonne wird durch den Propeller "zerschnitten".
  • Rotor-Blätter bei Helikoptern.

Symptome

  • Schwindel, Übelkeit.
  • In sehr seltenen Fällen photo-konvulsive Reaktion bei vorbelasteten Personen.

Gegenmaßnahmen

  • Strobe-Lichter ausschalten beim Eintritt in IMC / dichte Wolken.
  • Blick weg vom flackernden Bereich (z.B. Sonne durch Propeller).
  • Heading-Änderung weg von der Sonne.

Passagiere mit Motion Sickness — Pilot-Verantwortung

Als PPL-PIC:

  • Vor dem Flug fragen, ob Passagier zu Motion Sickness neigt; bei Risiko: vorbeugende Medikamente (vom Passagier, nicht Pilot).
  • Tüten für den Fall bereitstellen.
  • Sanfter Anflug, sanfte Kurven, Horizont-Sicht ermöglichen — steile Bank-Winkel und schnelle Richtungswechsel vermeiden.
  • Kabinentemperatur anpassen — nicht zu warm; gute Belüftung ist entscheidend.
  • Passagier soll Horizont beobachten, nicht ins Cockpit / auf die Karte starren.
  • Bei akuter Übelkeit: Frischluft, sinken auf glättere Höhe, Notfalls landen.

Medikamente — Vorsicht!

WirkstoffPilot-Verträglichkeit
Dimenhydrinat (z. B. Reisetabletten)Nicht für aktive Piloten — sediert, schläfrig
Scopolamin (Pflaster)Nicht für aktive Piloten — Sicht-, Aufmerksamkeitsstörungen
Ingwer (natürlich, Tee/Tabletten)Vielfach hilfreich, ohne sedierende Wirkung — vor dem Flug genießbar
Akupressur-BänderEtablierte natürliche Methode, ohne Risiken

Wichtig: Die meisten Anti-Motion-Sickness-Medikamente sind nach Part-MED als "incompatible with flying" eingestuft. Bei Selbstmedikation mit OTC-Reisetabletten: mindestens 24 h Pause vor dem Flug, oder Flugarzt konsultieren.

Habituation

Mit zunehmender Flugerfahrung adaptiert das System — die meisten Piloten haben nach 20–50 Flugstunden deutlich weniger Probleme.

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