Bewegungskrankheit (Motion Sickness, Reisekrankheit) entsteht durch einen Konflikt zwischen visuellen, vestibulären und propriozeptiven Sinneseindrücken, den das Gehirn nicht auflösen kann.
Symptome
- Übelkeit, Erbrechen
- Blässe, Kaltschweißigkeit
- Schwindel, Kopfschmerz
- Apathie, reduzierte Leistungsfähigkeit
- In schweren Fällen: Steuerunfähigkeit
Häufige Auslöser im Flug
| Situation | Mechanismus |
|---|---|
| Turbulenz | unregelmäßige vertikale/laterale Beschleunigungen |
| Steile Kurven, Kunstflug | starke g-Wechsel |
| Lesen / Kartenarbeit ohne Außenbezug | visueller-vestibulärer Konflikt |
| Hitze, schlechte Belüftung | begünstigt Übelkeit |
| Schwere Mahlzeit vor dem Flug | erhöht Empfindlichkeit |
| Hunger | gleichermaßen ungünstig |
| Müdigkeit / Stress | erhöht Empfindlichkeit |
| Angst, fehlende Motivation | erhöht Wahrscheinlichkeit von Airsickness (gilt für Pilot UND Pax) |
Pilot-Maßnahmen
| Maßnahme | Wirkung |
|---|---|
| Auf den Horizont schauen | Visuelle Eindrücke mit den vestibulären synchronisieren |
| Sanfte Steuereingaben | Reduzierte Beschleunigungen |
| Frischluft / Belüftung | Reduzierte Übelkeit |
| Mahlzeiten 1–2 h vor dem Flug | Mäßig essen, leicht verdaulich, keine fette/scharfe Nahrung |
| Hydratation | Wasser, kein Alkohol, wenig Kaffee |
| Kopf ruhig halten | Vermeidet Coriolis |
Flicker Vertigo (Flackerschwindel)
Flicker Vertigo ist eine spezielle Form vestibulär-visueller Irritation durch regelmäßige Lichtblitze mit Frequenzen typischerweise 4–20 Hz.
Auslöser im Cockpit
- Anti-Collision-Strobe-Lichter beim Eintritt in Wolken oder Nebel: das eigene Stroboskop spiegelt sich an der Wolkenwand → schneller, repetitiver Flicker im Cockpit.
- Propeller im niedrigen Sonnenstand: Sonne wird durch den Propeller "zerschnitten".
- Rotor-Blätter bei Helikoptern.
Symptome
- Schwindel, Übelkeit.
- In sehr seltenen Fällen photo-konvulsive Reaktion bei vorbelasteten Personen.
Gegenmaßnahmen
- Strobe-Lichter ausschalten beim Eintritt in IMC / dichte Wolken.
- Blick weg vom flackernden Bereich (z.B. Sonne durch Propeller).
- Heading-Änderung weg von der Sonne.
Passagiere mit Motion Sickness — Pilot-Verantwortung
Als PPL-PIC:
- Vor dem Flug fragen, ob Passagier zu Motion Sickness neigt; bei Risiko: vorbeugende Medikamente (vom Passagier, nicht Pilot).
- Tüten für den Fall bereitstellen.
- Sanfter Anflug, sanfte Kurven, Horizont-Sicht ermöglichen — steile Bank-Winkel und schnelle Richtungswechsel vermeiden.
- Kabinentemperatur anpassen — nicht zu warm; gute Belüftung ist entscheidend.
- Passagier soll Horizont beobachten, nicht ins Cockpit / auf die Karte starren.
- Bei akuter Übelkeit: Frischluft, sinken auf glättere Höhe, Notfalls landen.
Medikamente — Vorsicht!
| Wirkstoff | Pilot-Verträglichkeit |
|---|---|
| Dimenhydrinat (z. B. Reisetabletten) | Nicht für aktive Piloten — sediert, schläfrig |
| Scopolamin (Pflaster) | Nicht für aktive Piloten — Sicht-, Aufmerksamkeitsstörungen |
| Ingwer (natürlich, Tee/Tabletten) | Vielfach hilfreich, ohne sedierende Wirkung — vor dem Flug genießbar |
| Akupressur-Bänder | Etablierte natürliche Methode, ohne Risiken |
Wichtig: Die meisten Anti-Motion-Sickness-Medikamente sind nach Part-MED als "incompatible with flying" eingestuft. Bei Selbstmedikation mit OTC-Reisetabletten: mindestens 24 h Pause vor dem Flug, oder Flugarzt konsultieren.
Habituation
Mit zunehmender Flugerfahrung adaptiert das System — die meisten Piloten haben nach 20–50 Flugstunden deutlich weniger Probleme.