Sprechfunk (VFR)Lektion 2 von 33
02/33

VHF-Funk — Grundlagen

Lesezeit ca. 4 min·
de
Sprache wechseln (EN)

VHF-Funk — Grundlagen

In der zivilen Luftfahrt wird VHF (Very High Frequency) für die Sprachkommunikation zwischen Cockpit und Bodenstation verwendet. Standard seit den 1940er-Jahren.

Frequenzbereich

Aeronautical Mobile (R) Service:

  • 117,975 – 137,000 MHz für zivile Luftfahrt-Sprechfunk (ICAO Annex 10 Vol V).
  • In der Praxis beginnt der nutzbare Sprachfunk bei 118,000 MHz; 117,975 ist nominell der untere Bandanfang.
  • Aufteilung in Sub-Bereiche je nach Funktion (ATC, FIS, Tower, Ground, ATIS etc.).

Quelle: ITU Radio Regulations, ICAO Annex 10 Volume V.

Physikalische Grundlagen — Elektromagnetische Wellen

Lichtgeschwindigkeit / Ausbreitungsgeschwindigkeit elektromagnetischer Wellen:

c ≈ 300.000 km/s = 3 × 10⁸ m/s

Diese Konstante gilt für alle elektromagnetischen Wellen im Vakuum (Licht, Radio, Röntgen) — in Luft praktisch identisch.

VHF-Wellen verhalten sich "quasi-optisch" — d.h. sie breiten sich praktisch wie sichtbares Licht aus:

  • Geradlinige Ausbreitung entlang der Sichtlinie (Line of Sight, LOS).
  • Keine signifikante Beugung um Hindernisse oder die Erdkrümmung.
  • Keine Ionosphären-Reflexion (im Gegensatz zu HF / Kurzwelle).
  • Reflexion an Hindernissen (Berge, Gebäude) möglich → Multipath.

→ Konsequenz: VHF braucht Sichtlinie zwischen Sender und Empfänger. Hinter Bergen, hinter dem Horizont oder im Funkschatten → kein Empfang.

Modulation

Amplitude Modulation (AM) — speziell A3E (Double Sideband AM, voice):

  • Träger­welle + obere und untere Seitenband.
  • Bei Geräten-Defekt leicht hörbar als Rauschen (typischer "Mosquito"-Sound).
  • Capture Effect: nur ein Sender pro Frequenz hörbar — gleichzeitiges Senden (Doppelbelegung) erzeugt Pfeifen oder Stille.

Kanalabstand

Historisch: 25 kHz Kanalabstand → 720 Kanäle im VHF-Band.

Heute (EU): 8,33 kHz Kanalabstand — verpflichtend seit:

  • 5. Februar 2018: für alle Funkstellen im Luftfahrt-Bereich der EU oberhalb FL195.
  • 2. Februar 2020: Erweiterung auf alle Bereiche.

Im unteren Luftraum (PPL-Bereich) ist heute eine Mischung aus 25 kHz und 8,33 kHz im Einsatz — Pilot muss beides bedienen können.

2160 Kanäle im VHF-Band — vor allem zur Lösung der zunehmenden Frequenz-Knappheit in dicht beflogenen Lufträumen.

Quelle: EU Implementing Regulation 1079/2012 (Eight-Point-Three-Three).

Reichweite — Line of Sight

VHF-Funkwellen folgen der direkten Sicht­linie (Line of Sight, LOS) — keine Reflexion an Ionosphäre. Reichweite ist abhängig von Höhe und Topographie.

Faustformel (Bahn-Krümmung der Erde berücksichtigt):

R (NM) ≈ 1,23 · √h (ft)

Höhe AGLReichweite (NM) — flaches Gelände
100 ft12 NM
1000 ft39 NM
FL065 (6500 ft)ca. 95–99 NM (siehe Beispielrechnung)
FL100123 NM
FL200174 NM
FL400246 NM

Beispielrechnung FL065 über flachem Gelände: R = 1,23 × √6500 = 1,23 × 80,6 = 99,1 NM ≈ 95 NM (mit Sicherheitsmarge).

Praktisch erreichbar bei Reise­höhe FL065 ca. 95 NM zur Bodenstation in ebenem Gelände.

Einflussfaktoren auf VHF-Empfang

  • Höhe des Senders und Empfängers — primärer Faktor.
  • Topographie — Berge, Hügel reduzieren effektive Reichweite.
  • Wetter — meist geringer Einfluss; bei starken Gewittern Statik möglich.
  • Hindernisse im Strahlengang — Funkschatten.
  • Antennen-Charakteristik — vertikal polarisiert in der Aviation.

VHF-Funk-Ausrüstungspflicht

Für bestimmte Luftfahrzeuge ist VHF-Funk-Ausrüstung verpflichtend:

Luftfahrzeug-TypVHF-Pflicht
Drehflügler (Rotary wing / Helikopter)Ja (in den meisten Lufträumen)
Motorsegler (Powered gliders)Ja (für gewerblichen Betrieb, in kontrolliertem Luftraum)
Segelflugzeuge (Gliders)Ja in kontrollierten Lufträumen, viele Sport-Plätzen
Luftschiffe (Airships)Ja
Freiballone (Free balloons)Ja bei Aufstieg in/durch kontrollierten Luftraum

→ Generell: jedes Luftfahrzeug in Klasse A, B, C, D, RMZ (Radio Mandatory Zone) benötigt VHF-Funk. In Klasse E/G ohne RMZ ist Funk empfohlen, aber nicht immer pflicht.

Quelle: ICAO Annex 6 Part II + nationale AIPs.

Aviation-Spezifische Sub-Bereiche

FrequenzbereichVerwendung
118,000–121,395ATC (Tower, Ground, Departure, Approach)
121,500International Emergency Frequency — "Guard Frequency"
121,600–121,975Aerodrome / Ground Movement
122,000–123,675Aerodrome / Air Traffic Services
123,450"Air-to-Air" Frequency (informeller Austausch zwischen Piloten)
123,500Glider Common
123,700–128,825ATC En-Route
130,000–137,000Company / Operations

Quelle: ICAO Annex 10 Vol V, nationale Frequenz­pläne (BNetzA in Deutschland, BAKOM in Schweiz).

121,500 MHz — Notfrequenz

  • Hör­wache (Listen Watch) wird von allen Piloten empfohlen, wenn ein zweites Funkgerät vorhanden ist.
  • ELT-Signale (Notfunkbaken) senden auf 121,500 MHz und 406 MHz.
  • Bei Funkausfall auf primärer Frequenz: 121,500 versuchen.

Funkgerät-Anzeige im Cockpit

Typisch:

  • Active Frequency: links/oben — die gerade aktiv genutzte.
  • Standby Frequency: rechts/unten — bereits eingestellt für nächsten Wechsel.
  • Flip-Knopf: schaltet Active ↔ Standby.

Audio-Panel

Audio-Panel dirigiert Audio-Signale zwischen verschiedenen Funkgeräten, Intercom, NAV-Audio. Pilot wählt:

  • COM1 / COM2 hören.
  • NAV1 / NAV2 hören (für Morse-Identifier).
  • PTT (Push to Talk): rechtes Pedal-Tippen oder Yoke-Knopf für Sendebetrieb.
Fertig gelesen?
Melde dich an, um deinen Fortschritt zu speichern.